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Der Israelit · 1897-09-23 · Heft 76-77 (23.9.1897) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 76-77 (23.9.1897)
Date
1897-09-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1476 lehnt haben, aus der rwnpn nun der heiligen Lehre. Da heißt es nun im 4. Buche Mosche'S Capitel 10. Vers 5. manen iudji rrjn-in onypm Und wenn Ihr die Teruoh ertönen lasset, so brechen die Lager auf zum Fortzuge. Als einst unsere Ahnen in der Wüste lagerten und ihrem göttlichen Führer willigen, kindlichen Gehorsam leisteten, da war der Teruoh-Schall das Zeichen des Ausbruches des Lagers. Wenn dieser schmetternde Ton an ihren Ohren erklang, dann galt es kein Zögern mehr. Und ob sie in lieblicher Oase an den Quellen erquickenden Wassers, in dem Schatten grünender Palmen auch gern noch geweilt hätten, sie mußten den Ort der Annehmlichkeit verlosten und ihrem Führer folgen durch die öden Steppen der Wüste, durch ein unbekanntes, menschenleeres Land, um nach langem, mühevollen Wandern, durch mittägliche Sonnengluth, ein neues Heim und erquickende Ruhe zu suchen. — Auch wir müssen einst aufbrechen von hinnen. Auch uns ruft dieser Teruoh- Schall ins Gedächtniß, daß unseres Bleibens nicht von hinnen ist. Zitternd und gebrochen ertönet die Teruoh, klageno und durchdringend trifft ste unser Inneres. Wrnn auch des Glückes Fülle uns umgibt, wenn auch die goldene irdische Wonne und Lust uns lächelt, wenn auch an den Bächen der Freude wir lagern und in den Schatten stolzer Paläste wir wohnen, wenn der Ruf des Allmächtigen an uns ergeht, wenn der Befehl des Königs aller Könige erlaffen wird, dann verlassen wir diese Stätte der Ruhe und der Bequemlichkeit und müssen folgen dem himmlischen Führer in die uns unbekannten Gefilde der in Dunkel und Finsterniß gehüllten Zukunft. Und in jedem Augenblicke kann dieser Befehl, der unser Blut erstarren macht und uns mit Schrecken erfüllt, an uns ergehen. Darum mögen wir verstehen, was der Teruoh-Schall uns verkünden will, unsere Weisen haben es uns gelehrt. Wie halten wir fern von uns allen Schrecken, bannen jegliche Furcht in dem letzten Augenblicke des schwindenden Lebens? Wodurch gewinnen wir Fassung und Ruhe bei diesem letzten Schrille, an der Schwelle des letzten Scheidens? -rj?D '-xb d*.' aw. Kehre zurück, so rufen uns unsere Weisen zu, einen Tag vor deinen! Tode, kehre zurück von deinem frevelnden Thun, o Mensch! und du wirst gewiß sein, daß die ewige Gnade und Barmherzigkeit dir zutheil werden wird. Einen Tag vor deinem Tode? Wissen wir denn, wann unser Todestag sein wird, kennen wir den Einen Tag vor demselben? Mit Nichten. Somit mögen wir immerfort bei all' unserm Thun und Handeln bedenken, daß urplötzlich die Zeit an uns herantritt, und stets in Aufrichtigkeit vor Gott mit unseren Nebenmenfchen handeln, stets bußfertig sein und gerüstet zum Aufbruch, dann werden wir nicht zu fürchten haben daungewisse Land, nicht unzu ängstigen brauchen vor dem kommenden Tage. So möge denn dieser Teruoh Ton uns gemahnen, daß wir in uns gehen, den Pfad des Lasters verlassen und zu Gott, dem Ewigen da droben unsere Blicke lenken, auf ihn alle unsere Hoffnung, all unser Vertrauen setzen, auf ihn, in dessen Händen wir alle sind, arm und reich, groß und klein, und dessen Machtspruch uns erniedrigen und in den Staub treten, uns aber auch erhöhen und ewig glückselig machen kann. Thuet Buße nanw», das ist das erste, wozu der Teruoh- Schall uns ermahnen will. Und im 4. Buche Moscheh heißt es weiter im selben Capitel, dem neunten Verse: nana rar» iatn by najnxn nvnbv wan .aswao anv&x ospbtt "i vcb amaui nmxnn anim „Und so ihr in den Krieg zieht in eurem Lanve gegen den Feind, der euch bedrängt, so sollt ihr den Treuoh-Schall ertönen lassen auf den Trompeten; und ihr werdet von dem Ewigen, Eurem Gott bedacht und es wird euch geholfen w rden vor euren Feinden." Schön war das Land, anmuthig die Gefilde, welche der ewige Vater unseren Voreltern zuertheilt hatte. Die edelsten Pflanzen, die schönsten Früchte, sie labten das Auge der Bewohner und erquickten die Menschen, welche das Feld bebaut halten. Der Cedern Wälder zierten die Höhen, und liebliche Bäche schmückten die Thäler. Feiste Heerden, sie gaben kräftigende Nahrung und der Ertrag des Feldes war lohnend, der goldnen Aehren herrliche Pracht gab reichlichen Ertrag. Und da Israel folgte den Befehlen feines einzigen Vaters, feines Schirmherrn und Beschützers, gab auch der Himmel feinen Segen zu jederzeit. In des Sommers anmuthigen Tagen da erwärmte die Sonne das Erdreich und zeitigte die Früchte, und wohlthätiger Regen erquickte den Boden und tränkte ihn in den Tagen des Winters. Und Israel konnte sicher und ruhig wohnen unter dem Schutze des Höchsten aller Könige. Aber als des Glückes Sonne so gar goldig erglänzte, als die irdischen Güter ihm in solcher reichlichen Menge zuflossen, da vergaß das Volk über die Gaben den Geber, der erhabene Meister wurde vor dem vollende: en Werke vergessen, ja, er wurde verleugnet. Und das ewige lautere Ideal, das höchste Gut der heiligen Lehre, welches uns alles überwinden läßt, es wurde verachtet, und gedient wurde dem irdischen Tande und der vergänglichen Eitelkeit. Nach äußerer Macht und weltlichem Glanze drängte und strebte das Volk und feine Gebieter, und Ehrsucht und Neid erhoben ihre schlangenerfüllten Häupter. Da traf Gottes Strafgericht herein, und er schickte als sein Werkzeug rohe Horden, welche die Thore des Landes erbrachen und gemahnen ließen die undankbare Nation, daß es einen Rächer im Himmel gibt, der diejenigen mit Gewalt vernichten kann, welche mit gewaltiger Hand sein Heiligthum zerstören und vernichten. Ruhe und

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