Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1897)
- Date
- 1897-09-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1463 daß die Zahl der Förderer der Anstalt trotz des unverrückbar conservativen Standpunktes des Seminars niemals auf einen engen Parteikreis sich beschränkt hat, vielmehr Männer der verschiedensten religiösen Stellung deren Existenz als nothwendig erkannten uub durch ihre Mitgliedschaft förderten. Die unwandelbare Treue der Freunde des Rabbiner- Seminars hat sich auch in den letzten beiden Jahren wohlthuend bewährt; aber der Tod riß tiefe Lücken, der Ernst der Geschäftslage zwang Manchen, die Beitragsleistung einzuschränken oder ganz einzustellen. Andererseits legen die von Jahr zu Jahr steigenden Aufgaben auch gesteigerte Pflichten aus, so daß die Ausgaben wachsen (in den Berichtsjahren bis aus 63563,80 Mk.) und — soll das Seminar in seiner stetigen Entwickelung ruhig sortschreiten — jene unvermeidlichen Lücken aitsgesüllt, die Einnahmen zumindest ans gleicher Höhe erhalten werden müssen. Und gerade der diesmalige Bericht weist eine sehr namhafte Steigerung der Leistungspslichtcn aus. Die stark erhöhten Anforderungen, welche bei Promotionen an die akademischen Pflichten der Tbeologen gestellt werden, haben es nothwendig gemacht, die Storni der Studienzeit aus sechs Jahre zu erweitern. Die verlängerte Studiendauer legt aber auch weit größere Leistungen bei der unerläßlichen Slipendien- Dotirung der Hörer auf, damit diesen, so weit sie darauf angewiesen find, wenigstens ein Theil ihrer Existenzmittel gewährt tverden kann.. Hoffen wir, daß der Kreis der Gönner, wie bisher, freudig und opferbereit der Anstalt zur Seite stehen und daß es dieser selbst auch fernerhin gegönnt sein wird, zum Heile und Segen des Indenthums treue, gewissenhafte religiöse Leiter und Lehrer unserer Gemeinden hcranzubilden, als eine Pflanz- und Pflegeftätte wahrer, echter jüdischer Wissenschaft sich zu bewähren! ** Berlin, 14. S^pt. Betreffs der rituelletl Verpflegung der israelitischen Gefangenen sind dnrcb die von uns bereits mehrfach erwähnte Nundverfngung der Herren Minister des Innern und der Justiz vom 13. November v. I. neue Grundsätze sestgestellt worden, die durchaus keine Verbesserung des früheren Zustandes in sich schließen. Während früher z. B. im hiesigen Cen.iralgIängmsse zu Plötzensee die jüdischen Gefangenen rituelle Verpflegung am Passahfeste und am Neujahrsfeste wie am Vorabend und nach Schluß des Versöhnnngstages erhielten, und zwar aus Anstallskosten, ist durch die erwähnte Vertilgung die Versorgung der jüdischen Gefangenen mit ritueller Kost nur für das Passahfest gestattet, und auch nur dann, wenn die jüdische Gemeinde dieselbe auf ihre eigenen Kosten liefern will. Wahrend j nun der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde aus Antrag des israelitischen Gefängnißgeistlichen zur - Uebernahme dieser Verpflegung auf Gemeindekosten! sich sofort bereit erklärt hat, wandte stch der Vorstand des deutschen Rabbinerverbandes an die betreffenden Herren Minister, in wohlmotivirter Eingabe um Wiederherstellung des früheren Zustandes bittend. Diese Bitte ist aber ablehnend beschieden worden. Nichsd. stoweniger hat sich der Vorstand der hiesigen Gemeinde dadurch nicht abhalten lassen, auch seiners-its bei dem Herrn Justizminister betreffs der hiesigen Justizgefängnisse vorstellig zu werden und denselben zu bitten, daß er gestatte, auf Gemeindckosterr die Gefangenen auch am Neujahrs- und Versöhnungsseste rituell verpflegen zu dürfen. Auch hierauf ist nunmehr ein ablehnender Bescheid des Herrn Justizm'-nisterS eingegangen. Jedoch wollen weder der Rabbinerverband noch der Gemeindevorftanv sich hierbei beruhigen und weitere Schritte versuchen, um der G'wistensnoth unserer unglücklichen Glaubensgenossen abznbelsen. ** Wiesbaden, 17. Sept Die Synagoge der altisraelitischen Enltusgemeinde, Friedrichstr. 25, hat eine Renovation erfahren, die das Gotteshaus in einem glanzvollen, würdigen Schmucke erscheinen läßt. In erster Linie war man darauf bedacht, eine Vergrößerung dess lben zu erzielen, da bei dem stetig wachsenden Besuch der Synagoge, namentlich in der Hochsaison auch durch die Kursremden, die bisherigen Räumlichkeiten sich als zu eng erwiesen halten. In geschickter Weise hat es unser Glaubensgenosse der bauleitende Architekt HerrLangrodt verstanden,diesem Uebetstande durch Verlegung mib Erweiterung der Empore- Gallerie, welche die Plätze für die Damen enthält, zweckentsprechend abznhelsen. Eine breite Treppe führt hinauf zur Empore, die außerdem eine Rothtreppe hat und mit ihrer elegant ansgestatteten Gallerte einen vornehmen Eindruck macht. Die Erneuerung des Anstriches, die geschmackvoll ansgeführtenDckorationsarbeiten,dieAnlage einer Ventilation, Linoleumteppiche in den Gängen geben dem ganzen Gotteshanse, das durch hochherzige Spender außer anderen Ausstattungs-Gegenständen auch ein neues silbernes ewiges Licht erhalten hat, ein freundliches Aussehen. Wie im Innern, so hat die Synagoge auch äußerlich ein neues schmuckes Kleid erhalten. Ueber dem Eingänge sind die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten angebracht, während das Ganze von dem jüdischen Symbol in Form einer Sonne, und ein andern Zwecken dienender, in gotyischem Stil gehaltener kleiner Thurmban von einer Sonne bekrönt wird. Die neu renovirte Synagoge wurde vor einigen Tagen ihrer Bestimmung übergeben und fand aus diesem Anlässe' ein FestgoiteZdieuft statt, zu dem auch Andersj gläubige Zutritt hatten und bei welchem Herr Rabbiner Dr. K ahn die Festpredigt hielt. Erwähnen! wollen wir noch, daß die Renovirungsarbeiten unter! der Aufsicht des Vorsitzenden der Baukommission