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Der Israelit · 1897-09-20 · Heft 75 (20.9.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 75 (20.9.1897)
Date
1897-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1460 seiner Einbildung — Zwiespalt allüberall und Verschiedenheit! Wo, wo ist der wahre Weg, w o wohnt das Glück? Wo es wohnt? Schauet nur hin auf den lebendigen Wegweiser, den uns Nosch haschono vor Augen stellt! Folget ihm, ihr betenden Herzen, folget ihm hinaus in die feuchte Dämmerung eines frühen Morgens, sehet ihn rüstig einherschreiten, den Greis im silberweißen Bart, zur Seite den zarten, jugendlichen Sohn! Der Alte geht, seinen Sohn zu opfern, der Herr hat ihm den Ort gewiesen, zaglos wandert er auf ihn zu, und „am dritten Tage, da erhob Abraham seine Augen und sah den Ort von Ferne", den Ort, den er ersehnte, den Ort, den ihm Gott gewiesen, der sein Ziel, sein Glück umschloß, schauet hin, ihr Herzen alle, und erbebet in Eurem tiefsten Grunde und erkennet des Glückes Wohnstätte. Es wohnt da, wo Gott ihm seinen Platz gewiesen. Es giebt nur ein Glück, das ist ein Leben mit Gott und es giebt nur ein Unglück, das ist ein Leben ohne Ihn. Ein Midrasch aus der Erzählung von der Opferung Jsaak's soll dies noch klarer veranschaulichen. Als Abraham, so erzähl der Midrasch, aus der Wanderung nach dem Berge Morijah, den Ort von Ferne erblickte, da fragte er seinen Sohn Jsak, was er denn in der Ferne erblicke? Jsak erwiederte: „Ich sehe einen schönen, herrlichen Berg, und eine Wolke ist um seine Spitze gelagert." Darauf wandte sich Abraham an die ihn begleitenden Knechte und fragte sie, was denn sie erblickten. Sie erwiederten: „Wir sehen nur ödes, wüstes Land." „Wohlan," sprach Abraham da zu seinen Knechten, no c:6 „bleibet Ihr hier zurück bei dem Thier, ich aber und Jsak wollen bis dorthin gehen, uns im Gebete bücken und dann wieder zu Euch zurückkehren." Die Knechte in dieser Erzählung, die an derselben Stelle, wo dem auserwählten Gottesjünger eine entzückende Fernsicht sich aufthut, nichts anderes sehen als ödes, wüstes Land, sie sind uns ein Bild jener Menschen, die ein Leben führen ohne Gott. E i n Leben ohne Gott! Wie traurig, wie schaurig das tönt! Wohl, den Ohren der Alltagsmenschen tönt es vielleicht so gleichgiltig wie irgend ein anderes, in diesen entscheidungsvollen Tagen aber, da wir alle aus uns heraustreten, da wir prüfend rückwärts, wägend der Zukunft entgegen blicken, und bang erzitternd dem Eintritt des erhabenen Gerichtstages entgegensetzen, da tönt uns jenes Wort wie eine warnende Stimme, wie ein Weckruf aus tiefem Schlummer, darein wir versunken waren, rüttelt es uns empor, und da wir ihm lauschen, faßt uns Schrecken und Entsetzen: „Ein Leben ohne Gott!" Wie ein solches Leben verläuft, was es an Inhalt und Erfolgen bringt? Wüßten wir das nicht zu schildern, wir könnten mit größerer Freudigkeit den festlichen Tagen ins Antlitz schauen. Aber wir sehen es, in zahllosen Beispielen schaut unser Auge die gottverlassenen Lebensführungen ihre trüben Pfade emherziehen, auf Schritt und Tritt kreuzen sie uns mit ihrem frevelhaften Beginnen den Weg. Ein Leben ohne Gott! Welches ist der Mittelpunkt, um den sich ein solches Leben dreht? Welches sind die treibenden Kräfte, die in ihm schallen? Der Mittelpunkt, um den es sich dreht, ist der irdische Besitz, seine treibenden Kräfte sind die Gewohnheit, die Bequemlichkeit und die Ge d anke n l o si gkeit! Unter allen Wesen, die Gott erschaffen, ist der Mensch das Vorzüglichste. Ihn hat Ec ausgestattet mit der Gewalt der Sprache und den erhabenenen Fähigkeiten des Geistes. Alle seine Kräfte, mit denen er die Natur bezwingt und sich dienstbar macht, weisen auf ein Höheres, Göttliches hin enbuv vvv imsnm, „er ist den Engeln nur um ein Geringes nachgesetzt!" Sein Geist ist sein wahres Besitzthum, das einzig unverlierbare Gut, welches er sein nennt. Und nur ihm gilt des Menschen Beachtung so wenig und er wendet seine ganze Sorge Demjenigen zu, was er auch mit den T h i e r e n gemeinfam hat, und zu seines Daseins Brennpunkt macht er sich selbst in seinem Nachts, in seiner Hinfälligkeit und könnte und sollt' es doch sein in seiner Hoheit und Majestät! Das ist das Uebel, daran wir kranken. Oder, um nur ein Beispiel hervorzuheben, was ist schuld daran daß die Fülle von Betern an den heiligen Tagen, anstatt uns zu erheben und zu erfreuen, uns vielmehr das Herz mit tieftrauriger Wehmuth füllt, da wir der zahllosen Stunden des Gebetes gedenken, wo die Gotteshäuser leer und verlaffen standen, was anderes ist schuld an diesem qualvollen Mißverhältuiß zwischen jetzt und sonst, wenn' nicht jener lässige Gleichmuth gegen alles Göttliche, der unser Geschlecht so traurig auszeichnet, wenn nicht jene erbärmliche Sorge um den Besitz, mit der sich der Mensch Alles zu erwerben vermeint, während er sich in Wahrheit Alles raubt? Leer und öde aber, wie der Inhalt solchen Lebens, sind auch seine Erfolge, sind seine Freuden, sie laben nicht das Gemüth weil ste jeder Laune der erfinderischen Tagessitte, der Eitelkeit, dem Tand und dem Flitter fröhnen. In ihrem Gefolge tauchen alle jene schalen Genüsse auf, die nur ernüchtern, statt zu erquicken, und die der Wünsche lange Kette INS Endlose auseinanderzerrt. Darum ist jene von unseren Alten anempfohlene Genügsamkeit so ganz aus unserer Mitte entschwunden, die man wahrlich noch nicht wörtlich zu befolgen braucht, um ihrem Geiste gerecht zu werden: "ni jvn pso bin nnsrn irrmms cm bmn nbrQ ne

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