Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1897)
- Date
- 1897-09-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XX1Y1II. Jahrgang. Jfä Der Israelit. Ein Wntrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. fe^nmtm in Wt«inz montaa, t>en 20. September 5657 (1897). Da mit dem 1. October 1897 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1897 eingetragen unter Nr. 3605. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende September gratis. Leitender Artikel. Der Wegweiser. Ein e F est b et r a chtung zum neuen Jahre von Rabbiner Dr. Ackermann tt: in Brandenburg a. H. Ein neues Jahr! Ein neuer Tropfen im Meere der Ewigkeit! Ein neues Geheimniß, dunkel und verhüllt vor dem Sterblichen aufgepflauzl, der seine Schleier nicht zu lüften vermag! — Bald wird er uns grüßen mit seinen festlichen Strahlen, des neuen Jahres erster Morgen, und sein junges Licht wird herniederschauen auf Allisrael und er wird erblicken die Demuth und die Bangigkeit auf den Mienen, die Einkehr und die Umkehr in den Herzen. Und wir werden ihm seinen Gruß erwiederu, dem jungen Tage, und werden des Spruches harren, den er uns in die Herzen rufe. Und siehe da, wir fassen feinen Inhalt und blicken überströmenden Herzens nach dem einzigen Geschenk hin, das er uns hold entgegenbriugt: Leben! Da ergreift es uns mit unnennbarer Sehnsucht, alle Ströme unseres Innern fluthen nach diesem einen Ziele hin, heiß und bang steigt uns dieser einzige Wunsch in Herz und Sinn, zitternd, zagend, ob er Gewährung finde, streben wir mit all unsres Daseins Fasern nach diesem einzig ersehnten Gute: Leben! Mit einem Schlage sind alle Schranken gefallen, die uns das ganze lange Jahr getrennt; der Reiche vergißt seine Kostbarkeiten, der Arme achtet nicht feines zerfetzten Kleides, der Hochmüthige steigt von seiner schwindelnden Höhe hernieder und der Bescheidene wagt sich schüchtern hervor; ein Laut, eine Sehnsucht, eine Frage, ein Empfinden: Leben?! „Gedenke unser zum Leben, König, der Gefallen hat am Leben, schreibe uns ein in das Buch des Lebens, um Deinetwillen, Herr des Lebens!" Einen kleinen Schritt noch wagen wir vorwärts auf des Wunsches Bahn, ehe wir Halt machen; einen kleinen Schritt, — und dennoch umfaßt er Alles, was uns noch fehlt, wenn wir uns das Leben wünschten, er heißt: „Glückliches Leben!" Denn was wäre uns der Atem unserer Brust, das Pochen unseres Herzens, das Rollen und Kreisen unseres Blutes, so nicht dieses Leben einen Inhalt hätte, der uns befriedigte, so es nicht Glück enthielte? Und siehe da, mit diesem einen kleinen Schritt ist die Einmüthigkeit unter den Betern entschwunden! Als sie um Leben baten, hatten sie alle Eines im Sinn — aber als sie glückliches Leben erflehten, zeigte sich jedes Herz von einer anderen Sehnsucht erfüllt. Der Eine sah sein Glück in Gold und Gut, in der Mehrung feines Besitzstandes und in der Sicherstellung seiner Habe, der Andere in der Befreiung von Sorgen, in der Heilung seiner Krankheit und der Festigung seiner Gesundheit, wieder ein Anderer in dem Gedeihen seiner Kinder, im Stolz auf ihren Fortschritt und ihre Erfolge, noch ein Anderer in der Befriedigung seiner Eitelkeit und