Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 74 (16.9.1897)
- Date
- 1897-09-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1442 dern an — und einem anerkannt tüchtigen Menschen sollten sie kein Vertrauen schenken, blos deshalb, weil er Jude ist? Lächerlich." „Und es ist doch so; die Juden verdienen einmal kein Vertrauen, weil sie es fast immer mißbrauchen." „Ei, ei, liebe Elsa, et tu Brüte? Auch Du billigst dieses Urtheil? Mir ist jeder gute Mensch gleich lieb und werth. Mag er eine Religion haben, welche es auch sein mag." „Das sind nun wieder philantropische Phrasen, die sich niemals verwirklichen." „Das zu beweisen sollte Dir schwer werden." „Nichts leichter als dieses." „Nun? ich bin begierig." „Könntest Du einen Juden heirathen?" „Warum nicht? wenn er ein braver guter Mensch ist," „Du könntest Reiß heirathen?" „Gewiß und ich glaube nicht, daß meine Eltern ein Wort dagegen sagen würden." „Nun, bei Reiß ist es auch etwas anderes. Ihm verdankst Du Dein Leben, Er hat Dich aus dem Feuer gerettet und ich weiß noch nicht —" Der Wagen hielt. Ehe Elsa ihren Satz beenden konnte, wurde die Thüre geöffnet und die Mädchen stiegen aus. Der Portier geleitete sie zu dem großen Etabliffement, vor dessen Portal der Wagen hielt. Sie traten ein und durchschritten die hohen, Hellen Verkaufsräume, stiegen dann eine breite Treppe hinan und befanden sich im ersten Stock, woselbst das An probezimmer der Confektionsabtheilung des Geschäftes war. Selma sollte ein neues Kleid anprobiercn, und da hatte sie Elsa, die einen guten Geschmack und scharfen Blick hatte, gerne dabei. Die Anprobe dauerte nicht lange. Das Kleid saß tadellos und war chic gearbeitet. Das Personal tvar so überaus freundlich und liebenswürdig, ohne dabei aufdringlich zu werden, daß die Anprobe keine Last, eher eine Lust für die Damen war. Der Inhaber des Geschäftes, Commerzienrath Lazar, einer der reichsten Juden der Stadt, hatte seinen Stolz darein gesetzt und es war ihm gelungen, seinem Geschäfte einen Ruf zu verschaffen. Die Damen der Aristokratie waren seine ständigen Kunden; schon lange hatte er das Diplom als Hoflieferant und als er seine kostbare Sammlung von Erzeugnissen der Textilindustrie dem Landesmuseum zum Geschenk gemacht hatte, war er von dem Fürsten zum Commerzienrath ernannt und ihm ein Orden verliehen worden. Als die beiden Damen die Treppe zu den Verkaufsräumen wieder herabstiegen, trat ihnen Herr Lazar mit freundlichem Gruße entgegen. Er fragte, ob sie zufrieden seien und als sie dieses bejaheten, wollte er sie schon zur Thüre geleiten. Da sagte Selma : „Apropos, Herr Commerzienrath; ist Herr Dr. Reiß nicht Ihr Pflegesohn?" „Nicht gerade mein Pflegesohn," entgegnete der Commerzienrath, „seine Mutter starb bei der Pflege meiner Alice und da fühlte ich mich verpflichtet, so lange für ihn zu sorgen, bis er das selbst thun kann." „Diese Zeit scheint nun gekommen zu sein," versetzte Elsa; „er und sein Freund haben ja die Absicht, eine Privatklinik hier zu gründen und unserem alten Hospital Konkurrenz zu machen." „Ganz recht, mein Fräulein," fuhr Lazar fort, „die Anstalt wird schon in vier Wochen eröffnet werden und ich hoffe, daß die jungen Leute reüssieren." „Ja, die Leutchen sind noch sehr jung," versetzte Elsa malitiös, „tnein Geschmack wäre ein so junger Arzt nicht." (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich sweimal, Montag« and Bonneratag», jedeSmal in mindesten» »wer Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — -er -vchhanäet verkehrt tnrch T f. -trt«R>ker, Fetpstg, -vhplatz IS. — Inserate 25 Pfennig die4faltige Petitzelle oder deren Raum. Pret» der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozuscndung untet Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 8 fl. ästerr.. für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo einzusenden. Tine Mlfwhiiii »oi» oa »tc Redaktion eingesandten Mannseripten stndrt nicht statt, «an »itttt deShatv, sich von allen Einsendungen eine «opte zurüLzubehalten. Inhalt (Hauptdlatt). Leitender Artikel: Der Zionismus. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus dem Bezirksrabbinate Breiten. Mühlhausen i E. Schweden: Stockholm. Portugal: Lissabon. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Stunde der Vergeltung. Von Paul Gotthclf. (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Vorbereitung zum Neujahrsfeste. — Zeitungsnachrichten und Eorresponbcnzen: Deutschland: Berlin. Halbcrstadt. Aus Bauern. Rußland: Odessa. England: London. — Vermischtes. Inhalt der Pädagogischen Beilage: Die zwei Lager in der hessischen Lehrerschaft: — 29. Jahresversammlung der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens. — Protokoll der Versammlung des „Freien Vereins jüdischer Lehrer Hannover- Bremen." «rtra Beilage: Sprüche der Väter Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofduchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hier»« drei Beilagen