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Der Israelit · 1897-09-16 · Heft 74 (16.9.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 74 (16.9.1897)
Date
1897-09-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1441 schiedenen Worten aus. Keine Religion oder Moral hätte einen solchen Einfluß auf Völkerschaft und Individuen gehabt, wie das aus dem Judenthum hervorgegangene Christenthum. Professor Rudin erkannte an, daß der Vorredner vom Gesetz und von den Propheten eine tiefere Auffaflung als mancher Christ an den Tag gelegt hätte. Portugal.? Lissabon. Bis in unser entlegenes Land hat der moderne Antisemitismus seinen Weg zu finden gewußt. Am 21. August hat in der portugiesischen Deputirtenkammer ein Deputirter Luciano Affonso da Lina Monteiro gelegentlich einer Debatte über das Tabaksmonopol wüthende Angriffe gegen die Juden ausgesprochen, sie eine Bande von Dieben genannt und ihnen jeden Palrimismus abdisputirt. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde, die Herren Simao Anakory, Judah Benoliel, Marcus Zagun), Salomoo Seruja, Salomon de M. Seguerra hat dagegen einen geharnischten Protest in der gelesensten Zeitung unserer Stadt veröffentlicht. > Vermischtes < Pesth. Der berühmte jüdische kcüs. und kyl. Hofphotograph Erdölyi wurde vom König Alexander von Serbien durch die Verleihung des St. Sova-Ordens ausgezeichnet — Der königl. Ungar. Handelsminister Baron Ernst von Daniel hat Herrn Moritz Gero zum Ehes der Serajewocr Filiale des königl. ungar. HandelsmusemnS ernannt. Die Stunde der Vergeltung. Von Paul Gotthcls. Z) sAlle Rechte Vorbehalten.j II. Sechs Jahre sind verflossen. Aus den Ruinen der in jener Nacht niedergebrannten Häuser sind schönere entstanden. Die Stadtväter hatten die Gelegenheit benützt, und ein ganz neuer Stadttheil war erstanden. Die schönen geradlinigen Straßen, die Prachtbauten gaben diesem Stadttheil ein pompöses Aussehen. Vor jedem Hause war ein kleines Gärtchen, so daß Blumen und Grün dem Auge eine wohlthuende Abwechslung boten. Vor einem der schönsten Häuser hält ein Coupo. Der Kutscher sitzt aufmerksam auf seinem Bock, denn das feurige Pferd steht nicht gerne stille; mit seinen kleinen Hufen scharrt es unmuthig die Erde. Da öffnet sich die Hausthüre und in Begleitung der Dame des Hauses erscheint ein junges Mädchen. Ihr heiteres Wesen und ihre helle Stimme fallen auf, ebenso wie ihre Schönheit nicht unbemerkt bleiben konnte. Sie verabschiedet sich nun von der Dame und wendet sich dem harrenden Wagen zu. Noch ehe sie eingestiegen war, tönte aus der Nähe eine Stimme. „Selma! Selma! Du willst schon fort?" und in eiligem Schritt kam ein junges Mädchen herbei, welches von der Wartenden freudig begrüßt wurde. „Ei, ei, das nenne ich Glück," sprach die soeben Angenommene, die eine sprechende Ähnlichkeit mit der älteren Dame hatte, „jetzt kommst Du noch einmal mit ins Hans!" „'Nein, nein, Elsa, ich bin schon lange bei Deiner Mama gewesen. Ich will Dir aber einen Vorschlag machen. Fahre mit, hilf mir meine Commissionen besorgen und ich setze Dich in einer Stunde wieder hier ab." „Ich will erst Mama fragen." Mit diesen Worten eilte sic ins Haus und kam bald darauf zurück. „Mama hat nichts dagegen; wohin also?" Die beiden Mädchen stiegen ein und das Gefährt raste, nachdem Selma dem Kutscher Bescheid gesagt hatte, davon. Während der Fahrt unterhielten sie sich von den Neuigkeiten des Tages. Als diese erschöpft waren, blieben beide eine Zeit lang ruhig. Endlich fragte Selma: „Wie geht es eigentlich Deinem Bruder? Hat er sein Eramen schon bestanden?" „Noch ist er nicht fertig; aber ich denke, daß er in vier Wochen zu Hause ist." „Und will er wirklich anfangen zu praktizieren?" „Gewiß wird er das; wenn auch nicht privatim, so doch am hiesigen Hospital. Papa hat schon Schritte gethan, daß er eine Assistentenstelle erhält." „Bei wem?" „Beim Geheimrath Hechler." „Bei dem Grobian? Na, ich glailbe, die beiden werden sich nicht lange vertragen." „Warum nicht? — Apropos Reiß und Jordan wollen ja eine Privatheilanstalt in hiesiger Stadt gründen. Sie haben das Schlößchen gepachtet und wie ich höre, bringt man ihnen hier viel Sympathie entgegen." „Das verdienen sie auch; es geht ihnen ein ausgezeichneter Ruf voran. Die Professoren, deren Assistenten die beiden waren, sollen sie ungern scheiden sehen. Nur eines ist schade." „Und das wäre?" „Daß beide noch so jung sind. Ein junger Arzt ist nicht nach Jedermantts Geschmack." „Das ist übrigens ein Fehler, der sich mit jedem Tage bessert." „Aber etwas Anderes ist schade; Reiß ist Jude. In unserer Stadt hat man die Juden nicht besonders gerne und ich weiß nicht, ob er sich ein Vertrauen erringen kann, das man ihm seines Glaubens halber nicht entgegenbringt." „Seine Religion wird kein Grund sein, daß er weniger tüchtig ist; vertrauen sich doch viele Leidende Kurpfuschern, alten Frauen, Schäfern, sogar Schin-

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