Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 74 (16.9.1897)
- Date
- 1897-09-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448776--44608-2493712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1440 umgeht, dieser unserer Schilderung der Zustände im Oberelsaß ein Dementi entgeqenzusetzen? Ein Vorschlag zu wirksamer Abhilfe muß in erster Linie dem Elementarunterricht der Schuljugend sein Augenmerk zuwenden. Jede Gemeinde muß unbedingt einen oder mehrere tüchtige, geprüfte Lehrer im Hebräischen sür "Tn, wenn möglich auch für ctr, ««stellen, wie sie auden Seminaren von Würzbürg und Köln hervorgehen, und sei eS aus die Gefahr hin, die Gehälter von anderen Beamten dafür kürzen zu muffen. Denn, was soll uns schöner Synagogengesang, wenn der Inhalt des Gebets nicht verstanden wird, oder was soll uns ein Rabbiner, wenn wir nicht einmal mehr im Stande sind, ihm eine oorzulegen? Was sollen uns Lern- Chewras für Erwachsene, welche in ihrer Jugend das erste Capitel von rwn nicht im Urtexte verstehen lernten oder die Vorträge in Literaturvereinen für ein Publikum, in dem jedes Interesse sür unser Schristthum in früher Kindheit schon erstickt wurde? In den Kinder- und Jugendjahren soll der Grundstein für unser religiöses Wrffen gelegt werden, denn „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr", oder wie es unsere Weisen in den Sprüchen der Väter noch viel anschaulicher ausdrücken: rowa mb non rrn nvb ni" nvibn : niorr p w'bx .pro w bv nzva vib non xn nisb p ’ivbn «nn *v: bv Wer soll nun die Initiative zu einer derartigen Neuerung ergreifen, denn eine solche wäre dies im Elsaß, so unbegreiflich es Altdeutschen auch Vorkommen mag? Etwa die Consistorien!? In ihrer jetzigen Zusammensetzung gewiß nicht und in absehbarer Zeit dürfte sich der Charakter derselben kaum sobald soweit ändern, daß man aus dieselben hoffen könnte. Oder sollte sie von der Regierung ausgehen? Dieselbe hat zu wenig Interesse an der Sache, als daß sie einzugreifen sich gemässigt sehen würde. Nein, hier zu Lande ist jeder gute Jehudi Lediglich auf sich selbst angewiesen; jeder möge in seiner Gemeinde mit allen Kräften auf dieses Ziel hinwirken. Wenn dieser Aufruf zur Aufrüttelung der Gemüther auch nur in einer Gemeinde beigetragen hätte, wäre sein Zweck schon erfüllt. Auf diesem Weg wird uns vielleicht bis in 20 Jahren eine neue Generation erstehen, welche ihre Aufgaben als Israels Söhne bester begreifen wird, als es die jetzige vermag. Ich habe das feste Vertrauen in unsere altelsässische Bevölkerung, daß mein Mahnruf nicht ganz ungehört verhallen wird. Vielleicht mag derselbe auch die Anregung dazu geben, daß einige gleichgesinnte Männer von Hand und Herz in unserm engern Vaterland namentlich die jüngeren frommen Rabbiner zusammentreten werden, um nach dem Vorbilde des „Vereins für die Jntereffen des orthodoxen Judenthums" in Frankfurt eine Vereinigung zu bilden, welche in nachhaltigerer Weise als es der einzelne vermag, für die religiöseHebung unserer Jugend im Sinne unseres altehrwürdigen Schriftthums, sowie unserer heiligen Institutionen in die Schranken tritt, arme Gemeinden in ihren Bestrebungen in diesem Sinne mit Rath und vor allem mit That und Geld unterstützt und die Herzen der Gesrmmtheit für die Verwirklichung dieser mit Gottes Hckfe durchaus leicht ins Leben zu rufenden Institutionen zu gewinnen vermag — sei es auch um den Preis des Verkaufs einer mehr oder minder harmonischen Synagogenorgel, .p-nn nen 'r\b nmh ny Es gibt Zeiten, wo die kühne That eines Pinchas verdienstlicher ist, als das nmy eines Moscheh .p' pssm Dr. med. E. M e y e Schweden. ** Stockholm In unserer Zeit der Congreffe, Ausstellungen, Synoden, Versammlungen tagt hier zur Abwechslung ein „Religionswissenschaftlicher Congreß." Unter den Rednern befand sich auch Rabbiner Professor Klein, der über „Religion und Moral" sprach. Er betonte, wie Religion und Ethik bei den Alten geschieden wäre, während sie dagegen bei den Juden vereinigt wurden. Unsere Zeit versuche sie, berauscht von den naturwissenschaftlichen Erfolgen, wieder zu trennen. Eine solche Trennung leite aber doh zur Herrschaft der siunlichen Triebe, Verwerfung aller Autorität u. s. w. Redner erwähnt dann die ethischen Gesellschaften in England und Anierika und berichtet über Gizickys Werk „die Begründung der Moral", in dem er gewiffen Sätzen entgegentrat. Dann gab er eine Definition der Religion. Die prophetische Neligion im alten Israel dürfte die höchste sein. Sie wäre mehr als eine andere frei von Magie, Priesterlift u. s. w., und sie hätte sich lebenskräftiger als eine andere erwiesen. Sie wäre daher das geradezu klassische Vorbild, dem die Leitung zukomme, ebenso wie die Leitung in der Kunst den alten Griechen zukommen, zu denen die Künstler aller späteren Zeiten als dem Höchsten, das auf diesem Gebiete bekannt sei, zurückgegangen wären. So wäre auch die Religion Israels das Höchste und Normgebende auf diesem Gebiet, sie wäre die Religion der Menschheit. „Du sollst Gott in Geist und Wahrheit anbeten," dies Wort wäre von Semiten ausgesprochen. Die Religion Israels stände ebenso allein auf religiösem Gebiet, wie die griechische Kunst auf dem ihrigen. Derjenige, der das Wesen der Religion kennen wolle, müffe ins Land der Propheten gehen und ebenso deren Sprache verstehen. In dieser fände man im Alten Testament Definitionen der Religion. Zum Schluß wolle Redner die aufgestellte Frage dahin beantworten, daß Religion und Moral eins sei, beide sprächen dasselbe mit ver-