Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 74 (16.9.1897)
- Date
- 1897-09-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1489 in Breiten statt. Nachdem der Vorsitzende die Anwesenden in passenden Worten begrüßt hatte und die Herren Eichstetter in Eppingen und Geismar Ln Gemmingen zu Sekretären ernannt worden waren, ging man zur Verhandlung der Tagesordnnng „Unterricht im Gebetübersetzen der oberen Schuljahre" über. Die Reihenfolge der Besprechung der vier eingelaufenen Arbeiten der Herren L i b e r l e s—Grötzingen, Kahn —Jöhlingen, Eichstetter—Eppingen und Ro ths ch i l d—Brette» wurde durch das Loos bestimmt. Diese ausführlichen Arbeiten, welche den Stoff (bis im günstigsten Falle die Durchnahme des ganzen Gebetbuches) und die verschiedenen Methoden des Unterrichts behandelten, wurden als gut anerkannt. Die wenigen Einsprachen einer vom Vortrage abweichenden Methode wurde durch gegenseitige Auseinandersetzungen gehoben. Eine längere Verhandlung nahm die Sache in Anspruch, ob v o r oder nach dem Uebersetzen eine fachliche Erklärung des Stückes vorzunehmen sei. Die Mehrzahl entschied sich für das Erftere. Während der Conferenz zeigte sich wieder neuerdings, wie sehr Herr Rabbiner Schleßinger mit pädagogischem und diktactischem Wissen gebildet ist. Gemeindevorsteher und Synooalmitglied Herr Herzberger, welcher den Verhandlungen von Anfang bis Ende beigewohnt hat, bat die Lehrer, schon bei den Kindern auf Handhabung der so notbwendigen Synagogenordnung hinzufehen, damit die Jugend schon daran gewöhnt werde. Zum Schluffe legte der Bibliothekar, Herr E i ch ft e t t e r—Eppingen Rechenschaftsbericht über die gegründete Lehrerbibliothek ab. Man schied mit dem Bewußtsein, durch den collegialischen Gedankenaustausch wieder Vieles gelernt zu haben. Mülhausen i. E. Man schreibt uns: Die Polemik pro uns contra Civis und Tr. Go l d st e in in Ihrem Blatte hat hier im Elsaß viel Staub aufgewirbelt und jeder gute Jehudi wird sich mit mir freuen, daß der crasse Jndifferentismus hierzulande endlich dem beginnenden Interesse an unfern heiligen Gütern zu weichen scheint. Hoffentlich wird der Staub nicht vergeblich aufgewirbelt sein und die Stimmung endlich in Thaten umgesetzt werden. Ob man für die Person des Civis oder der des Herrn Dr. Goldstein Partei ergreifen will, ist — so sehr sich der ferienreisende Schreiber des letzten diesbezüglichen Artikels darum ereifert — eine Sache von durchaus untergeordneter Bedeutung und soll an diesem Orte gar nicht erörtert werden. Uns kommt es lediglich auf die Sache an. Und zur Sache hat der Herr Civis hier im Elsaß schon Erkleckliches geleistet; was uns aber manche frömmelnde Rabbinen, deren wir ja nicht wenige im Elsaß besitzen, bisher zur Hebung unseres religiösen Wesens genutzt haben, das läßt sich an den Fingern abzählen. Ich möchte den ehrwürdigen Herren nur einmal Capitel '/ aus Secharjah zum Studium empfehlen, um ihnen vor Augen zu führen, daß Fasten und Casteiung in Zeiten, wo die That noch thut, in den Augen unserer Propheten die letztere nicht zu ersetzen vermögen. Wir haben unter den schon über 80 Jahre bestehenden traurigen Zuständen unfern Rabbinen bisher das Wort gelaffen. Warum haben sie ^ie mannigfach sich darbietende Gelegenheit nicht benutzt, wie es ihre Pflicht als Berather der Gemeinde war? Warum haben sie es die lange Zeit stillschweigend über sich ergehen laffen, daß — um einen Hauptpunkt heranszugreifen — der Unterricht in unserer heiligen Sprache und in unserem altehrwürdigen Schriftthum, in yv und v'w, -pn in den allermeisten Gemeinden unseres von jeher wegen seiner Schriftgelehrsamkeit früher bekannten Länvchens vollständig aufgegeben wurde? Geschah es aus einfachem lai88er aller — oder aus Furcht vor den Consistorien oder um das Honorar für die sogen, wöchentlichen Religionsftunden in den Schulen an sich zu ziehen oder gar aus dem Grunde, um die in Unwiffenheit erzogenen Maffen um so bester vom Throne ihrer hohen Gelehrsamkeit aus beherrschen zu können? Wir wollen solche niedrigen Beweggründe nicht gerade annehmen, obgleich man sich des Eindrucks bei manchen unserer Rabbinen kaum erwehren kann, daß ihnen ihre Stellung, um mit Schiller in den Genien zu sprechen, nichts ist als „die nährende Kuh, die sie mit Butter versorgt." Zum Klagen und Anklagen ist es jedoch längst zu spät, es ist dringenderes jetzt zu lhun, jetzt soll und muß etwas handgreifliches für die religiöse Erziehung des Judenthums im Elsaß geschehen. Und da gibt es nur eine rettende That: die Hebung des hebräischen Unterrichts — wir sagen mit Absicht nicht des Religionsunterricht, denn mit dem Eintrichtern des Inhalts eines sogenannten Katechismus und der mechanischen Uebersetzung einiger Gebete, sowie der Anleitung zum jüdisch-deutschen Schreiben können wir uns unmöglich zufrieden geben. Wir verlangen mehr, viel mehr und das, was wir als Minimum fordern, das muß aus irgend einem Wege erreicht werden können. Mit dem bisherigen System des müssigen Zusehens muß gebrochen werden, wenn wir nicht den völligen geistigen Ruin des elsässischen Judenthums milerleben wollen. Die geradezu bodenlose Unwissenheit des herrschenden Geschlechtes darf unter keinen Umständen ein Erbtheil der kommenden Generation werden. Wozu denn sonst rufen wir dreimal täglich im Schema: "jir» "jmttD ns mm psb nn::n -s222-21 -p-D. Etwa um uns dreimal täglich vor dem Throne Seiner Herrlichkeit Lügen, grobe Lügen zu strafen? Oder wagt es ein Israelit, der mit der Wahrheit