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Der Israelit · 1897-09-13 · Heft 73 (13.9.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 73 (13.9.1897)
Date
1897-09-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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L 'WWW, 1428 was von ihm sehroft für viel wichtiger als das Rabbinatszeugniß gehalten wird, vorzüglich die Bekanntschaft mit der Bibelkritik zum Gegenstand der Prüfung gemacht wird. Er wird daher diese Literatur sich zu eigen machen; er hört über sie Vorlesungen bei den Vertretern derselben, um über alles orientirt zu sein, bis zuletzt die aufgestiegenen Zweifel ihn zu der Entscheidung führen, auch den radikalsten Ansichten die Berechtigung zuzugestehen. Denn von jüdischer Seite wird ihm kein Gegenhalt oder nur in ungenügendem Maaße geboten! Und hierin liegt die ernste Gefahr, der schleunigst von berufener Seite mit Aufbietung aller geistigen Kraft entgegen getreten werden muß. Es wird dies die Aufgabe der jüdischen Lehranstalten sein müssen! Allerdings ist von einer gewissen Seite bei dem jüngstenJubelfeste am Schluffe der hierbei ausgegebenen Denkschrift als ein besonderer Ruhm der betreffenden Anstalt d i e U ngebu ndenheit des Geistes hervorgehoben worden, mit der ihre Hörer den Forschungen sich widmen dürfen. In der That hat dieser Ruhm auch Consequenzen gezeitigt, die von jenem ungebundenen Geiste Zeugniß genug ablegen. Konnte doch diese Ungebundenhcit z. B. den Einen zur Taufe führen, den Anderen die talmudische Erziehung verhöhnen laffen, in einem Aussatze in Hardens „Zukunft", wo er rühmte, wie die galizischen Jünger in Berlin ihre Küche nicht mehr nach asiatischen Rezepten einrichten, und den Dritten auf die Kanzel der Reformgenoffenschaft in der Johannisstraße führen. Aber auch auch von der bekannten Schule, deren Rabbiner überall prakticiren können, weil sie immer nach Umstünden zu pactieren wissen, ist nichts zu erwarten, was zur Beseitigung der Gefahr dienen könnte. Es bleibt uns nur die Hoffnung auf das Berliner Rabbiner- Seminar, welches sich zur Aufgabe gestellt hat, seine Hör<r zu gesetzestreueu Führern heranzubilden. In der That ist ja eine bedeutende Anzahl von Rabbinern aus dieser Lehranstalt bereits hervorgegangen, welche in diesem Sinne innerhalb ihrer Gemeinden lehren und wirken. Jetzt aber ist die Zeit gekommen, welche gebieterisch fordert, daß die Behandlung der Schrift-Exegese in ganz andere, neue Bahnen einlenke. Fortan wird es durchaus nicht mehr genügen, einzelne Vorschriften des Pentateuchs nach der talmudischen Auffassung darzustellen und zu beleuchten, nicht mehr genügen für das Verständniß der prophetischen Schriften sorgfältig die sprachlichen Formen zu untersuchen und Sprachvergleichungen anzustellen. Es muß fortan viel mehr geschehen. In klarer, eingehender Einleitung muß die Autenthie der biblischen Schriften und durch Berücksichtigung des massoretischen Materials ihr Text gesichert werden. Was im Talmud und in der Massorah für den Kanon der heiligen Schrift geboten wird, muß zusammengestellt und in systematische Ordnung gebracht werden. Das Prophetenwort als Gotteswort betrachtet, mit Feuer und Begeisterung vorgetragen, wird nicht allein die Schönheit der Form, sondern auch und vorzüglich in der Gedankentiefe das Walten Gottes in der Natur, wie in der Geschichte und allermeist in der Geschichte Israels erkennen lassen müssen. Hier gerade wird aus der Vergangenheit die Standhaftigkeit für die Gegenwart und die Hoffnung für die Zukunft gewonnen werden müssen. Wir werden gleichsam als Eommentar oder näheren Beweis für die aufgestellten Behauptungen einen concreten Fall aus der jüngsten Gegenwart vorführen. Ein fromm erzogener, junger Mann, der nach Berlin kam, um sprachlichen Studien an der Universität obzuliegen, hörte mit Vorliebe auch exegetische Vorlesungen und war besonders in einem akademischen Vereine thätig, den ein Verwandter von ihm begründet hatte, mit dem Zwecke, die Bibel im Urtexte zu lesen und zu verstehen. Es kamen einige christliche und jüdische Studenten zusammen, welche die heilige Schrift nicht anders wie ein klassisches Werk des Alterthums betrachteten und wie den Homer, den Virgil und ähnliche Werke behandelten. Welche Resultate hieraus für den jungen Mann, dessen Namen wir gleich neunen werden, erwuchsen, hat er selbst in einem Referat über ein kritisches Werk des Dr. Mayer, welches die religiöse Entwickelung während des babylonischen Exils darstellt, erwiesen. Moses Friedländer schreibt eine Recension über dieses Werk in der Zeitschrift für die hebräische Bibliographie, allerdings in so evnfuser Weise, daß man bald erkennt, wie es in diesem Kopfe heruinrumort, unr die in sich aufgenommenen Elemente der modernen Schriftkritik zur Geltung zu bringen. Aber deutlich und unumwunden spricht Friedländer cs aus, daß erst aus eme der ci» entstanden sei, sodaß jener älter als dieser sei. Der geneigte Leser wird laut auflachen, denn die Bestimmung über den Versöhnungstag ist ja im drittelt Buche Moses, ja bereits im zweiten Buche, c. 29 euthalteu. Ja, mein lieber Leser, Du kennst noch nicht, was die moderne sog. Kritik Alles sestgestellt glaubt und i n w e l ch e m Grade sie die Bücher, Kapitel und selbst Verse der heiligen Schrift auseinander zu reißen und zu zerfetzen wagt. Trotz des Ernstes uns der Trauer, welche den gesetzestreuen Jehudi hierbei erfüllen muß, kann ich doch nicht den Hinweis auf zwei andere, den Charakter der Spaßhaftigkeit an sich tragende Vergleiche unterdrücken. Da in jedem Menschen ein Stück von Schauspieler stecken soll, so that Jemand den Ausspruch, der heilige Versöhnungstag heiße s*tbs, mit der Bedeutung wie b'tb; nämlich am cnra verstellen sich die Leute, so auch Manche am L'dws, indem sie Buße und Rückkehr nur heucheln. Ein zweiter Vergleich rührt von einem

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