Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-09-13 · Heft 73 (13.9.1897) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 73 (13.9.1897)
Date
1897-09-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448775--44591-2493694
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1424 auf sich ladet, übernehmen zn können? Daß sie das volle Vertrauen ihrer Pfleglinge genießt, hatte ich Gelegenheit, mich selbst zu überzeugen. Ich, als Hausfrau, appellire an alle Freundinnen Jerusalems, dieses Unternehmen zu unterstützen, als eur „erstes", welches aus dem Wohlthätigkettsstnn der hiesigen israelitischen Frauen entstanden ist. Mein Wunsch wäre, daß durch diese wenigen Zeilen das Interesse aller edeldenkender Frauen für dieses LiebeSwerk erweckt werde, und hoffe, daß wie vor Alters, als die Stiftshütte gebaut wurde, auch heute sich recht viele Frauen finden werden, die willig ihre Gabe nach ihrem Vermögen dazu beisteuern werden, 2. Mos., 35. Vers, 22 und 25. _Frau Dr. Einsler. vermischtes. Main), 9. September. Wir werden von befreundeter Seite gebeten, daraus aufmerksam zu machen, daß auch in der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem, Provinz Hannover, (Consul Simon) schöne Hadassim preiswürdig zu beziehen sind. König i. O. Am jüngsten Sonntag wurde aus Veranlassung des 100-jährigen Bestehens und der Renovirung der hiesigen Synagoge eine Festfeier abgehalten, bei der Herr Landrabbiner Dr. Marx die Frftrede hirlt. Redner hob besonders hervor, welche brave, gottessürchtige Männer von hier in dieser Synagoge schon beteten und wie es ihn freue, daß dieser religiöse Geist auch noch heute in der Gemeinde herrsche. — Am 13. September sind es 50 Jahre, daß der weltberühmte Rabbi Isaak Lö w Wormser in Michelsiadt, der Michelstädter Olv gestorben ist. Ein mir vorliegendes Erinnerungsblatt aus der Zeitung „Der Odenwald", vom 21. September 1847 giebt von der großen Trauer Kunde, die der Tod dieses großen Mannes weit und breit heroorgerusen hatte. 8. 8. 0. PirmasenS 5. Elul. Erst vor ca. 3 Wochen wurde Ihnen von dem Tode eines hiesigen frommen Mannes berichtet, und heute beklagt wieder unsere Gemeinde das Ableben ein<s ihrer hochbetagten und würdigen Männer. Herr Privatier Wilhelm H i r s ch ist am 26. Ab im Alter von 86 Jahren sanft entschlafen. Besondere Verdienste erwarb sich der Verstorbene in den früheren Jahren in hiesiger Gemeinde durch Hebung der Religiösität; fast 25 Jahre laug war er erster Vorstand, zuletzt 10 Jahre als Ausschuß-Mitglied und ist während seiner Vorstandschaft die Synagoge gebaut und das □,,nn n’D angekauft worden. Unter allgemeiner und großer Theilnahme an der m?n sprach am Grabe in meisterhafter Ausführung unser ehrwürdiger Herr Bezirksrabbiner Dr. M e y e r—Zweibrücken, er entwickelte iu seiner Rede das Schaffen und Wirken des Dahingeschiedenen. nDN Pefth Der Krankenunterstützungsu. Leichenbestattungs- Verein der Budapester Eifenbahn-Packträger veranstaltete am 22. d. M. das Fest der Fahnenweihe; das Präsidium, bestehend aus lauter christlichen Mitgliedern, hat den hervorragenden jüdischen Advokaten und Mitglied des Municipalrathes Dr. Wilhelm Vazsonyi ersucht, die Festrede zu halten. Dr. Väzfonyr hielt so eine wunderbare Festrede, daß Alles entzückt war. Tapio-Lzele, 31. August. Der zum Christenthum übergetretene Steinfeld Michaly, der, wie Sie bereits berichteten, mit der Debreciner Chewra Kaddischa wegen Ausgrabung der Leiche seines Vaters einen Prozeß hatte, ist gestern aus seiner Besitzung Macs im 31. Lebensjahre plötzlich gestorben. Feuilleton. Die Stunde der Vergeltung. Von Paul Gotthelf. 2> sAlle Rechte Vorbehalten.) „Was gehen mich die Anderen an? Wenn ich Deine Bitte erfülle, Philipp, so thue ich es nur um Deinetwillen; aber daß auch Du Dich der Ausübung solcher Rohheiten anschließcn konntest, das hätte ich nicht von Dir erwartet. Es thut mir leid, daß Du auch bei denen Dich betheiligt Haft, deren Ziel es ist, friedliche Menschen ihres Glaubens halber zu verfolgen. —" „Wenn Du wüßtest, welche Reue —" „Wird durch die Reue die Thai ungeschehen gemacht? Die Reue kommt stets zu spät.—" Nun kamen die übrigen jungen Leute wieder herein. Als sie hörten, daß Karl sich bereit erklärt hatte, zum Direktor zu gehen, bemächtigte sich ihrer eine ausgelassene Freude. „Hurrah, hoch Reiß!" tönte es im Chor, und wenig hätte gefehlt, so hätten sie diesen umarmt unb gefügt. Der junge Reiß stand bleich und still inmitten des Lärms. Er blickte in die erhitzten Gesichter seiner Kameraden und eine wehmüthige Stimmung überkam ihn. Er sollte, trotzdem man ihn in seinen Glaubensgenossen verhöhnt hatte, den Fürsprecher machen! war das nicht wiederum Hohn? Hatten jene nicht eine exemplarische Strafe verdient? Schon seit Monaten hatten ihn einige seiner Kameraden gelegentlich fühlen lassen, daß er als Jude nur in der Klasse geduldet werde und immer hatte er dazu geschwiegen und seiner eigenen Empfindlichkeit, nicht aber der Böswilligkeit jener das Gefühl der Zurücksetzung, das ihn ergriffen hatte, zugeschrieben. Heute wußte er, daß es anders war. Der Jude, dem sie die Gleichberechtigung versagten, wurde gebraucht, wozu er gut war und sich brauchen ließ. Wäre sein Freund nicht dabei gewesen — die Anderen hätten selbst sehen sollen, wie sie fertig werden. Aber, daß Philipp stch verleiten ließ — sein Gedankengang wurde unterbrochen. Philipp trat zu ihm heran und sagte: „Karl, es wäre am Besten, wenn Du sofort hingingest." „Wohin denkst Du," entgegnete Karl, „es ist schon spät am Abend; der Direktor läßt sich nicht mehr sprechen. Es hat Zeit bis morgen." „Nein, Karl, es hat nicht Zeit. Morgen mit der ersten Post kann ein Brief — Horch! was ist das?"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.