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Der Israelit · 1897-09-13 · Heft 73 (13.9.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 73 (13.9.1897)
Date
1897-09-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1425 Das Wimmern der Sturmglocke ließ sich hören und der Ruf „Feuer" gellte durch die stillen Straßen der Stadt Zu gleicher Zeit erhellte ein rother Schein die Dunkelheit und eine feurige Lohe schlug in kurzer Entfernung thurmhoch gen Himmel. Sofort eilten Alle auf die Straße und nach der Richtung des brennenden Hauses. Eine große Menge müßiger Zuschauer umstand alsbald die Brandstätte und sah thatenlos dem fürchterlich schönen Schauspiel zu. Die Einwohner des brennenden Hauses liefen schreiend und jammernd ein und aus und versuchten, ihre Habe zu retten. Noch war keine Feuerwehr zu sehen und das feindliche Element wüthete ungehindert fort. Da kamen die jungen Leute; sie sahen die Gefahr. Ein Theil derselben eilte sofort zurück an das Spritzenhaus, um die Spritze zu holen, während die anderen den bedrängten Hausbewohnern zur Hülfe blieben. Was gerettet werden konnte, sollte gerettet werden, und wie überall, wenn eine Panik die Geister verwirrt, die drolligsten Scenen sich abspielen, so geschah es auch hier. Da wurde unter der größten Vorsicht ein altes Waschgeschirr an einem Seile zur Erde Herabgelaffen, wo es unversehrt ankam, während dort ein kostbarer Spiegel durch das Fenster herabgestürzt wurde und auf dem festen Pflaster in Tausend Scherben zersprang. Hier trug ein Mann einen Vogelkäfig sorgfältig die Treppe hinab und ließ ein schreiendes Kind ruhig in seinem Bettchen liegen. — Nun rasselten die Spritzen heran und in kurzer Zeit spieen sie starke Wasserstrahlen in die lodernde Gluth. Die Primaner hatten sich förmlich organisirt; überall waren sie und unter ihrer Anleitung arbeiteten die Leute mit großer Sicherheit. Es wurde eine Doppelkette bis zum Fluffe gebildet, um dem Mangel an Waffer vorzubeugen. Die Spritzen wurden regelmäßig bedient und fungierten vortrefstich, so daß man hoffen durfte, Herr des Feuers zu werden. Da tönte plötzlich ein Schrei aus dem brennenden Hause. Ganz oben, im dritten Stock, erschien ein junges Mädchen am Fenster und schrie um Hülfe. Man wollte die Treppe hinauf, aber dieselbe war schon vom Feuer ergriffen und drohte jeden Augenblick einzustürzen. Von außen war auch nicht beizukommen, da die Flammen jeden erfaßt hätten, der an der Außenseite emporgestiegen wäre. Das junge Mädchen schien verloren. Man sah, wie es händeringend am Fenster stand und betend ihr Antlitz gen Himmel wandte. Schon leckten von außen die Flammen gegen das Fenster und brennende Gefimsstücke flogen zur Erde. Da, was ist das? Ein junger Mann kommt vom Nachbarhause über den Dachfirst geklettert. Die Spritzen richten ihre Wafferstrahlen auf seinen Weg und durchnäffen ihn, daß seine Kleider nicht anfangen zu brennen. Nun verschwindet er in dem brennenden Dachstuhle. Wenn Gottes Engel ihn nicht beschützen, ist er verloren! Doch siehe, da ist er wieder. Mit seinen Armen umfaßt er die Ohnmächtige und trägt sie fort. Athemlos wartet die untenstehende Menge auf sein Erscheinen. Es dauert lange. Großer Gott! sollten zwei junge Leben auf diese Weise — doch halt, da sind sie; sie hat die Arme um seinen Hals geschlungen und bei dem hellen Feuerschein, der jetzt auflodert erkennt man den muthigen Retter. Er ruht einen Augenblick und ein tausendstimmiges „Hurrah, Reiß", schallte durch die Luft. Fast wäre dieser Ruf verhängnißvoll für ihn geworden, denn er strauchelte und wäre beinahe gefallen. Zoll um Zoll mußte er sich in schwindelnder Höhe seinen Weg erkämpfen. Ein Fehltritt, und Beide liegen zerschmettert in der Tiefe. Nun erhob sich ein Wind, der ihm die Flammen ins Gesicht trieb. Die leichten Kleider des jungen Mädchens singen an zu brennen und nahe am Ziel schien das Retiungswerk zu mißlingen; aber Gott hatte es anders bestimmt. Ein gut gerichteter Wafferstrahl löschte rasch die Flammen und nun hatte er auch das Fenster, durch welches er auf das Dach gestiegen war, erreicht. Kräftige Arme umschlangen ihn und seine Last und zogen ihn hinein, gerade in dem Augenblicke als seine Kräfte ihn zu verlaßen drohten. Es war die höchste Zeit gewesen; denn kaum hatte er die Straße erreicht, da stürzte das brennende Haus krachend zusammen. Reiß übergab das junge Mädchen den Leuten, die ihn erwartet hatten und eilte nach kurzer Ruhe wieder an seinen Posten. Noch wüthete das Feuer furchtbar und drohte, sich weiter zu verbreiten. Nun ga>t es, die Nachbargebäude zu schützen. Am besten konnte dies geschehen, wenn vom Dache aus die Wafferstrahlen der Spritzen an die richtigen Stellen geleitet wurden; aber wer wollte sich der doppelten Gefahr aussetzen? Rathlos standen die Männer. Da erbot sich Reiß und kurz entschloffen nahm er ein langes Tau mit sich und verschwand im Innern des gegenüberliegenden Hauses. Bald erschien er oben auf dem Dachfirst, auf welchen er sich rittlings setzte. Nun zog er mit dem Tau, welches er um seinen Leib und um einen Balken im Innern des Hauses geschlungen hatte, den Schlauch in die Höhe und richtete den Strahl auf die bedrohten Stellen. Nach kurzer Zeit zeigte sich schon die Wirkung feiner Thätigkeit. Das Feuer verlor seine Gewalt, und nach einer Stunde war, da auch ein starker Regen zu fallen begann, die Gefahr vorüber. Aber auch die Kräfte des muthigen Retters gingen zu Ende. Er fühlte sich einer Ohnmacht nahe, und wäre ihm nicht zur rechten Zeit Hilfe ge-

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