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Der Israelit · 1897-09-13 · Heft 73 (13.9.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 73 (13.9.1897)
Date
1897-09-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1423 schienen doch von ihrem Geschäft cxistiren zu können. Sie werden nun die Zahl der schon so zahlreichen Brodlosen in den Städten vermehren. Die wenigen Juden, welche einige Mittel besitzen, wandern aus nach Amerika oder Südafrika, und der Hafen von Libau, der im Jahre 1896 nur wenige jüdische Auswanderer beförderte, sieht nun neue Mengen von Juden aus Rußland ziehen, da sie daselbst nicht mehr leben können, da ihnen keine Arbeit Brv) schaffen kann in einer Gegend, wo die Conkurrenz den Lohn herabsetzt, die anderweitig ganz unerhört wäre. ** Tomsk. Die Provmzialbchörden der Provinz haben beschloffen, alle Juden, welche nicht in den Registern unserer städtischen Bevölkerung eingeschrieben sind, auszuweisen. Infolge deffen hat der Polizei-Direktor bett Commissarien anbefohlen, zu untersuchen, welche Juden das Aufenthaltsrecht besitzen. Alle Juden, die nicht in den Registern ausgenommen sind, muffen sich schriftlich verpflichten abzuziehen. Diese Maßnahme bringt diejenigen Juden, welche Immobilien in Tomsk besitzen, und deren Zahl sich auf 800 beläuft, in eine traurige Lage. Es wird ihnen unmöglich, eine so große Zahl von Grundstücken ohne große Verluste zu veräußern. Da nun diese Juden seit 20 Jahren in Tomsk ansässig waren, ohne daß dies die Behörden im mindesten gestört hätte, so steht doch wenigstens zu hoffen, daß sie diesen Armen zum Verkauf ihrer Immobilien und zur Regulirung ihrer Geschäfte eine hinreichende Frist gewähren. — Ein Gesetz vom 11. Juni 1891 untersagt den Juden, Besitzer zu werden von Grundstücken, die polnischen Bauern angehörten, und geschähe dies auch durch eine authentische Erbschaft oder durch ein Geschenk. Vor einigen Tagen hat der Senat beschlossen, daß die Juden von Grundstücken der Bauern Besitzer werden können, wenn diese sie zu legalen Erben einsetzen. In diesem Falle können sie nicht gezwungen werden, die ererbten Güter zu verkaufen. — In allen Städten des Territoriums haben die Direktoren der öffentlichen Secundärschulen Zettel anschlagen lassen, in denen bekannt gemacht wurde, daß im Einklang mit dem Circular des Unterrichtsministers vom 30. Oktober 1896, die jüdischen Zöglinge nur im Verhältniß zu 10 vom Hundert ausgenommen würden. Infolge dessen bitten die Direktoren die jüdischen Eltern, sich jeder Bemühung zu enthalten und keine Eingaben zu machen, welche die Aufnahme von Zöglingen über die besagte Grenze zum Zweck hätten. Palästina. Jerusalem, 30. August. Neben den vielen WohlthätigkeitSanstalten, die im Laufe der Jahre hier in Jerusalem gegründet worden sind, kam der Frauenverein „Esrath-Naschim" auf die glückliche Idee einem schon längst gefühlten Bedürfniß durch Gründung eims „Heimes für Pflege »on Geisteskranken und Unheilbaren" nachzukommen. Der Anfang war sehr bescheiden; man miethete ein Haus um möglichst billigen Preis in der Stadt, welches dem Zwecke, dem es dienen sollte, durch die ganze Anlage wenig entsprach, aber der geringen Mittel wegen, welche zur Verfügung standen, nicht anders gemacht werden konnte. Durch die jährlichen Beiträge des Vereins, sowie durch die Unterstützung von Freunden derselben, konnte man dem Gedanken nahe treten, ein zweckentsprechenderes Haus außerhalb der Stadt zu miethen. Diese einleitenden Worte habe ich durch meinen Mann erfahren, welchem dieses Bestreben des Frauenvereins durch seine ärztliche Stellung bekannt wurde. Durch Leidende in dieser Anstalt, welche mir bekannt waren und für welche ich mich persönlich interessierte, war ich veranlaßt, sie zu besuchen. Das Häuschen ist vom Jaffathor aus zu Wagen ungefähr in einer Viertelstunde zu erreichen und steht etwa 500 Schritte abseits von der Straße, vollkommen isolirt da. Es hat mich schmerzlich berührt, daß die unglücklichen Kranken entweder auf ihre Zimmer oder aus die ziemlich engen Hosräume angewiesen sind. Weit und breit ist kein Baum, kein Strauch zu sehen. Auf mich gesunden Menschen hat die Sache einen trostlosen Eindruck gemacht, so daß ich mir sagte: Es ist dies kein Aufenthaltsort für gemüthskcanke Menschen, welchen inan doch eine möglichst freundliche Umgebung schaffen sollte, um Solchen, die nicht hoffnungslos sind, die Möglichkeit der Genesung zu gewähren. Der Vorsteherin der Anstalt, Frau Pmes, die ich bei meinem Besuche hier antraf, therlte ich diese meine Gedanken mit. Innerlich tief bewegt sagte sie mir: Es sei schon längst der Wunsch des Vereins, ein „eigenes Heim" zu haben, um dadurch allen diesen Uebelständen abzuhelfen. Ich war erstaunt, daß der Verein mit seinen geringen Mitteln, die er bis jetzt zur Verfügung gehabt hat, das Werk in solcher Ordnung betreibt, wie ich mich selbst überzeugt habe. Die Kranken, sowie Betten und Küche waren rein gehalten, die Wäsche im Schrank war ordentlich ausgebessert. Man zeigte mir Kranke, denen man täglich drei- bis viermal das Bett frisch überziehen muß; andere, die jedes Kleidungsstück in Fetzen zerrissen. Dies alles macht dem Verein keine geringen Ausgaben. Ich muß gestehen, die Vorsteherin der Anstalt, Frau PineS, hat mir alle Achtung abgewonnen, da ich mir sagte: Es gehört keine geringe Selbstlosigkeit dazu, sich einer solchen Ausgabe zu widmen. Jede Frau soll sich selbst fragen, ob sie im Stande wäre, Tag für Tag neben ihren HaushaltungSpstichten eine derartige Ausgabe, welche keine geringe Verantwortung

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