Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 73 (13.9.1897)
- Date
- 1897-09-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1421 WWMWMWMZ 40 000 Juden sollen in Jerusalem wohnen, eine gleiche Anzahl sonst im Lande. Die größere Hälfte dieser 80 000 Menschen lebt in drückendster Armuth. Wie uns von vielen Seiten übereinstimmend berichtet wird, wollen diese Bejammernswerthen arbeiten, freuen sich mit der härtesten Arbeit, die ihnen zugewiesen wird. Aber njp pxi, sie suchen SXvbeit, finden sie jedoch nicht. Wir rufen nun den Zionisten so ernst und dringend wie möglich zu: Versucht zuerst,ob rhrdiejenigen, welche heute schon in Palästina sind, aus ihrer furchtbarenNoth zu befreien im Stande seid; dann erst erwägt, ob andere U n - glückliche in dem Lande Hilfe finden können. Als Moscheh seine Frau und Kinder in das Sklavenland Aegypten mitnehmen wollte, hielt ihn sein Bruder Aron mit den Worten zurück: bv drvbv spDinb onsraxo entrann.. „Wir sind wegen den Früheren in Bekümmerniß und du willst noch Andere hinzufügen." Dasselbe rufen wir den Verblendeten zu, die davon träumen, durch Ueberführung nach Palästina den Millionen unserer Glaubensgenossen in Rußland und Galizien helfen zu können. Uns erscheinen die Forderungen der Zionisten, sowohl in Bezug auf Gründung eines Judenstaats, als auch betreffs der Kolonisirung so unsinnig, daß wir an dem gesunden Menschenverstände ihrer Führer fast zweifeln müssen. Hat vielleicht gar das tiefe Mitleid mit den Unglücklichen so sehr ihren Blick getrübt, daß sich das furchtbare Wort der an ihnen erfüllte, welches die Folgen des nsin uw« py n>na auf das Gemüth des Zuschauers schildert? Blutenden Herzens stellen wir fest, daß zu Gutem begeisterte Männer, mildherzige Menschen, Unsinniges und Unausführbares planen. In Bezug auf ihren Riesenplan der Kolonisirung Palästinas durch die Millionen der Bedrängten in Rußland und Polen lautet unsere Antwort: Versucht erst, ob ihr den jetzigen jüdischen Einwohnern des heiligen Landes ausgiebig helfen könnt. Wenn euch das gelungen ist und das Land dann noch Raum für eine große Zahl Einwanderer hat, dann kommt wieder zu uns, dann werden wir weiter sprechen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. ** Berlin, 1. Sept. Der frühere antisemitische Reichsabg. Leuß aus Hannover, der in der Strafanstalt zu Celle die über ihn wegen Meineids verhängte Zuchthausstrafe verbüßt, hatte vor einiger Zeit ein Gnadengesuch an den Kaiser eingereicht. Das Gesuch, das von allen in Frage kommenden Personen befürwortet worden war, ist, wie verlautet, abschlägig befchieden worden. ** Aus der Provinz Posen, 24. August. Es ist erfreuliche Wahrheit, daß die Erkenntniß der Wichtigkeit der Pstege des Handwerks unter unseren Glaubensgenossen in immer weiteren Kreisen beherzigt wird und in der Förderung aller dahinzietenden Bestrebungen sich bethätigt. Um so überraschender und bedauerlicher ist die Thatsache, daß das Kuratorium der „Rohr'schen Stiftung zur Unterstützung jüdischer Handwerker in der Provinz Posen", wie ich von einem Mitgliede desselben erfahre, wegen Mangels an Reflektanten nnd Bewerbern sich zu dem Beschlüsse gezwungen sehe, die Zinsen des Stistungskapitals anderen gemeinnützigen Zwecken zuzuführen. Wir hoffen und wünschen, daß den Verwaltern der Stiftung, welche von den Kindern des Herrn Abraham Rohr b"7 in Langguhle mit einem Kapital von 200 000 Mark in's Leben gerufen wurde, die Verwirklichung dieses Beschluffes erspart bleibt. Satzungsgemäß darf nur solchen Lehrlingen Unterstützungen ertheilt werden, welche den Sabbat und die Festlage beobachten, aber gerade diese Beschränkung giebt frommen Eltern die erwünschte Möglichkeit, ihre Kinder dem Handwerk zuzuführen, ohne daß sie das Religionsgesetz zu übertreten gezwungen sind. Es wäre jedenfalls aufrichtig zu beklagen, wenn die Stiftung, welche übrigens nicht nur jüdischen Handwerkslehrlingen, sondern auch den dem Ackerbau sich Widmenden ihre Bencficieu zuwendet, wirklich gezwungen sein sollte, ihre Mittel anderweitig zu verwerthen. Die bisherige Nichtinanspruchnahme dürfte ihren Grund darin haben, daß die Existenz der Stiftung nicht genügend bekannt ist, und diese Zeilen haben ihren Zweck erreicht, wenn sie dazu beitragen, ihr würdige Bewerber zuzuführen. Sollte dies nicht der Fall sein und auch in Zukunft keine genügende Anzahl von Bewerbern sich einfinden, so dürfte es sich vielleicht empfehlen, nicht die Tendenz der Stiftung zu ändern, sondern ihren Thätigkeitsbereich über die Provinz Posen hinaus auszudehnen. Frankreich. ** Paris In Frankreich hat zuerst Joses Reinach, der bekannte Abgeordnete, im „Figaro" gegen den Zionismus proteftirt; er bezeichnet ihn als Anachronismus und behauptet, kein französischer Israelit werde auswandern, alle seien französische Patrioten geworden. Der Zionismus sei ebenso wie der Antisemitismus den Grundsätzen der Revolution zuwider, er sei in jeder Beziehung gänzlich undurchführbar. Der hervorragende Pariser Ävvokat Goudchaux sagt in einer Erklärung, jeder französische Israelit, der auswandern würde, mache sich eines Verbrechens gegen das Vaterland schuldig. Wir wollen übrigens bei dieser Gelegenheit noch nachtragen, daß das Dank-