Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1897)
- Date
- 1897-09-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWWDWWrWW 1405 der Erklärung Rafchis. Ich habe ziemliche Erklärungen gesammelt und weiß, daß mancher echte Jehudi, der einer schwachen Stunde erlag, sein Vergehen als gerechte Strafe büßt. Ja ich kenne Leute, die Monate lang, ja ein Jahr und länger von trockenem Brode leben und sich weigern, unrituelle Kost zu genießen. Es haben, bevor ich mich der Armen angenommen, am ncs viele acht Tage von x':v gelebt. Welche Freude war daher bei den jüoischen Gefangenen hiesiger Anstalt, als ich höheren Ortes die Genehmigung erlangt hatte, ihnen rituelle Kost verabfolgen zu dürfen. Bei dieser Gelegenheit sage ich dem Herrn Rabbiner Dr. Ed. Biberselo, Berlin, der mir hierbei rathend zur Seite stand, so wie allen denen, die mich s. Z. zufolge meines Aufrufes durch Geldspenden unterstützten, meinen verbindlichsten Dank. Wie groß war an diesem Feste die Freude der Gefangenen, da sie hinter den Kerkermauern wußten, daß ihre Brüder das Fest der Erlösung feierten. Wie dankten sie Gott und den edlen Spendern. In einer Audienz beim Herrn Regierungs-Präsidenten ist es m-2 tute zu erwirken grlunaen, daß die jüdischen Strafgefangenen des hiesigen Centralgefängniffes an den ers' und den übrigen Feiertagen sich behufs Abhaltung gemeinsamer Andacht, in einem von der Verwaltung der Anstalt ihnen zugewiesenen Raume vereinigen dürfen. Eine Thorarolle und Gebetmäntel habe ich im vorigen Jahre von der hiesigen Synagogen-Gemeinde geliehen; wo aber omtno hernehmen? Auf meine Veranlassung hat die Anstaltsverwaltung zwar eine hebräische Bibel und 20 onne angcschafft; zur Anschaffung von 20 ist sie aber nicht zu bewegen. Ferner: An Sonn- und Feiertagen werden den Strafgefangenen Bücher aus der Anstaltsbibliothek zur Lektüre verabfolgt. Daß diese Bücher fast durchweg spezisisch christlichen Charakters sind, ist zweifelsohne. Es ist für evangelische und katholische, aber nicht für jüdische Lektüre gesorgt. Es würde sich empfehlen — meine Zeilen mögen hierzu beitragen — mit Hilfe jüdischer Wohltbätigkeit, eine kleine Sammlung geeigneter Werke unserer Literatur anzuschaffen und diese unter dem Titel: „Bücher für jüdische Strafgefangene" der hiesigen Strafanstalt zu überweisen. Dazu fehlt aber Geld. Ich bitte daher, die verehrten Leser des „Israelit", unterstützen Sie das von mir begonnene Werk und schenken Sie diesen Zeilen freundliches Gehör. lieber eingehende Spenden und über Ausgaben werde ich mit dem Vorsitzenden der hiesigen Synagogen - Gemeinde, Herrn Bankier W. Löwenstein, abrechnen und dann solche in Ihrem Blatte veröffentlichen. Leo Kamerase, Prediger. Nürnberg, 2. Sept. In herrlichem Festesschmuck prangt unsere Stadt. Ihre Majestäten, der deutsche Kaiser und die Kaiserin, der Prinzregent von Bayern und andere Fürstlichkeiten haben ihren Einzug in Nürnbergs Mauern gehalten. Auch für die hiesige jüd. Gemeinde ist der heutige Tag ein besonderer Ehren- und Freudentag. Es ist gewiß ein frohes Ereigniß. daß die hohen Herrschaften bei der kurzen Zeit, die sie in Nürnberg weilten, auch der hiesigen Synagoge einen Besuch abstatteten und in ihr etwa eine Viertelstunde verblieben. An den Pforten des Gotteshauses erwartete Herr Rabbiner Dr. Ziemlich, von den Vorständen umgeben, in vollem Ornate die hohen Herrschaften und sprach mit Eclaubniß derselben bedeckten Hauptes den üblichen Segensspruch aus, welchen er auf Wunsch der Majestäten in deutscher Sprache wiedergab. Während des Segensspruches hatten auch der Kaiser und der Prinzregent ihr Haupt bedeckt, da dies, wie der Prinzregent meinte, in den jüdischen Gotteshäusern so üblich sei. Mit sichtbarem Interesse durchwanderten die hohen Herrschaften das herrlich geschmückte Gotteshaus und schritten zur heiligen Lade hin, deren Betrachtung sie besondere Aufmerksamkeit schenkten. Aus die Frage des deutschen Kaisers, ob in der Lade sich Reliquien befinden, erwiederte der Herr Rabbiner, daß sie einzig und allein die Aufbwahrungsstätte der Thorarollen sei, welche den Juden heilig und werth sei weaen des Inhaltes. Beim Abschiede reichten die Majestäten dem Herrn Rabbiner huldvollst die Hand mit Worten des Dankes. Am Schluffe sagte der Kaiser zum Herrn Rabbiner, daß er sich erinnere, als Prinz die berühmte Altneuschul in Prag gesehen zu haben, wozu der Prinzregent bemerkte, daß auch der alte jüdische Friedhof in Prag eine bekannte Sehenswürdigkeit sei. Köln, im Sept. Ein zionistischer Volkskatender ist hier im Verlage von Stell er u. Cie. erschienen. Derselbe sucht in verschiedenen Artikeln und Erzählungen Propaganda für die zionistische Idee zu machen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Miava. Ein wichtiges Ereigniß vollzog sich in den jüngst verflossenen Tagen in unserer Gemeinde und wirkte erregend aus die Gemüther der Gemeindemitglieder. Unser allverehrter und beliebter 21, der als großer und hervorragender Kanzelredner weitberühmte n nyßCKictr tc’py n, ein Enkel des b’tt “ibid 2IO wurde unter großer Begeisterüng in Tokay zum Oberrabbiner gewählt. Und wenn uns auch einestheiltz der Erfolg unseres geliebten wjc mit stolzer Befriedigung erfüllt, so gibt es doch Keinen unter uns, dem nicht der Gedanke, unfern vj 21 von der Spitze der Gemeinde scheiden zu sehen, schwer aufs Herz fallen würde; denn wir täuschen uns nicht darüber, daß es schwer möglich sein wird, für den