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Der Israelit · 1897-09-09 · Heft 72 (9.9.1897) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 72 (9.9.1897)
Date
1897-09-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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H* W. 1406 Verlust vollen Ersatz zu finden. In unserer Zeit, wo in allen Lagen, und nicht im geringsten Theil innerhalb des Rabbinerstandes, Scheinwisien, Charlatanerie und geschäftlicher Schwindel mit dem Heiligsten sich so üppig breit macht, scheint ein Mann von der gediegenen Wahrhaftigkeit und Einfachheit unseres n 21 fast unersetzlich. Da ist nichts Gemachtes — weder an seinem tiefen Wissen noch an seiner meisterhaften Beredtsamkeit, noch endlich an der heiligen Begeisterung, mit welcher er seit 14 Jahren in hiesiger Gemeinde seines hohen Amtes waltet. — Es wurde denn auch sofort nach Bekanntwerden der Tokayer Wahl eine Deputation an den n abgesandt, w lche ihm die Bitte der Gemeinde vorlegte, er möge seine Entscheidung vorderhand in Schwebe belassen und Tokay keine bindende Zusage machen. In edler Loyalität willfahrte unser vj 21 dem Wunsche der Deputation und es herrscht nun innerhalb unsrer Gemeinde eine eifrige Thätigkeit zur Schaffung der Basis, auf Grund deren es vielleicht möglich wäre, der Gemeinde auä> ferner ihren geliebten Führer zu erhalten. Gebe Gott, daß die eifrigen Bemühungen von Erfolg gekrönt sein mögen! R. Frankreich. ** Paris. Der Generalgouverneur von Algier, Herr Cambon, hat ein Circular an alle Präfekten erlassen, in dem er sie auffordert, über die Ursachen, den Fortgang und die möglichen Erfolge der antisemitischen Bewegung in ihren Distrikten ihm Bericht zu erstatten. Man darf wohl darauf gespannt sein, was da herauskommen wird. In ganz Algier befinden sich übrigens nur 53 116 Juden nach der letzten Zählung. Amerika. ** New - Nach den Einwanderungs- Bestimmungen ist bekanntlich mittellosen Emigranten der Zutritt zum „Lande der Verheißung", als das ihnen Onkel Sam's Gebiet erscheint, versperrt, falls sie nicht Nachweisen, daß sich Freunde oder Verwandte, die sich ihrer annehmen können, hier befinden. Diese Vorschrift hat ein eigenthümliches „Gewerbe" hervorgerufen, indem sich Landsleute der Einwanderer einzustellen und al» „Galten" oder „Gattinen" der Betreffenden ihre Zulassung zu reklamiren pflegen, während sie in Wahrheit sich nie im Leben gesehen. Dies führt oft zu seltsamen Situationen, wie das der Fall, als zwei Italiener sich für die Ehemänner einer jungen Emigrantin ausgaben. Letztere erklärte sehr verwundert, daß sie Keinen von Beiden kenne, worauf die beiden „Gatten" energisch aus der Barge- Office hinauskomplimentirt wurden. Aehnlich erging es Salomon Jan, einem galizischen Hausirer, der gestern an Bord hier anlangte. Er erzählte, daß er bereits früher hier gewesen und daß seine Ehefrau mit zwei Kindern in Nr. 148 Ridge Str. wohne. Vor dem Bureau aber befanden sich zwei Frauen, die Beide eheliche Rechte an dem Eingewanderten beanspruchten. Sie sowohl wie Salomon verwickelten sich jedoch in Bezug auf das Alter, die Zahl und das Geschlecht ihrer Kinder in so handgreifliche Widersprüche, daß der Plan kläglich mißlang. Salomon wird nun unbeweibt die Rückreise antreten müssen und die beiden männerluftigen Weiblein werden eine günstigere Gelegenheit abzuwarten haben. Unter den Eingewanderten befand sich ferner ein interessantes Pärchen, Anton Walter und Louise Korscher, die sich ganz so benahmen, als ob sie verheiralhet wären. Um sicher zu gehen, wurde der Eheknoten durch einen herbeigerusenen Missionär noch dauerhafter geschürzt, worauf sie den Boden des ersehnten Landes betreten dursten. Traurig war das Geschick von vierzig armen jüdischen, mit einer großen Kinderzahl gesegneten Familien, die gestern an Bord der Dampfer „Veedam" und „Sicilia" hier anlangten. „Sie fallen dem Gemeinwesen zur Last", hieß es und unbarmherzig wurde dekretirt, daß sie zurücktransportirt werden sollten. Briefkasten der Expedition. Wir erhielten aus Neuwied Mk. 10.— ohne jegliche, nähere B.zeickming. imd bitten wir um gefl. Angabe des Absenders und Zweckes derselben. Herrn I. N in K r Betrag von fl. 2 — dankend erhalten. Letzte Nachrichten. Aschaffenburg, 8. Sept. Unser bayerisches Königshaus bewährt jederzeit seine edle Gesinnung gegen alle Staatsangehörige ohne Unterschied des Bekenntnisses. Gelegentlich der derzeitigen Anwesenheit unseres allgeliebten Prinzregenten Luitpold in hiesiger Stadt kam dies wiederum zum Ausdruck, indem Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger dahier durch das Königl. Obersthofmarschallamt Einladung erhielt, „in Amtstracht" zu erscheinen und bei dem nach der gestrigen Hoftafel stattfindenden Cercle von Sr. Kgl. Hoheit mit huldvoller Ansprache beehrt wurde. Privat-Telegramur des „Israelit". V. Köln, 8. Sept. Herr Dr. Ludwig Rosenthal, seither Rabbiner der israel. Religionsgesellschaft zu Mannheim, wurde zum gleichbetechiiDten Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde'gewählt.

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