Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1897)
- Date
- 1897-09-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1398 ein Geschäft in die Lehre geben zu müssen. Es gc- | lingt ihm nach unendlicher Mühe, ihn in ein Geschäft zu thun, das v'w geschlossen, der Junge hat ausgelernt und findet dann keinen Posten, wo er an diesen Tagen frei bekömmt. Der elterlichen Autorität entwachsen, geht er, nachdem es ihm nach hundert vergeblichen Versuchen nicht gelungen ist, ein religiöses Haus, das ihn ausnimmt, zu finden, tu ein Geschäft, wo er 8*w arbeiten muß, und plötzlich gehört er nicht mehr der orthodoxen „Richtung" an. Denn er muß doch seine „Richtung" in Consequenz mit seiner Handlungsweise stellen. Da haben wir das traurige, sich leider tausendfach wiederholende Beispiel, daß die Nachkommen unserer Orthodoxen aus rein materiellen Gründen der Gegenpartei zugeführt werden. Können wir dagegen etwas thun und was? Redner hat vor einigen Jahren im „JSraelii" die Anregung zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit gegeben, und damit auf allen Seiten freudige Zustimmung gesunden. Derselbe citirt die verschiedenartigsten Vorschläge, die damals gemacht worden sind, und fordert die Vereinigung auf, die Sache energisch in die Hand zu nehmen. Die Herren Rabbiner Dr. Cahn—Fulda und Justizrath Dr. H i r s ch—Frankfurt erklären sich in längeren Reden bereit, an der so überaus wichtigen Sache freudig mitzuarbeiten, während Herr Rabbiner Dr. K o r e f— Hanau davor warnt, sich neue Lasten aufzuladen. Der Herausgeber dieser Zeitschrift betont noch einmal, daß die neuzuschaffende Einrichtung durchaus nicht den Charakter eines wohlthätigen Werkes haben dürfte, es dürfe sich vielmehr kein stellenloses Mitglied, das seine Beiträge pünktlich zahle, scheuen, die Versicherungskaffe in Anspruch zu nehmen, wenn auch dem Fonds derselben für das Judertthum begeisterte Männer größere Kapitalien beigetragen haben. Die Leitsätze für die Kaffe habe Herr Moritz A. L ö b s. Zt. in diesen Blättern veröffentlicht. Auch dieser Antrag wird dem geschäftsführenden Ausschuß zur Prüfung überwiesen. Mit dem nunmehr folgenden Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Cahn—Fulda, behufs Unterstützung der gesetzestreuen Lehrer zur Erzielung der Unabhängigkeit vom D.-J. G. B. wird sich eine besondere Commission beschäftigen. Auf diesen Gegenstand werden wir in unseren pädagogischen Beilagen ausführlich zurückkommen. Herr Rabbiner Dr. Plato—Cötn sandte folgenden Antrag ein: Die freie Vereinigung möge sich für die Wiederherstellung der Concentrierung der jüdischen Strafgefangenen Preußens in den beiden Anstalten, in welchen vollständig eingerichtete Synagogen bestehen und bis vor Kurzem für rituelle Verköstigung gesorgt wurde, verwenden. Herr Justizrath Dr. Hirsch bemerkt dazu, Herr Dr. Plato habe bereits von dem Ministerium eine ablehnende Antwort erhalten; das betreffende Material möge man sich vor weiteren Schritten kommen lassen. Herr Dr. Koref—Hanau meint, daß trotz aller seiner Bemühungen nur bei einzelnen Gelegenheiten Erfolge zu erzielen gewesen wären, wie die Gestattung der Verwendung von Rinderfett und dergl. Der Staat sei eben zu mißtrauisch in dieser Beziehung. Herr D r. R o o s erklärt, es sei auch in Gefängnissen koschere Kost abgeschafft und empfiehlt Vorstellung bei der Regierung. Herr D r. M a r x spricht im Sinne Kor cf's. Herr Dr. Ehrmann empfiehlt den Vorschlag des Herrn D r. Hirsch und es wird demgemäß beschlossen. Herr Rabbiner Dr. Ehr mann beantragt Reiseagitation für die „F. V." überhaupt, nicht nur für die Versicherungskasse, und es wird dem Geschäfts- Ausschüsse empfohlen, solches zu veranlassen. Bei den nunmehr folgenden Wahlen wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Dr. Sänger, D r. Plato, George Marx in Königsberg, D r. Schiffer in Karlsruhe, Dr. Koref, Justizrath Dr. Hirsch per Acclamation wiedergewählt. Für vacante sieben Vorstandsmitglieder wurden ebenso ernannt B a m b e r ge r—Aschaffenburg, Hirsch —Hamburg, Cohn- Basel, Wm. Hackenbroch, Em. Ettinghausen und Adolf Stern, hier, San«. Straus—Carlsruhe. Revisoren wurden die Herren Jac. Emanuel, Louis Feist, Aron Wolf, sämmtlich in Frankfurt a. M. Der Vorsitzende Herr Rabbiner Dr. Breuer dankte hierauf der Versammlung für ihr Erscheinen und schloß dieselbe mit dem Wunsche, daß die hochedlen Ziele, die sie sich gestreckt, recht bald der Verwirklichung entgegengehen mögen, tok ** Köln, 3. Sept. In ihrem Bericht über die Enthüllungöseier des Prvvinzialdenkmats für den hochseligen Kaiser Wilhelm den Großen weiß die „Köln. Ztg." wieder nur über die Anwesenheit von Geistlichen beider Konfessionen zu berichten, obwohl in Koblenz Rabbiner Singer wie zur Zeit auch in Köln Rabbiner Dr. Frank eingeladen und erschienen wären. Die dritte Konfession ist der „K. Ztg." wohl nur vorhanden zum Abouniren und Jnseriren. — Unter den anläßlich der Karserfestlichkeiten mit Orden und Titeln ausgezeichneten Personen, finden wir von unseren Glaubensgenossen: Dr. Unger, Medizinalrath. Kreisphyfikus und außerordentlicher Profeffor an der Universität Bonn den rothen Adlerorden IV. Kl. Banguier Beer zu Esten und Fabrikbesitzer Coppe l zu Solingen erhielten den Titel Commerzienrath. Bad-Ems, 3. September. Zum Besten des israelit. Central-Waisen und Mädchenheims Hierselbst fand am Samstag den 28. v. M. ein Wohlthätigkeitskonzert statt, das neben finanziellem auch einen bedeutenden künstlerischen Erfolg zu verzeichnen hatte. Ein von Rechtsanwalt Eiffert—Berlin gedichteter