Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1897)
- Date
- 1897-09-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1899 sich ausgezeichneten Künstlern bezw. Künstlerinnen erwähnen wir besonders Herrn und Frau Lißner aus St. Johann, Frl. Jestona aus London, Herrn Konzertmeister Bendler vom hiejigen Kurorchester und Frau Natalie Hein, eine einheimische Künstlerin. Das Unternehmen hat allerseits die besten Früchte getragen. — Herr Johann Ludwig Theodor Neimeringen aus Nizza stiftete für das genannte Waisenhaus für eine Freistelle z.nn Andenken an Frau Dr. Aronsohn scl. die Summe von 5000 Mk. Es ist dies bereits die vierte Freistelle, welche von Kurgästen für die genannte Anstalt gestiftet wurden. Herr R. ist christlicher Konfession. ** Aus dem Grotzherzogthum Hessen. Am 25. v. M. fand in Frankfurt eine außerordentliche Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins statt. Dieselbe war durch den Austritt einer Anzahl Mitglieder (des Verbandsanschlusses wegen) nothwendig geworden. Der Verein zählt jetzt 54 Mitglieder. Einer von den Ausgetretenen angeregten erneuten gemeinschaftlichen Petition wurde nicht beigetreten, weil man es nicht für opportun hielt, gerade jetzt einen Punkt aus den Lehrerforderungen herauszugreifen. Man ist aber zu jedem gemeinsamen Rathen und Thaten gern bereit. Nachdem die Vorstandswahl erledigt und ein Antrag, Achawabeitritt betreffend, von der Tagesordnung abgesetzt worden war, erstattete Herr Dr. Goldschmidt- Offenbach ein Referat über sein „Urbild und Ebenbild". In kurzem, klaren Vorträge nannte er die Gesichtspunkte, welche ihn bei der Ausarbeitung seines Neligionsbuches geleitet haben. Der Verein wird 50 Exemplare des Merkchens erwerben und den Vereinsnrirgliedern zur Prüfung zusenden. Nachdem die Referate für die nächste Versammlung festgesetzt waren, wurde die statutengemäße Abhaltung von Provinzialkonferenzen der Verwirklichung emgegengeführt. ** Aus Süddeutschland Eine Frage von principeller Bedeutung wird nächstens die Gerichte eines süddeutschen Bundesstaates beschäftigen. Im Jahre 1872 starb in X. ein sehr reicher Israelit, welcher sein Vermögen zu gleichen Theilen seinen zwei Steffen, sowie einer Nichte seiner verstorbenen Frau vermachte. Doch wurde gleichzeitig im Testament bestimmt, daß dieselben Sicherheit zu leisten haben und eine endgiltige Entscheidung durch ein Kodizill, welches beim Gericht hinterlegt und erst am Todestage des Erblassers nach 25 Jahren eröffnet werde, getroffen wird. Am 20. v. M. wurde nun dies Kodizill eröffnet, und der Inhalt desselben besagt kurz und deutlich, daß die Erben des über 1 000 000 Mark betragenden Vermögens dasselbe nur dann endgültig erhalten sollen, wenn diese oder ihre Nachkommen noch dem Iudenthum angehören. Das ist nun aber bei keinem Einzigen der jetzt in London und Wien Lebenden der Fall; alle Nachkommen sind zum Christcnthum übergetreten. Für diesen Fall hat der Erblasser bestimmt, daß der auf diese treffende Theil des Vermögens seiner Heimathsgcmeinde zur Dotirung der Synagoge zufalle. Dort sind aber sämmtliche Israeliten verzogen oder ausgestorben, und das Gericht hat jetzt über die Auslegung des Kodizills zu bestimmen. Das Vorkommnis; beweist abermals, wie berechtigt die Mahnung ist, daß bei letztwilligcn Verfügungen zu Gunsten kleinerer Gemeinden mit der Möglichkeit der Auflösung dieser Gemeinden gerechnet und für diesen Fall Bestimmungen getroffen werden. Oesterr.-Ungar. Monarchie.? 2. September. Unsere Chewra- Kadischa, die es bekanntlich mit ihren Pflichten sehr ernst ninnttt, hat schon oft die Verwaltung des hiesigen städtischen Friedhofes ersucht, wenn die Leiche eines Selbstmörders zur Bestattung gebracht wird, sich genau zu erkundigen, welcher Eonfession derselbe angehörte, damit man dann für den Fall, daß er Jude war, ihm ein jüdisches Begräbniß $*nar -op) bereiten könne. Leider ist es oft gar nicht festzustellen, welcher Eonfession dieser oder jener Selbstmörder angehört habe. So wurde am 9. August hier die Leiche eines Selbstmörders bestattet, den man allgemein für einen Nichtjuden hielt. Vor einigen Tagen stellte sich jedoch heraus, daß derselbe ein Jehudi war und Jakob La über hieß. Obwohl der Selbstmörder nur einfacher Dienstmann war, scheuete unsere hochverehrte Chewra-Kadischa keine Mühe und keine Auslagen, um die Leiche wieder exhumiren und nach jüd. Ritus bestatten lassen zu können. Tiefes Vorgehen der Chewra-Kadischa hat selbst in mchtjüdtschen Kreisen hier einen guten Eindruck gemacht. Vor einigen Wochen berichteten wir über das mysteriöse Verschwinden der Tochter der Wittwe Frau Anton Schönhauser, Ilona (Marie) Schönhauser, welche im Geheimen getauft wurde und eines Tages spurlos verschwunden ist. Die Recherchen der Budapester Polizei blieben bisher erfolglos. Die Vermuthung, daß das Mädchen in einem belgischen Fcauenkloster internirt sei, hat sich laut dem Berichte des österreichisch-ungarischen Generalkonsulats in Brüssel als irrig erwiesen. Unter solchen Umständen^ verdient die Meldung der Raaber Polizei, wonach Ilona Schönhauser sich wahrscheinlich in einem^Nonnenklofter in Wien befinden dürfte, Beachtung. Die hiesige Polizeibehörde wird nun die Wiener Sicherheitsbehörde ersuchen, in Wien nach dem vermißten Mädchen Recherchen anzustellen.