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Der Israelit · 1897-09-09 · Heft 72 (9.9.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 72 (9.9.1897)
Date
1897-09-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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-•T^f1 :»?*r ■«5fr.w»'iyr»-, 1397 geistreicher Weise zu einmüthigem Handeln aufforbertc, gab Herr Justizrath Dr. Hirsch—Frankfurt, Mitglied des geschäftsführenoen Ausschusses, einen Ueberblick über die seitherigen Bestrebungen des Vereins. Er wies im Eingang seiner Darlegung auf die durch den Zweck der Vereinigung: „Die Lösung der Aufgaben zu fördern, welche daS gefetzestreue Judenthum seinen Bekennern in Erkenntniß und Erfüllung stellt", gegebene Vielseitigkeit ihrer Aufgaben hin, die seitens der Vereinsleitung bei Bestimmung der für die einzelnen Special - Zwecke aufzuwendenden Mittel stets im Auge zu halten sei. Diesen Gesichtspunkt müsse auch eine sachgemäße Würdigung ihrer Leistungen festhalten. Die Vereinigung sei bis zu der nun begonnenen Reorganisation derselben nur wenig an die Otffentlichkeit getreten; dennoch aber habe sie Anerkennenswerthes geleistet. Der Redner erinnerte an die Betheiligung der Vereinigung bei der Abwehr der gegen das rituelle Schlachtverfahren gerichteten Bestrebungen; an die Bemühungen, eine Gleichstellung der jüd. Religionsschul-Lehrer mit den Lehrern an den öffentlichen Volksschulen bezüglich der Militärdienstpflicht zu erwirken; ebenso an die Bemühungen um Dispens jüd. Gymnasialschüler vom Schreiben am Sabbat bei der Aditurientenprüfung u. A. m. Er erwähnte die bekannten Maßnahmen in Betreff der Mezizah, sowie die Bemühungen zur Herstellung rituell zuver.'ässiger Thefillin zu nicht zu hohem Preise, über welche Angelegenheit Herr Provinzialrabbiner Dr. C a h n— Fulda ein Specialreferat übernommen hatte. Des Weiteren wurde über die Leistungen des Vereins auf dem Gebiete der Unterstützung bedürftiger Gemeinden, sowie für weitere Spccialzwecke berichtet. Wir entnehmen diesem Theil des Berichts, daß die Vereinigung seit ihrer Gründung bis zum 1. Oktober 1896 an bedürftige Ge meinden zum Zwecke der Anstellung bezw. Erhaltung geeigneter Lehrer 123 Subventionen mit Mk. 8530; sowie zur Errichtung bezw. Reparatur von Ritualbädern 45 Subventionen mit Mk. 4245 gewährt hat. Ferner wurden in dieser Zeit Stipendien gewährt und zwar als Beihülse zur Ausbildung zum Rabbinerberufe 28 Subventionen mit Mk. 2305; und als Beihülfe zur Ausbildung zum Lehrerberufe 116 Subventionen mit Mk. 47d0. Beihülse zur Erhaltung ritueller Restaurationen wurden in sieben Fällen mit insgesammt Mk. 1055 gewährt und jur Beschaffung ritueller Militärverköstigung in 28 Fällen mit Mk. 1915. Subventionen zu diversen Zwecken (Beihilfe zur Ausbildung von Soferim und Mohelim, zur Herausgabe von actuelle Interessen des gesetzestreuen Judenthums betreffenden Schriften, Beschaffung ritueller Verköstigung am Peßachsefte in Kranken- und Gefangenenanstalten u. A. m.) wurden gewährt mit insgesamint Mk. 3159. Es wurde ferner die Thätigkeit der Vereinigung auf dem Gebiete des Stellennachweises erwähnt, die wiewohl sie sich meistens darauf beschränken mußte, Stellesuchenden geeignete Vacanzen auszugeben, doch aber auch in diesem Wege eine zweckdienliche Förderung der aus die Beobachtung des Sabbats gerichteten Bestrebungen erzielte. — Der Bericht schloß sodann, indem er unter Besprechung der seit Anfangs dieses Jahres getroffenen organisatorischen Maßnahmen, welche sich bewähren, der Hoffnung Ausdruck gab, daß es gelingen werde auf dem nunmehr beschrittenen Wege die Vereinigung einer größeren Ausdehnung und Wirksamkeit entgegenzuführen. Herr Rabbiner Dr. Cahn—Fulda erging sich hierauf in ausführlicher Rede über die Mißstände, welche sich bei der Herstellung von rituell brauchbaren Teffilin und Mesusos gezeigt haben. Redner gab einen geschichtlichen Ueberblick über die Bemühungen, welche seit einem Vierteljahrhundert von Seiten der hervorragendsten Männer zur Beseitigung dieser Uebelstände gemacht worden sind, ohne daß dieselben einen durchgreifenden Erfolg erzielt hätten. Verschiedene Vorschläge, die Redner macht, werden dem geschäftsführenden Ausschuffe überwiesen. Er ermahnt die Anwesenden, die kleine Mühe nicht zu scheuen und neugekaufte Teffilin stets von einem zuverlässigen ibid prüfen zu lassen. Aufklärung der großen Masse, daß schlechte Teffilin und Mesusos überhaupt gar keine Teffilin und Mesusos seien, sei Pflicht eines jeden wahren Jehndi. Jeder habe mitzuwirken daran, daß hier Wandel geschaffen werde. Nach einer kleinen Mittagspause ergreift der Herausgeber dieser Zeitschrift das Wort, um folgenden Antrag zu begründen: Schaffung eines größeren Fonds, aus dessen Zinsen diejenigen Commis, Handlungs-Gehülfen, Reisenden u. s. w. während ihrer Stellenlosigkeit eine wöchentliche Unterstützung erhalten, die am Sabbat und jüdischen Feiertagen sich der Arbeit enthalten; Anstellung eines Reisenden zur Gewinnung von Beiträgen hierfür. Wenn wir, so führt der Redner ungefähr aus, den letzten Ursachen des in Deutschland so überaus überhand genommenen Abfall's vom gesetzestreuen Judenthum nachspüren, so werden wir finden, daß nicht Orgelsynagoge und deutsche Gebete, nicht ausschließlich die Abschaffung von Kol Nidre und Bame Madlikin diesen bedauernswerthen Zustand in dieser Ausdehnung herbeigeführt haben, daß vielmehr in 'letzter Linie sich uns ganz andere Voxgänge als die eigentlichen Urheber desselben darstellen. ' Nehmen wir an, ein Mann auf dem Lande, der vielleicht sein ganzes Leben hindurch gegen Abfall und „Neumodigkeit" gekämpft/, kommt in die Lage, seinen Sohn in

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