Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1897)
- Date
- 1897-09-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1884 Dann Einer nach dem Andern floh, Ach Jekuff mit seim"Schatz AuS dem Juden-Eldorado, — Als wär'S en ,DalleS-Platz'. In andr'em Viertel macht er nun 's Geschäft viel besser gar Und sein' Nachkommen längst ausruh'n Wohl drauß' am Bouleward! Blüht nur'S Geschäft, nu GütteS Wunder, und geht nit flau, wird'S aach nit mau, E' koschererJüd geht niemals unter, denn er ist schlau', jau, jau, jau, jau! Ob Jüd, ob Christ, iS' ganz egal Heut bei dem Asphaltfest, Ein Jeder freut sich sonder Wahl Und amüsirt sich fest. Gar deutlich tritt wohl hier zu Tag Der Mainzer Bürgersinn, Man steht, was Einigkeit vermag, Schaut auf den Jubel hin. Drum haltet fest und treu zusammen zu jeder Zeit, in Schmerz und Freud' Und mögen finstere Wolken kommen, dann nicht verzagt, 'S kommt besi're Zeit! Am SchawweS gab eS Bohnrsupp', uff Pesach Matzeklöß' Un' Kul un' Schalet ohne Spaß, daS schmeckte gar net bös', Utt' Milch- UN Flääschding gab es noch in jedem kofchre Haus, Auch blieS daS Licht am Leuchterarm die Schawesgoje auS.:,: Dann schliefen all' in Ruh' und Frieden Gar wohl bewacht, die ganze Nacht; Die guten und die andern Jüden Die ganze Nacht, gar wohl bewacht! Doch heute ist von Allem kaum ein wenig noch am Ort, Die Mauer weg, die Wache fehlt, selbst Israel iS fort; Die Straße ist jetzt umgebaut, neu Pflaster comme il laut, Drum haben Christen ihre Freud, die Juden ihr Hanno! Die jetzigen Bewohner der Judengaffe wünschen dieselbe durchaus „umgetauft" zu haben und zwar zur Erinnerung an das österr. Militär, das z. Z. der Bundesfestung hier lag, in Franz Josefstraße 8. Amerika. ** Ncw-Nork. Im hohem Alter von hundert Jahren ist Papa Elwitsch von Nr. 62 Hesterstroße gestorben, und wurde er im Bay Side Friedhofe zur letzten Nahe bestattet. Vor 28 Jahren batte der alte Mann sein Heimathsland Polen verlaffen, um sich hier niederzulassen. Seit der Zeit saß deeselbe Tag für Tag auf der Treppe des obenbezeichneten Hauses mit einem Korbe Peanuts oder Früchten an der Seite, welche er feilöot. „Papa Elwisch", welcher in Polen Schnittwaarnhändler gewesen ist, hinterläßt eine 86 Jahre alte Wiltwe, fünf Kinder und 46 Enkel. Er soll niemals in seinem Leben krank gewesen sein. Letzten Samstag war er noch in der Synagoge. Er schlief sanft und ruhig ein. Palästina. Jerusalem. (Hospitalbau.) Am 15. Menachem-Ab (13. August) ist mit der eigentlichen Ausmauerung des Untergeschoffes begonnen worden, nachdem die erforderlichen Aussprenguugeu in der Hauptsache vollendet waren; mir im westlichen Theile des Terrains werden dieselben noch fortgesetzt, da der Felsen dort vorzügliche große Bausteine ergiebt. Die Arbeiten werden nlit dem größten Eifer betrieben, und Wir hoffen, daß es mit G. H. gelingen wird, noch vor Eintreffen des Hauptregens im Kislew oder Dezember das Kellergeschoß zu überwölben. Bereits in dieser Woche sind die Arbeiten um ein Beträchtliches vorgeschritten, und sind große Theile der Seitenwände des die beiden Flügel verbindenden Längscorridors sowie der Außenmauern des östlichen Kellers fertiggeftellt worden. Es bedarf keiner Wiederholung, daß die entsetzliche Nothlage so vieler armen kranken die schleunigste Fertigstellung des Baues dringend gebietet, und um dies nach unseren Kräften zu erreichen, babn wir so viele Arbeiter beschäftigt, als uns der Raum und die Verwendung erlaubt.") Am Sonntag den 17. Menachem Ab (15. August) waren (außer dem jüdischen Baumeister Jacob Mann, den zwei jüdischen Aufsehern. dem Architekten TheodorSandel und seinem Adjuncten) 74 Arbeiter beschäftigt. (52 Juden und 22 Nichtjuden , letztere meist Muhamedaner), im Laufe der Woche ist die Zahl derselben auf ungefähr 90 erhöht worden. Es gewährt einen erfreulichen Anblick, den größten Theil der Arbeit, nicht nur die körperlich schwere, wie das Schleppen der Steine von einem Ende des ausgedehnten Terrains zum andern, das Ausstößen der Bohrlöcher für die Sprengung rc., sondern auch diejenige, welche zugleich mit der Anstrengung geistige Uebcrlegung erfordert, wie das passende Zertheilen des Felsblockes, das Zurechthauen der eubischen Bausteine, die richtige Behauung der Steine, welche als Fassung für die Thüren und Fenster dienen sollen, alles dies von Juden, und zwar auch von solchen mit langen „Peioth", ausgeführt zu sehen. — Nichts kann mehr die alte und ewig junge Legende von der Faulheit der hiesigen Einwohner Lügen strafen, als daß diese Leute in einer Sonnengluth, die uns unerträglich ist, unverdroffen arbeiten, während sie doch kaum mehr Zeit halten, sich an diese Gluth zu gewöhnen als wir Europäer, denen solche Arbeit unausführbar erscheint. — Daß jetzt schon nnd in Zukunft wohl noch mehr arme jüdische Arbeiter durch die Beschäftigung beim Bau ihren und ihrer Angehörigen Unterhalt gewinnen — sich aus den Steinen *) Vergl. auch unsere Eorrejpoudenz Jerusalem in der zweiten Beilage der vorigen Nummer. Red. d. Jsr.