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Der Israelit · 1897-09-06 · Heft 71 (6.9.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 71 (6.9.1897)
Date
1897-09-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nun denn, der Zionist Hebt alles Jüdische und hält alles Unjüdische seinem Kreise fern. Kein Zionist wird jemals die hebräischen Gebete abschaffen und durch deutsche ersetzen wollen, kein Zionist wird zugeben, daß, wie es in einigen „fortgeschrittenen" Gemeinden geschieht, nichtjüdische Sängerinnen*) den jüdischen Gottesdienst „verherrlichen" u. s. w., denn alles das widerstrebt dem Prineip des Zionismus. Wenn mich nicht alles täuscht, bildet der Zwnisten-Congreß ein Merkstein in der religiösen Entwickelung des jüdischen Volkes! — Nachbemerkung der Red actio n. Wir betrachten den Abdruck dieses Artikels des Rabbiners am Congreßort als eine Fortsetzung unseres objectiven Berichts überden Congreßselbst. Unsere Leser ersehen daraus am Besten, welch' fascinirenden Eindruck diese merkwürdige Versammlung auf alle Theilnehmer machte. Herr Rabb. Dr. Cohn ist nach wie vor Gegner jeder palästinensischen Politik geblieben, er sieht nur das Gute und Schöne, für die vielen Schattenseiten hat er kein Auge. Sein Herz schlägt warm für die Millionen unserer bedrückten Brüder und er hört von ihren Wünschen nur, daß sie im heiligen Lande sich ansiedeln wollen, um an der Stätte der Sehnsucht Israels durch die segenbringende Beschäftigung mit der Landwirthschaft sich und ihren Kindern ein menschenwürdiges Dasein zu verschaffen. Wer könnte etwas cinzuwenden haben gegen eine Colonisirung Palästinas, die allen politischen Bestrebungen fern ist? Welcher Menschenfreund würde nicht freudig die Hand dazu bieten, ein Unternehmen zu fördern, das in Wahrheit den Unglücklichen ausgiebige Hilfe gewährt? Wer die Geschichte des Zionismus verfolgt hat und die Verbandlungen des Congreffes unbefangen liest, der sieht, daß die verzweifelten Juden in Osteuropa und viele ihrer Freunde im Westen das auf natürlichem Wege unerreichbare und gefahrbringende Ziel verfolgen, dem Judenlhuut politische Machtstellung und Unabhängigkeit am liebsten in Palästina zu verschaffen. Den Verzweifelten kann man diese lltopie nicht verübeln, sie haben kein greifbares Mittel zu ihrer Errettung gefunden und so geben sie sich einem Traume hin. Der Ertrinkende greift nach einem Strohhalm, es wäre ein Verbrechen, wenn der am Ufer Stehende ihm zuriefe: „Halte den Strohhalm nur fest, durch ihn kannst du gerettet werden." Unser geschätzter Freund tritt der Befürchtung, daß die zukünftigen Coloniften Palästinas in Ausübung des Religionsgesetzes gehindert würden, dadurch entgegen, daß er von zionistischen Bestrebungen gerade eine allgemeine Rückkehr zum Religionsgesetz erwartet. Uns scheint hier der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein. In einer unserer nächsten Nummern werden wir Gelegenheit nehmen, unsere *) und jüdische? Red. Meinung über den Baseler Congreß in ruhiger, sachlicher Weise ausführlich zu entwickeln. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 1. Sept (Unlieb verspätet). Wenn einer unserer Voreltern, die vor 120 Jahren hier gelebt haben, am vergangenen Tischo beav wieder erwacht und in das alte Mainzer Ghetto gekommen wäre, so hätte cr glauben müssen, daß der Messias endlich angclangt und die heiß ersehnte Erlösung uns gebracht habe. Dennn an diesem jüdischen nationalen Trauertage war die Mainzer Judengaffe festlich geschmückt, Hunderte von bunten Lampen erleuchteten dieselbe und mitten aus der Gaffe standen Tisch an Tisch und Stuhl an Stuhl, auf welchen fröhliche Zecher saßen, welche die ganze Nacht von Samstag auf Sonntag hindurch bei Becherklang und Liedersang in ungebundenster Heiterkeit verbrachten. Der geehrte Leser wird erstaunt fragen, was denn mit diesem historischen Orte vorgegangcn sei. Nun, es war eigentlich ein wenig bedeutendes Ereignitz, das die Bewohner dieser Gasse, welche heute zum allergrößten Theile aus Nichtjuden bestehen, gefeiert haben, das aber bei dein heiteren Sinn der hiesigen Bevölkerung, welche gern jeden Anlaß benutzt, um Feste zu feiern, sich recht hübsch gefaltete. Es war ein sogenanntes Pflasterfest, das hier in andern Gaffen auch schon mehrfach gefeiert wurde. Das alte holperige, aus früheren Jahrhunderten stammende Pflaster ist entfernt worden und auf Anordnung der städtischen Behörde wurde die Straße mit hübschem Asphalt versehen. Wenn ein Nichtmainzer die Lieder ttsen würde, die bei dieser Gelegenheit gedruckt und gesungen wurden, so möchte er wohl glauben, daß ein leiser antisemitischer Zug durch die hiesige Bevölkerung gehe. Wir aber wiffen, daß alle diese Scherze ganz harmloser Natur sind, die der Mainzer Jude seiner, selbst tut Sommer carneoalistischen Vaterstadt nicht übel nimmt. Es sei uns vergönnt, einzelne Verse aus den Liedern hier wiederzugeben: Vor alter Zeit war eingezwängt Allhier die Judenschaft, O waih, wie war sie eingeschränkt Nach des Gesetzes Kraft, Gesperrt dort drüben durch ein Thor, DaS Abends man verschloß, Hier stand die „Juden-Wach'" davor; DaS war, was sie verdroß. Doch bald Ihat Freiheit ihnen winken, ein großer Mann, „Napoleon", Der ließ der Thorr Mauern sinken, er jauchzten, Kohn, Hersch, Aronsohn.

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