Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1897)
- Date
- 1897-09-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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LLI gleichsam „Brod" aushauen, ist. wie ich schon früher betonte, der erste und nicht der kleinste Segen, den das neue Hospital noch vor seiner Vollendung für die hiesigen Einwohnerschaft gebracht hat. Um ein Mißverständniß zu vermeiden, sei darauf hingewiesen, daß es nicht etwa an arbeitslosen jüdischen Arbeitern hier mangelt, oder die Juden Beschäftigung scheuten, so daß wir zu nichtjüdischen Arbeitern recnrriren mußten: es bilden aber einzelne Arbeiten, wie Sprengen k. durch Hebung gleichsam das Privileg der letzlern, auch zählen letztere einige hervorragende Meister oder durch Körperkraft Ausgezeichnete, deren Mitwirkung vortheilhaft ist. Es wird selbstverständlich stets unsere Aufmerksamkeit darauf gerichtet sein, die jüdischen Arbeiter, deren 'kothlage ungleich schwerer ist als die der nichtjüdische.., welch' letztere bei den von Kirchen und Klöstern ausgeführten Bauten leichter Beschäftigung finden, thunlichst zu berücksichtigen. Zu bemerken ist noch, daß der Spitalbau gegenwärtig die einzige Gelegenheit darstellt, bei der jüdische Arbeiter in größerer Zahl Beschäftigung finden können. Es ist zugleich ein Zeichen der traurigen socialen Lage der jüdischen Einwohner Jerusalems, daß nur wenige Häuser von jüdischen Eigenthümern nett gebaut werden und nur bei diesen kann noch eine ganz kleine Zahl jüdischer Bauhandwerker Beschäftigung finden. — Gebe der Allgütige, daß ich Ihnen den regelmäßig günstigen Fortgang der Arbeit und in kürzester Frist die Vollendung des Baues melden kann. vermischtes. Berlin- Am Tischebeaw ist wieder in der Synagoge des Religionsvercins Adath Jeschurun, Alte Schönhauferstraße, vor einigen Tagen eingebrochen worden- Ein werthvoller silberner Becker sowie niehrcre Gebetmäntel sind gestohlen worden. Es MUß also wirklich eine Diebsgesellschaft bier exiftiren. die es hauptsächlich auf die kleineren Synagogen abgesehen hat Düsseldorf. Die israelitische Gemeinde Düsseldorf will eine neue Synagoge erbauen lassen, da die jetzige zu klein ist. In dem Neubau sind zwei -Terrains in Aussicht genommen : die Fleckschen Häuser in der Kasernenftraße gegenüber der Synagoge und das Tcrrein der früheren Bahnhöfe. Feuilleton. Das verlorene Esrog. 4) Bon Paul MagnussRÄr Vorbehalten, s Lina war damit einverstanden und R. Anschel zog sich einen anderen Rock an, setzte seinen Hut, den er nur am Sabbat trug, auf und ging mit Lina die Dorfstraße hinab nach dem Hause des Vorstehers. Auf Linas Wunsch ging er aus der rechten, sie auf der linken Seite der Straße, damit man keinen Verdacht schöpfe, daß sie Brautleute seien. Als die Tante R. Anschel mit seinem guten Rock und Hut bekleidet mit Lina fortgehen sah, ahnte ihr nichts Gutes. „Nebbich," sagte sie, „das arme Kind, wegen eines Esrog rennt er ins —" Doch sie wollte ihren Mund nicht zuni Bösen aufthun und gab sich Mühe, sich mit den Thatsachen abzufinden. Nach einer halben Stunde wurde sie geholt und R. Anschel und Lina wurden ihr als Brautleute vorgestellt. „Massol tow, massol tow," sagte sie zu den jungen Leuten. „Ich Hab es mir gleich gedacht, daß ein Schidduch dabei herauskommt. Junge Leute, die über ein Esrog broche machen sind immer in großer Skonoh."*) „Nun, die Gefahr ist vorüber," sagte lächelnd der Vorsteher „und das Esrog ist gut gebenscht worden und soll für immer gebenscht bleiben." Am folgenden Tage erfuhr die Gemeinde das Ereigniß. Man war erstaunt, aber man gratulierte von Herzen. Der Erste, der zum Glückwünsche kam, war Herr Brader; er fragte auch gleich, ob R. Anschel morgen, am sch'mini azeres schon mit hohem Ja'mod aufgerufen sein wolle und war vergnügt, als dieser bejahete. Brachte ihm dieser hohe Ja'mod doch ein ansehnliches Geschenk ein. Am Schmini azeres ging R. Anschel ganz früh zu seiner Braut um sie zur Synagoge abzuholen. Auf dem Wege dahin begegnete ihnen die Tante in ihrem höchsten Staat. Sie war so blaß, daß es R. Anschel auffiel und er besorgt fragte, ob sie nicht wohl sei. „Rein," entgegncte sie kurz; „ich bin ganz wohl, könnte aber vor Aerger weinen." „Und warum, worüber, woran ärgerst Du Dich, liebe Tante?" fragte R Anschel. „Ueber mich selbst," versetzte die Tante. „Ich bin ganz allein Schuld daran! O, ich könnte mich selbst patschen." „Was ist denn passiert?" fragte der Vorsteher. „Ihr werdet es schon noch sehen;" erwiederte die Tante. „Nach Schul erwart' ich Euch zum Frühstück." Man hatte die Synagoge erreicht. Der Gottesdienst hatte schon begonnen, denn man hatte sich ein wenig verspätet und Herr Brader war pünktlich wie die Uhr. R. Anschelgenoß alle die Ehren, die einem Bräutigam in einer kleinen Gemeinde dargebracht werden und als Herr Brader mit lauter Stimme ihn zur Thora rief und einen wunderschönen echod *) Gefahr.