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Der Israelit · 1897-09-06 · Heft 71 (6.9.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 71 (6.9.1897)
Date
1897-09-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1382 die Colonisten im heiligen Lande in der Heilighaltung von V'I xav und der pto Tvbrsi nuto der specifisch jüdischen Landgesetze (des Erlaßjahres zum Beispiel) nicht behindert werden würden, und Dr. Herzl gab unter allseitigem großen Beifall die vorher feftgestellte Erklärung ab, daß der Zionismus niemals irgend eine religiöse Richtung im Judenthum in ihren Gefühlen kränken werde. Doch auch Erwägungen anderer Art verlangen gebieterisch, daß wir unsere feindselige Haltung dem Zionismus gegenüber ändern, ich meine die Rücksicht auf das, was uns das Theuerste ist, auf unsere Emuno! Die zionistische Bewegung ist eine überaus machtvolle, eine stürmische und gewaltige, sie hat ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht, und wird jetzt nach dem Congreß, der ihm viele Sympathien gewonnen hat, einen bedeutenden Aufschwung nehmen und sicherlich auch in Deutschland an Boden gewinnen. Die Frage liegt nahe: warum sollen wir eine so große Bewegung 2^' wa rwn sein und sie in das Lager der Gegner drängen, während doch diese Bewegung, wie keine zweite, geeignet ist, die erloschene religiöse Begeisterung vermittelst des nationalen Gedankens neu zu belebend Das National-Judenthum ist allerdings das wahre Judenthum nicht, aber eskanneswerd en. Der Schwerpunkt der Herzlichen Begrüßungsrede im Eongreß liegt in dem Satze: „Der Zionismus ist die Rückkehr zum Judenthum vor der Rückkehr ins Judenland." Daß dieses Wort keine bloße Phrase ist, dessen konnte man sich im Verkehr mit den Zionisten leicht überzeugen. Um nur ein Beispiel herauszugreifen, so erzählte mir ein Ingenieur, der aus weiter Ferne, zum Congreß gekommen, daß seine Eltern und Schwiegereltern Reform-Juden seien, die vonl praktischen Judenihum nichts mehr wissen, und daß er einen rituellen Haushalt eingerichtet habe! Welche Hoffnungen eröffnen sich da für die gläubigen Juden in unserer so trüben Zeit? Wie oft mußten wir mit Schmerz erkennen, daß die hxt daß Gottesfurcht und Frömmigkeit in erschreckendem Maaße abnehmen, und die Frage liegt nahe, was soll aus dem Judenthum werden, wenn dem wachsenden Abfall nicht einmal Einhalt geschieht? Immer aber sagen wir uns: Gott wird schon dafür sorgen, daß es anders wird. Er hat mit unseren Vätern einen Bund geschloffen, und wenn wir ihn auch brechen wollen, er läßt ihn nicht brechen, er zwingt uns, ihm treu zu sein. Und was uns Niemand glaubte, jetzt wird es zur Wahrheit! Wie in jenem schönen alten Gleichniß erzählt wird von dem Hirten, dessen Heerde sich weithin zerstreut auf Klippen und Abgründe, wo sie von zahllosen Gefahren bedroht wird, und der einen bissigen Schäferhund hat, der mit lautem Gebell die Heerde wieder zurttcktreibt, daß sie willig ihrem Führer folgt, so leitet Gott uns in seiner Gnade. Wenn wir in unsere alten Fehler verfallen ptf' fwi und im Glücke seiner vergessen, so erweckt er uns Feinde, Feinde auf allen Seiten! Diese Feinde bewirken, daß der Jude sich auf sich selbst besinnt. Israel ist das me»»» w, das trotzigste unter den Völkern! Man greift den Juden an, und der Jude, der kein Jude mehr war und kein Jude sein wollte, will wieder Jude sein, zunächst ein Nationaljude und bald hoffentlich ein echter religiöser Jude. Welche Perspective! Bis jetzt sahen wir in religiöser Beziehung eine absteigende Reihe von Geschlechtern. Der Großahn war fromm, der Sohn war es weniger und noch weniger der Enkel und der Urenkel geht dem Judenthume ganz verloren! Nun werden wir tm die aussteigende Reihe erleben. Wir werden es erleben, daß der Vater ein Nationaljude, der Sohn ein religiöser Jude wird, und der Enkel wieder mit Geist und Herz wurzelt in unserer heiligen Thora. Wer erkennt in diesen Geschehnissen nicht die göttliche Weisheit? Wenn die Zionisten von der „Judennoth" sprechen, von der Geißel, die uns schlägt, von der Ruthe, die uns züchtigt, so sehen wir hinter alledem den gütigen Gott, der die Roth gerufen, der die Geißel schwingt und die Ruthe unseren Feinden in die Hand gegeben — damit zu rückkehren die abtrünnigen Kinder zu ihrem himmlischen Vater! Ich resümiere: Die zionistische Bewegung, deren Kern die Kolonisation Palästinas in großem Stile auf rechtlicher Grundlage ist, hat nichts dem orthodoxen Judenthum entgegengesetztes, vielmehr ist anr 2sntr px die Besiedelung des heiligen Landes eine nir», von der sogar einige der Alten sagen nßipVv mttan 22 -s» daß sie alle andern Gebote an Bedeutung übertreffe! Noch mehr. Ich wiederhole, was mir Prof. Schapira von Heidelberg, der Verfasser des klassischen, zionistischen Congreß im Jnseraientheil des Israelit gesagt hat, die Orthodoxen p» fn^ enw pscm werden sich dereinst vor Gott zu verantworten haben, wenn sic sich dieser Bewegung nicht anschließen, die, wenn sie richtig geleitet wird, eine Wiedererweckung und Wiederbelebung der religiösen Begeisterung zur Folge haben wird. Ja, die Zionisten sind die geborenen Verbündeten der Orthodoxen im Kampf gegen die Reform. Was ist denn die Reform anders, als die Nachahmung des Christenthums in unserer Synagoge?

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