Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1897)
- Date
- 1897-09-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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*17!^j|KB|yyj5M '. *•. i* 1381 erschlagen oder doch von Haus und Hof vertrieben und ins Elend hinausgejagt werden. Welche Mizwo, welche unendliche Wohlthat wäre es, diese Unglücklichen ganz oder doch großenthetls in Palästina anzusiedeln, wo sie im Lande ihrer Sehnsucht in Ruhe und in Sicherheit als Bebauer des väterlichen Bodens leben könnten! Und dieses ist im wesentlichen das Ziel des Zionismus. Vom Judenstaat wurde während des ganzen Congrefses kein Wort gesprochen und das Programm dahin sestgestellt, eine Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk auf öffentlich rechtlicher Grundlage zu gründen. Die Worte „öffentlich rechtlich" sind nicht überflüssig. Denn die Einwanderung in Palästina unterliegt jetzt großen gesetzlichen Schwierigkeiten und damit nicht auch nach Palästina einmal der Judenhaß verpflanzt und damit die Colonisten vor der Willkür und der wechselnden Laune der Behörden geschützt sind, ist eine rechtliche Grundlage, auf der die Colonisation sich aufbaut, eine Nothwendigkeit. Mehr noch als durch den Congreß selbst hörte ich über die Roth unserer Brüder in Rußland von dortigen Glaubensgenossen. Einer derselben, ein vorzüglicher Jehudi, der, obgleich nur mit mäßigem Wohlstand gesegnet, aus Rußland zum Congreß gekommen war, kam voller Zorn zu mir, als er hörte, daß ich mich der zionistischen Bewegung nicht angeschlosseu. Wir könnten gut reden, so meinte er, als ich ihm mein Bedenken geschildert, wir litten keine Roth, und für das Elend der russischen Juden fehle uns das mitfühlende Herz „Daß wir kein Brod haben," rief er, „ist das Wenigste, wir sind gewohnt zu darben, aber unsere Jeschiwa's sind von der Regierung geschlossen worden und was ist das Judenthum ohne die Pflege des Talmud-Studiums? Kürzlich hat die Regierung angeordnet, daß die Melamdim ein russisches Examen machen müssen, das Keiner von ihnen zu bestehen im Stande ist, welche Gefahr droht da unserer Jugend, denn was ist unsere Jugend ohne Thora? Die Wahrheit redet eine herzbezwingende Sprache und die Worte des einfachen russischen Juden gingen mir zu Herzen und ich fragte mich, warum stehen wir wirklich dem Zionismus, der jetzt kaum etwas anderes bezweckt, als die Colonisation Palästina's in großem Maßstabe, feindlich gegenüber? Freilich hat der Vorstand des „Allgem. Rabbiner Verbandes" erklärt, der Zionismus verstoße gegen die messianischen Verheißungen und hat, wie ich aus dem Munde von Congreßbesuchern erfahren habe, durch den Abdruck dieser Erklärung in allen deutschen Blättern für den Zionismus, der vorher in weiteren Kreisen Deutschlands vollständig unbekannt war, colofsale Propaganda gemacht. Aber abgesehen davon, daß es wirklich seltsam berührt, wenn ein Mann wie: Dr. Matzbaum, Rabbiner in Berlin, der öffentlich in seinen Schriften die Göttlichkeit der Thora leugnet, sich jetzt als der Hüter der messianischen Weisagungen ausspielt, verstehe ich nicht, was der Glaube an den Messias, auf deffen Ankunft wir hoffen, mit der Colonisation Palästinas zu thun hat. Wenn selbst einige Millionen Juden im heiligen Lande wohnen sollten, so werden doch noch genug Glaubensgenoffen in den anderen Ländern zerstreut bleiben, die einst der Messias samnieln wird, von den vier Enden der Erde. Bürgt nicht schon der Umstand, daß Reb Hirsch Kalischer der Begründer der modernen zionistischen Bewegung ist, u. daß Reb Schmul Mohilewer n der einer der größten, wenn nicht der größte russische Rabbiner der Jetztzeit ist, sich offen und rückhaltlos in einem Briefe an den Congreß für den Zionismus in seiner jetzigen Gestalt ausgesprochen hat, dafür, daß allgemeine religiöse Bedenken nicht bestehen? Freilich soll ein Umstand nicht verschwiegen werden. An der Spitze der Bewegung stehen Männer, die nur unsere Stammesnicht unsere GlaubenSgenoffen sind, die vielen und wesentlichen Geboten unserer heiligen Thora gleichgültig gegenüberftehen; und es wird den gläubigen Juden nicht leicht, eine jüdische Angelegenheit von solcher Bedeutung solchen Händen anzuverirauen. Der große oben erwähnte russische m nimmt auf diesen Umstand mit einer bedeutungsvollen Bemerkung Bezug. „Wenn ein Haus brennt, so sagt er, prüft man Diejenigen nicht, die löschen wollen, in Bezug auf ihre Gesinnung. Nun denn ein Brand wüthet im Hause Israels, so komme wer will, um zu löschen, er soll willkommen sein!" Doch wie, wenn jene Männer einmal die in ihren Händen liegende Machtbefugniß dazu benutzen sollten, die jüdischen Colonisten in der Ausübung der Gottesgebote zu hindern? Zieht sich doch durch die Geschichte der deutschen Juden in unserem Jahrhundert wie ein rother Faden eine Reihe von Vergewaltigungen, die das orthodoxe Judenrhum von anders gesinnten Majoritäten hat erfahren müssen! Freilich ruht auch diese Befürchtung auf schwachem Grunde. Denn die Maffe, für die wir sorgen wollen, die russischen und galizischen Juden, sind so fromm, so streng und gewissenhaft, daß eine religiöse Beeinflussung ganz ausgeschloffen erscheint. Um aber in dieser Hinsicht ganz sicher zu gehen,- richtete äch?eine von mir gemeinsam mit meinem Freunde/ Räbo. Dr. Ehrmann '“2 aufgesetzte Anfrage an den Congreß, ob