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Der Israelit · 1897-09-02 · Heft 70 (2.9.1897) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 70 (2.9.1897)
Date
1897-09-02
Page
– (sequence 27)
Language
German
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1377 2. Neue Colonieen nur aus dem in Palästina schon vorhandenen Menschenmaterial und zwar auf Grund freier Genossenschaften zu errichten. Darauf bedeutet Kamin ka, er könnte stundenlang sprechen, er will nur Hinweisen, wie die Colonisarion Palästinas das Ideal aller Juden sei. Im Talmud und den anderen jüdischen Schriften finden sich Aussprüche, wie: „Jeder Israelit, der außerhalb Palästinas wohnt, diene fremden Göttern. Wenn Israel von Ruhe spricht, mutz es sich nach Jerusalem wenden, dort allein kann es Ruhe gewinnen." An Jerusalem dachten, dahin sehnten sich in allen Zeiten die besten unserer Nation, sie wanderten nach Möglichkeit dahin aus oder unterstützten die Einwanderer und Bewohner; sie verbanden damit die Hoffnung auf Wiederherstellung Zions. allerdings auf mystische Weise. Aber auch Stimmen im Mittelalter, nach Zion auf natürlichem Wege zurückzukehren, werden laut, so wurde zu Ps. 14*; der Stelle „bei Gott sei zwar die Hilfe, aber sie geschehe durch Menschenhände" bemerkt, so sei die Rückkehr aus Babylon durch Cyrus erfolgte, so werde auch die endgiltige Lösung durch Menschenhände geschehen. Er erinnert des Weiteren an die Geschichte der Zionsbewegung, wie 1869 durch die Alliance israelite Ackerbau-Colonieen gegründet wurden. In den 70er Jahren und Anfang der 80er kamen dann die Verfolgungen der Juden in Rumänien und Rußland, man berief schließlich eine Versammlung nach Kattowitz anläßlich des hundertjährigen Geburtstages an Montefiore März 1884, Vereine entstanden in Odessa und Warschau, Commissionen wurden eingesetzt zwecks Verhandlungen mit der russischen Regierung. Redner giebt des Weiteren den Bestand der Coloniften, ihre Entwickelung, die nach seiner Absicht in einem Anhänge in dem Protokoll deS CongresseS refp. in einer besonderen Broschüre dargelegt werden soll. Der Export von Palästina betrug 4 472 000 Frcs., der Import 7 371 500 Frcs. Das Resümee des Vortrages ist: Colonisation auf dem bisherigem Wege sei unmöglich, die Schwierigkeiten, wie Redner näher ausführt, zur Anlegung von Colonieen enorm. Redner empfiehlt ein Komitee von 5—7 Personen behufs Erledigung der ColonisationSangelegenheit einzusetzen. Zum Schluß erfüllt der Redner einen Akt der Pietät, gedenkt der Männer, die sich für die Colonisation hervorragend interissirt, und und bittet die Mitglieder sich zu ihrem Andenken von ihren Sitzen zu erheben, was unter großem Beifall geschieht. Adam Rofenberg schildert seine eigenen persönlichen Erfahrungen aus Palästina, giebt ein Bild von Klima, geographischen Verhältnissen Palästinas, seinen hervorragenden landwirthschaftlichen Produkten, seiner Industrie, seinen Verkehrsverhältnissen. Er bestätigt Dr Schnierer's Ansicht über das Bakschichsystem, daß eine freie genossenschaftliche Centralleitung errichtet werden solle Er wendet sich gegen die Hirsch'sche Organisation in Palästina, die nicht demokratisch genug, zu sehr vom französischen Geiste erfaßt sei. Das müsse verhindert werden, das wäre kein Nutzen für den Zionismus. Die positiven Maßregeln wären: Zusammensetzung der Comitees aus Männern, die, keine Sportzionisten, ihre ganze Zeit der Centralleitung widmen können, wenn nöthig, besoldet werden sollen. 2. die demokratische Constituierung der Commission (Beifall). Dr. W. Bambus weist den Vorwurf zurück, daß das Hirsch 'sche Comitee oligarchisch zusammengesetzt sei, daß die Colonieen doch ein Versuch seien, der noch nicht abgeschlossen, wie ja noch kein Volk darin endgültige Erfahrung gewonnen. Von Unterwerfung unter die Hirsch 'sche Organisation sei keine Rede, aber eine Ergänzung und ein Zusammengehen mit den Palästinavereinen wäre doch ersprießlich, gemeinsame Arbeit wird uns mehr nützen als einseitige Arbeit. Nächstes Jahr wird eine Agrarbank errichtet, über die wohl schon dem nächsten Congreß Bericht erstattet werden kann. D r. Löwe aus Jaffa in Palästina erinnert daran, daß heute der23. Jahrestag derThronbesteigungunseresSultans,daß wir Juden in Palästina ihm zu Danke verpflichtet sind. Wenn wir auch keinen Personenkultus treiben wollen, der alten Vorkämpfer für nufere Sache wollen wir gedenken, eines Moses Herz K a l i s ch e r , eines D r. Lippe und Pineles, denen wir unseren herzlichsten Dank anssprechen (Großer Beifall). Wenn auch nicht offiziell deputiert, so kann ich doch die Versicherung abgeben, daß wir palästinensische Juden aus demselben Standpunkte fiepen, wie die Zionisten. Wenn wir Coloniften Unannehmlichkeiten dadurch haben sollten, ivollen wir es gern ertragen, wie wir schon viel erduldet (Beifall). Redner giebt dann Bevölkerungsziffern von Palästina (73000 Juden) wovon in Jerusalem erwa 40000. Dann spricht Redner über Chalucka, die nicht, wie frühere Redner beantragt, verworfen, sondern nur gerecht an die wirklich Bedürftigen vcrlhcili werden sollen. Die Colonisation sei eine Versuchsstation Nichts ohne Volk, alles mit dem Volke, alles für das Volk. Während dieser Vorträge war durch Stimmzettel die Wahl an Stelle des Dr. Birnbaums vollzogen. Von den Candidaten erhielt int 1. Wahlgangc bei 141 Stimmen Dr. Mintz 52, Dr. Landau 55. Da keiner die absolute Mehrheit erlangt, wird eine 2. Wahl vorgenommen, wobei Dr. Mintz 64 Stimmen erhält und somit gewählt ist. Dr. Mintz nimmt dankend die Wahl an. Herr Dr. Ehrenpreis ergriff hierauf das Wort zum Referat über die hebräische Litteratur. Er bedauerte, daß dieser Punkt, den alle so ernst nehmen, erst in zwölfter Stunde verhandelt werden könne. Ihn in Kürze abzuthun, sei eigentlich unmöglich, da zugleich die nationale Erziehung besprochen werden müßte. Daß er darüber deutsch sprechen müsse, sei die beste Begründung dafür. Man wolle zur hebräischen Sprache wie in das heilige Land zurückkehren. Man sei überzeugt, daß die Wiederherstellung der Kultur nur in hebräischer Sprache möglich sei. Diese Ueberzeugung sei schon vor dem Zionismus dagewesen. Der erste Kongreß habe aber auch die Pflicht, zu zeigen, daß es eine hebräische Litteratur gebe; man habe große Dichter und Publizisten gehabt, die dem Judenthum ihre Geistesarbeit verrichteten, bis der Zionismus kam u. sie fortsetzte. Die jüdische Presse habe bewiesen, daß man sich in hebräischer Sprache modern und wissenschaftlich voll und ganz aussprechen könne. Daß Bedürfniß dazu vorhanden sei, bewiesen die zwei Anstalten in Warschau, die hebr. Bücher billig u. zweckmäßig Herausgaben. Dieselben fänden massenhaften Absatz, und derselbe werde durch den Zionismus noch viel größer. Zwar sei bis jetzt die Bewegung nur vereinzelt gewesen; von nun an solle sie aber ebenfalls organisirt werden. Sie läge allen so sehr am Herzen, wie die Rückkehr selber. Viele möchten jetzt schon ihre Kinder hebräisch erziehen lassen, es fehle aber an Schulen, Lehrmitteln und vor allem an einer Zentralleitung. Er habe deshalb dem Kongresse folgende Resolutionen vorzulegen: „Der Kongreß beschließt die Gründung eines allgemeinen hebräischen Schulvereins, der für den Unterricht in der hebräischen Sprache, wo erforderlich, unentgeltlich sorgen soll. Der Kongreß setzt eine Literaturkommission ein mit folgenden Aufgaben: periodische Zeitschriften in hebräischer Sprache zu unterstützen und zu gründen, hebräische Werke zu fubventioniren, junge hebräische Schriftsteller zu fördern, und überhaupt allem, was in der jüdischen Litteratur oargehe, ihr Interesse zu bewahren. Was die Schulen im Orient betrifft, so sollen dort nach Antrag des Herrn Prof. Schapira in Jerusalem oder Jaffa eine hebräische Universität gegründet werden. (Tosender Beifall.) Dazu sei vorerst aber nöthig, die jetzt 4klassige Schule in Jaffa stufenweise zu erweitern und ein Gymnasium zu errichten." Den Schluß der mit ungeheurem Beifall aufgenommenen Rede bildete eine feurige Aufforderung in hebräischer Sprache.

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