Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1897)
- Date
- 1897-09-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1870 hohen Beamten und der Herr Mayor der Stadt Montreal. Alle verblieben auf ihren Sitzen, bis die Eröffnungs-Ceremonien beendet und die Versammlung für diesen Abend geschlossen war. Palästina. ** Jerusalem, im August. Wir entnehmen der „Deutschen evangelischen Kirchenzeitung" folgende sehr interessante Nachricht über die Entwickelung der Mission in Jerusalem: „In Palästina zeigen sich die Juden neuerdings sehr fanatisch gegen die Engländer. Die englische Juden-Mission hatte seit einem halben Jahrhundert ein Krankenhaus für Juden in Jerusalem in einem gemietheten Hause in der Stadt. Jetzt ist ein großes neues Hospital von der Gesellschaft vor der Stadt in der Nähe von Talitha Kuni erbaut und im April eingeweiht worden. Die Rabbiner und der Ober-Rabbiner haben aber den Juden verboten, sich in Krankheitsfällen in dem englischen Hospital pflegen zu laflen. Den jüdischen Fleischern und Kaufleuten sind Lieferungen für das Hospital verboten, und das größtentheils aus Juden bestehende Dienstpersonal des Hauses mußte dasselbe verlassen. So sind in dem großen neuen Hause bis jetzt nur zwei unheilbare Kranke, die aus dem alten Hause übernommen wurden. An den Tagen, wo die Poliklinik stattfindet, stehen Wachen vor den Thoren, und wenn Juden kommen, sich Arznei zu holen, so werden ihnen die Arzneiflaschen zerschlagen. Auch aus den beiden englischen Mädchenschulen für Judenkinder sind Zöglinge sortgenommen worden. Es heißt, eine Anzahl junger, fanatischer Juden sei aus Europa nach Jerusalem gekommen und hätte diese Erregung veranlaßt. Bisher sind Schritte gegen dieselben vergeblich gewesen, lieber die Lage der Juden in Jerusalem in den letzten Monaten wird uns im Aufruf einer englischen Gesellschaft von Freunden Israels Folgendes mitgetheilt: Wir beschäftigten 34 arme Juden in „Abrahams Weinberg". Es thut unserem Verwalter im innersten Herzen wehe, wenn er das Elend so Vieler ansehen muß, die Tag für Tag in Bedrängniß und Hunger darum nachsuchen, es möge auch ihnen Arbeit verschafft werden. Darunter sind Alte, Kranke, solche, die sich vom Bett aufgerafft haben. Wahnsinnige, Blinde. Die besuchende Dame ergreift insonderheit das Wort zu Gunsten kleiner Kinder! Es ist so traurig, ihr Elend anzusehen; hinwiederum sind sie geduldig und überaus dankbar für jede kleine Hilfe. Wir haben manche Wittwen mit Kindern auf unserem Verzeichniß. So bitten wir denn, daß man sie nicht vergesse oder aus Nahrungsmangel in ihren ungesunden Wohnungen zu Grunde gehen lassen." Wir dürfen die gesteigerte Abneigung der Juden gegen die Mission wohl auf den Einfluß der Kolonisation und des gesteigerten jüdischen Selbstbewußtseins und last not loast. auf | die Errichtung des großen jüdischen Krankenhauses! in Jerusalem zurückführen. (Vgl. unsere Correspondenz aus Jerusalem im Hauptblatt dieser Nummer.) 6. Jaffa, 14. Menachem Ab. Am Dienstag, den 12. Ab, verließen sieben Schüler der jüdischen Ackerbauschule Mikweh Jisroel, und zwar sechs Sephardim und ein Aschkanasi den hiesigen Ort, um sich nach Marseille cinzuschiffen. Fünf von diesen Schülern werden die Ackerbauschule in Paris, zwei dagegen die Gartenbauschule in Versailles beziehen. Vor ihrer Abreise machten sic noch eine letzte Rundwanderung zu Fuß durch die jüdischen Kolonien und nahmen sie noch einmal an der Vendange in Mikweh theil. Hier werden Versuche gemacht, frische Weintrauben aus den Kolonien nach Europa zu schicken, bisher freilich leider ohne Erfolg. Herr D. Bril in Rischon-l'Zion hat daher in dieser Woche nochmals sieben Kisten mit Trauben an die Hamburger Ausstellung gesandt, und man hofft diesmal zuversichtlich, daß sie gut eintreffen werden. In der Kolonie Ekron, wo ein Privatunternehmer die Ethrogimernte in Bausch abgekauft hat, findet jetzt die Ernte statt. Man wird ca. 3000 Ethrogim daselbst herunternehmen. Auch in Rosch-Pinab ist die heurige Ethrogimernte nicht übel ausgefallen. — In Nr. 146 der Zeitschrift „Die Kritik", die von Richard Wrede in Berlin herausgegeben wird, findet sich in einem pseudo-unparteiischen Artikel über die Judenfrage, „Recht und Unrecht des Judenthums" von Fr. Wilhelm Bunning folgender Satz, der niedriger gehängt werden muß. „Nach einer Zeitungsnotiz hatte der Baron Hirsch durch Vertrag mit der Pforte die Genehmigung erhalten, mit den russischen Vertriebenen ein Neu-Jsrael in Palästina zu gründen. Der Versuch ist unterblieben, würde aber wohl auch ein ebenso klägliches Resultat ergeben haben, wie die diplomatischen Gründungen der Negerkolonien von Sierra Leone und Liberia. Denn russische Bauern haben zu wenig Kultur, um sie bepflanzen 51t können, und unter ihnen sind Israeliten die geringsten." Bekanntlich darf man, wenn man über Juden schreibt, sich der größten Sachunkenntniß befleißigen. Von dieser Freiheit hat der Autor ausgiebigen Gebrauch gemacht. Die jüdische Kolonisation in Palästina hat trotz der mannigfaltigen Anfeindungen und gewaltigen Schwierigkeiten, die man ihr in den Weg stellt, so große und unleugbare Erfolge in den wenigen Jahren ihres kurzen Bestehens schon gehabt, wie sie große und mächtige Staaten mit ihrer Kolonisation nicht aufweisen können. Afrika. ‘i Kapstadt. Die kräftige Entwicklung der jüdischen Gemeinden in Süd-Afrika legt den Gedanken nahe, eine Verbindung zwischen denselben herzustellen. Längst find, wenn auch noch vereinzelt. Versuche aufgetaucht, die geistigen Interessen der Juden zu pflegen, sich auch der jüdischen Wissenschaft