Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1897)
- Date
- 1897-09-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1369 nicht, wie man bisher angenommen, in einer monumentalen Pforte, sondern in einer einfachen Brunnen Öffnung bestehen, durch die man nach dem Vorbilde aller phönizischer und egyptischer Grabmäler in die Nekropole Hinabstieg. Das beweise klar eine Stelle des Flavius Jofephus, deren Sinn man bisher nicht verstanden habe. Auf diese bereits vor längerer Zeit von Herrn Clermont-Ganneau entwickelten Ideen hin hat bereits ein englischer Archäolog, Dr. Büß, natürlich ohne den Namen des französischen Gelehrten nur zu erwähnen, Nachgrabungen in diesem Sinne angestellt, ohne indeffen irgend ein Ergebniß zu erzielen. Herr Clermont-Ganneau meint, daß das ganz erklärlich sei, weil Bliß trotz seinen — Clermonts — genauen Angaben die Nachgrabungen von außerhalb des Winkels angeftellt, während man im Gegentheil innerhalb des Winkels hätte nachgrabcn muffen. Man muffe deßhalb die Operation in dieser Richtung wieder aufnehmen. Das Studium der in dieser Hinsicht von dem Gelehrten der Akademie unterbreiteten Vorschläge wurde einer aus den Herren Maspero, Berger, Oppert, Dieulafoy, Marquis de Vogüe und dem Antragsteller zusammengesetzten Kommission überwiesen. § Marseille, 20. August. Der „Israelit" hat vor einigen Tagen eine Correspondenz aus Venedig veröffentlicht, in welcher er von der glücklichen Rückkehr des jungen jüdischen Advocaten, Dr. Grassini, der unter Ricciotti Garibaldi als Freiwilliger für Griechenland gekämpft hat, berichtet. Auch Frankreich kann mit Stolz auf einen solchen Sohn Hinweisen, der sich gleichfalls in die von Ricciotti Garibaldi gebildete Freiwilligen-Legion aufnehmen ließ und der dann an allen Schlachten, die geschlagen wurden, heldenmüthig theilnahm. Derselbe heißt Josef Marcon B a r u ch, ist ein überzeugungstreuer Jude, der im Gegensätze zu einigen anderen Freiwilligen, die ihren jüdischen Glauben verschwiegen, seinen Commandanten und seinen Commilitonen offen eingestand, daß er ein Israelit sei, und so wie er bereit ist, für Griechenland zu kämpfen und zu sterben, so werde er eines Tages auch bereit sein, für sein Vaterland ins Feld zu ziehen und dort zu sterben. Rußland. § Riga, 22. August. Herr Stephani, Sekretär des in London bestehenden Vereins zur Unterstützung armer jüdischer Reisender und Auswanderer veröffentlicht jetzt in einigen russischen Blättern den auch an dieser Stelle zum Abdruck gebrachten Aufruf an unsere Glaubensgenoffen im russischen Reiche und Polen, in dem er sie davor warnt, nach der englichen Monopole zu kommen, in der Hoffnung, man werde ihnen dort die Reisemittel verschaffen, um nach Amerika auswandern und sich an ihre dort schon befindlichen Anverwandten anschließen zu können. Die Mittel dieses Vereins gestatten ihm nicht mehr, solche Auswanderer wie in den früheren Jahren gehörig zu unterstützen und müßten daher Viele noch von London aus mit getäuschten Hoffnungen wieder in ihre Heimath zurückkehren. Dieser Aufruf hat nicht verfehlt, die Juden Rußlands in Trauer zu versetzen, da ihnen so wieder eine Unterstützungsquelle zugefchüttet wurde. Viele jüdische Familien im russischen Reiche, die schon entschlossen waren, gleich nach den hohen jüdigen Feiertagen nach der neuen Welt auszuwandern, muffen nun ihre Reisepläne wieder fallen laffen. Spanien. ** Madrid. Vor 400 Jahren war Spanien ein blühendes, reiches Land, 1492 wurden 300 000 Juden ihres Vermögens beraubt und grausam von Haus und Hof verjagt; seitdem ist Spanien krank. Die Vertreibung geschah am Tifch'oh b' Ao. Als wir am letzten Tifch'oh b' Av, am Sonntag den 8. August auch über dieses Ereigniß trauerten, wurde in einem spanischen Badeorte der spanische Ministerpräsident von einem Meuchelmörder erschossen hauptsächlich deshalb, weil er unschuldige Menschen, die beschuldigt wurden, an einem Bombenattentat theilgenommen zu haben, Monate lang einsperren, auf die fürchterlichste Weise foltern und dann hinrichten ließ. Die Welt ist verroht —*• es wird nicht eher besser, als bis sie in jeglicher Hinsicht allgemeine Menschenliebe übt, dann wird die Rohheit und Lieblosigkeit zurückgedrängt werden. Amerika. ** Montreal. (Der Königlich Englische Gouverneur eröffnet die Rabbiner-Conf e r e n z.) Dieses Jahr fand die amerikanische Rabbiner-Conferenz in Montreal, auf englischem Gebiete statt. Seine Hoheit Sir Chapleau, Gouverneur der Provinz Quebeck, der Repräsentant der Königin, erschien mit seinen höchsten Beamten und Adjutanten, mit dem Stern seines Amtes und dem Orden seiner hohen Würde auf der Brust, ganz nach den Regeln der englischen Etiquette. Als der Gesang verklungen und das Gebet gesprochen war, erhob sich der Gouverneur der Provinz — aller Augen sind auf den hohen Staatsmann gerichtet — und mit kräftiger und wohlklingender Stimme spricht er zum Präsidenten und dann zu den Mitgliedern der Conferenz ein herzliches Willkommen im Namen der ihm anvertrauten Provinz Quebeck und führt dann in einem Strome goldener unvergeßlicher Worte aus, wie er und alle Mitbürger sich freuen, daß die Conferenz dieses Land und diese Stadt mit ihrer Gegenwart beehrt und ihm die Gelegenheit geboten ist, diesem Körper und dem jüdischen Glauben als Entgelt seine Hochachtung aussprechen zu können. Ganz in demselben Tone sprachen nach dem Herren Gouverneur mehrere seiner