Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1897)
- Date
- 1897-09-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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*- 2?^?PWW!SWN?HrM^Z> 1368 rSnderter Gemälde, aber in der halben Finsterniß verschwimmen die Farben und Umrisse der Gestalten. Aber halt, dicht am Boden stehen noch andere kleine Gemälde, ein» neben dem andern. Da» Auge erkennt jetzt die Bedeutung de» einen Bildes. Ein nackter Knabe liegt aus dem Tisch und Männer mit langen Bärten und anerkannt jüdischem Typus machen sich an ihm zu schaffen. Eine Frage an den Kirchendiener, und ich vernehme, daß ich in der Kapelle des hl. Simon von Trient bin, den die Juden 1475 ermordet haben sollen. Sämmtliche Gemälde der prächtigen Kapelle sind diesem vermeintlichen Ritualmorv gewidmet; ans dem Altar selbst steht eine Nachbildung des kleinen Knaben in Lebensgröße. Der Kirchendiener hat heute seinen freundlichen Tag. Er sängt an zu plaudern. Und nun ist er sogar bereit, alle Reliquien zu zeigen, die die Kapelle aufbewahrt. Er schließt einen kostbaren Schrank auf und bringt zuerst einen Glasbe- Hölter hervor, der auf geschmücktem Untersatz ruht. Unter der schlanken Glashülle ist das „Ritualmesser" aufgerichtet zu sehen, mit dem Juden das Kind gequält haben sollen. Eine zweite Glaskapsel, auch prächtig geschmückt, stellt sich daneben auf. Geronnene» schwarzes Blut füllt die Hälfte des Raumes an. Immer mehr Reliquien erscheinen, zuletzt ein großer schwarzer Keffet, in dem das Christenkind bei seiner Peinigung gelegen haben soll. Da» spärliche Licht gleitet über die schweigsamen Reste einer historischen Mythe, und einförmig plaudert der Diener seine italienische Erklärung herunter. Er hat nie etwas davon gehört, daß die Folter im ersten Prozeß 1475 die seitens der Untersuchenden verlangten, aber unwahren Geständniffe erpreßt hat. In dem 1476 in Trient und Roveredo (durch den vom Papst als Untersuchungsrichter bestellten Bischof von Bentimiglia) geführten zweiten Prozesse wurden die Juden freigesprochen, nachdem der Christ Zanesus sich zum Morde bekannt hatte. In dem in Rom 1477/78 verhandelten dritten Prozesse handelte es sich nicht um die Blutbeschuldigung oder um die Kanonisirung, sondern nur um die Frage, ob der 1475 in Trient verhandelte erste Prozeß formell regulär (rite et reete) geführt wurde. Um des Ansehens des Bischofs von Trient willen wurde diese Frage bejaht mit der Begründung: Zanesus habe sich zwar 1476 als Mörder bekannt, aber das konnte der Trienter Bischof 1475 noch nicht wissen (Urkunde vom 20. Juni 1478). Als die Trientiner Geistlichkeit bei Sixtus V die Heiligsprechung nachsuchte, behauptete sie nur, daß Simon „zur Verspottung Christi" von Juden getötet worden sei, sprach aber kein Wort von einem „Ritualmord." Man weiß auch, daß Sixtus V. in der Kanonisirungsurkunde mit keinem Worte erwähnt, daß Simon von den Juden ermordet wurde, geschweige denn, daß ein „Ritualmord" vorliege. Freilich, der brave Kirchendiener weiß das alles nicht. Wie soll er nicht an Mythen glauben, wenn er die „Zeugen" täglich hinter Schloß und Riegel sieht? . . . Frankreich. ** Paris, 20. Sluguft. Herr Clermortt-Ganneau verlas vor einigen Tagen, wie den „Münchener Neuesten Nachrichten" geschrieben wird, in der Sitzung der Academie des inscriptions et belles lettres eine Studie über die wahrscheinliche Stätte der Gräber Davids und der jüdischen Könige. Bekanntlich hat dieses interessanteste Problem der jüdischen Geschichte und der hebräischen Archäologie noch immer nicht die sehnlichst erwartete Lösung gesunden. Die ehemals von Herrn de Saulcy gepredigte Lösung, der zusolge die königliche Nekropole in der Kohen-el Moluk im Norden von Jerusalem zu erblicken ist, kann nicht mehr aufrecht erhalten werden, führte der Vortragende zuerst aus. Dieses seltsame Grabmal im römischgriechischen Styl ist wahrscheinlich da» der Königin Helene von Abadiene und hat Nichts mit dem der jüdischen Könige zu schaffen. Herr Clermont-Ganneau sprach daher sein Bedauern darüber aus, daß die französische Regierung durch die Annahme der Schenkung dieses Grabmales durch einen reichen Privatmann eine Doktrin weihe, die eine wahre historische Ketzerei bilde; die Akademie müsse daher auf ihre Autorität in diesen Fragen sich stützend einschreiten, um eine Aenderung der Inschrift dieses Monumentes, das man „die Gräber der jüdischen Könige" benannt habe, herbeizuführen. Der Vortragende brachte darauf eine Menge historischer Beweise und vorzüglich genaue Studien eines unterirdischen Aquädukts von 500 Metern Länge, der, wie eine hebräische Inschrift in phönizischen Charakteren an dessen Ausgang beweist, in den Felsen unter dem Hügel Ophel zur Zeit des Königs Zacknas gegraben wurde, für die These zur Geltung, daß die Grabmäler der jüdischen Könige in oder an diesem Aquädukt zu suchen seien. Diese Wasserleitung nämlich, die einen wahren Tunnel bildet, beschreibt in ihrem südlichen Theile einen ungeheuren rechtwinkligen Umweg, für den sich bisher keine Erklärung hat finden lassen. Herr Clermont- Ganneau sucht zu beweisen, daß dieser Umweg nothwendig war, um nicht aus die jüdischen Königsgräber zu stoßen, die sich in der Tiefe des Hügels befanden. Dieser Jnduktionsbeweis gestattet, genau das Terrain zu bestimmen, das man in Angriff nehmen müßte, um den geheimnisvollen Eingang zu der Nekropole frei- ^ulegen, in der die Körper Davids, Salomons und der meisten ihrer Nachfolger beigesetzt sind. Dieser Eingang, der bisher allen Nachforschungen sich entzogen hat, müßte dem französischen Gelehrten zufolge