Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1897)
- Date
- 1897-09-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXVIH, Jahrgang. Zweite Beilage ju J\s 70 -es JtatBtttt“. Zeitungsnachrichten und Eorresporrderrzeir Deutschland. ** Berlin, 2tt. August. Eine „Deutsche Palästina- und Orient-Gesellschaft" hat sich in Berlin, den „Alldeutsch. Bläkt." zufolge, gebildet. Ihre Hauptleitung wird von Angehörigen des Bankhauses von der Heydt u. Co. zu Berlin geführt. Gegenstand des Unternehniens ist die Förderung der deutschen und wirtschaftlichen Interessen in Palästina und dem Orient und der Betrieb aller hiermit in Zusammetchang stehenden Geschäfte, irrsbesondere der Erwerb, die Zerlegung und Bewirthschaftung von Grundstücken, der Betrieb von Bank- und Handelsgeschäften, namentlich zwischen Deutschland und den: Orient, sowie die Errichtung und Unterstützung von gewerblichen und dem Verkehr dienenden Anlagen und Betrieben aller Art. Die „Alld. Bl." bemerken dazu: „Es ist ein weites Feld, das sich die Gesellschaft gesteckt hat, auf dem sich schöne Erfolge erzielen lassen; wie nothwendig aber ein solches Unternehmen ist, erhellt unter anderem daraus, daß von Konftautinopel bis Alerandrien kein einziges größeres Bankhaus besteht, durch das man Geld ohne englische oder französische Verniittelung direkt nach Deutschland senden oder von da beziehen könnte.' Die Gesellschaft hat daher zunächst ein deutsches Bankgeschäft in Jerusalem errichtet, um unsere zahlreichen und bereits bewährten Landsleute im Orient durch Herstellung einer gesicherten Verbindung mit deutschen Kapitalkräften zu fördern und dadurch auch dem Handel und Unternehmungsgeist der Deutschen in der Heimath neue Bahnen zu erschließen. Die sorgfältig geführten Vorarbeiten sind nunmehr beendet; erfahrene und landeskundige Mitarbeiter sind gewonnen, und so ist das Unternehmen denn ins Leben getreten, dem wir das beste Gedeihen wünschen, dem wir auch wünschen, daß es eine recht starke Betheiligung aus den Kreisen der nationalgesinnten Wohlhabenden finden möge. Wir wollen daher noch bemerken, daß der Geschäftsantheil mindestens 500 Mark beträgt, und jede Nachschußverbindlichkeit ausgeschlossen ist." O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. § Satoralya Uyhely, 22. August. Gestern, Sabbat, Nachmittags ist hier der Rabbinatsverweser der hiesigen orthodoxen Gemeinde, Rabbi Simcha Knopfler, nach kurzem Leiden im hohen Alter von achtzig Jahren gestorben. Der Verstorbene gehörte zu den ersten Talmud-Celebritäten Ungarns, wie er sich auch sonst durch seinen frommen Lebenswandel auszeichnete. Das Begräbniß fand schon heute statt und war dasselbe ein diesem Frommen würdiges. An seiner Bahre wurden sechs Trauerreden (v'ivvn) gehalten. Hoffen wir, daß die hiesige orthodoxe Gemeinde bestrebt sein wird, einen würdigen Nachfolger für den Heimgegangenen zu finden, und daß dessen so plötzlich verwaister Platz wieder gehörig besetzt sein werde. .s'v'n pp*? ibivb non no^tr nmjo inrroo nn Schweiz. ** Zürich. Die ersten Israeliten in der Schweiz. In der Stadtchronik der „Z. Post" findet sich folgende Notiz: „Der Geschichtsschreiber Joh. Guter sagt in seiner rätischen Chronik, gleich nach der Belagerung Jerusalems seien etliche Juden in das helvetische Land gekommen und hätten sich niedergelassen. Urkunden über den frühesten Aufenthalt von Juden auf unserm Boden giebt es erst vom 13. Jahrhundert an. Das älteste Dokument in der Richtung ist der Züricher Richterbrief, dessen Original noch vorhanden ist, und der wohl kurz nach dem Jahre 1300 angefertigt worden sein mag. Zweifellos hielten sich schon vorher Juden in Zürich aus. Sodann hat man eine Urkunde von 1318, nach welcher Herzog Johannes von Troppau, Hofrichter des römischen Königs Wenzel, einen Streit zwischen Zürich und einigen Inden entschied; er drehte sich nur eine Forderung von mindestens 20 000 Gulden. Bei feiner Ankunft, wie bei seinem Wegzug hatte der Jude der Stadt eine Abgabe zu zahlen; auch hatte er für obrigkeitlichen Schutz eine Steuer zu erlegen. Durfte er freilich das Haus bewohnen, das er kaufte, (es erscheint schon 1311 ein jüdisches Haus im Rennweg), so wohnte er und seine Glaubensgenossen doch meistens enger beisammen; wir finden sie im 14. Jahrhundert in der Brunngasse, die damals Judengasse hieß. Dort befand sich auch die große Synagoge, eine zweite dürfte in der Marktgasse gewesen sein. Italien. ** Trient Ein Correspondent der „Allgemeinen Israelitischen Wochenschrift" kam gelegentlich einer Reise nach Italien, auch nach Trient. Er besuchte daselbst die Kirche San Pietro. Zur Linken befindet sich eine hohe geräumige Kapelle, prächtiger und reicher ausgestattet als die eigentliche Kirche. Die Dämmerung zieht ihre trüben Schleier und durch gewölbte Fenster fällt schwaches Licht. Rings um den mächtigen Altar hängen eine Anzahl goldum-