Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1897)
- Date
- 1897-09-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1360 Programm fei ferner ein Sicherheitsventil gegen Antisemitismus und Judenelend im Osten. Für die westlichen Zionisten fei die Aufgabe jüdische Beschichte und Literatur. Hauptaufgabe sei aber neue Anhänger zu erwerben. Jeder Zionist habe da» Recht, fich durch Delegtrte vertreten zu lasten. Kommisstonen seien zu errichten für: a) Agitation; b) diplomatisch-finanzielle Organisation; e) Kolonisation. Da» LentralkomUee bestimme den Ort des Kongresses, wähle Vertrauensmänner zur Leitung der Verhandlungen mit dem Sultan und zur Regelung der finanziellen Berhältniste. Die Einführung des Jubeljahres nach Prof. Schapira erscheine ihm nach den Erfahrungen der Freilandkolonie gewagt. Cr lehne sich hierin an Dr. Herzl an. Zur Agitation sollen Wanderlehrer die Länder durchziehen und die Leute über den Zionismus aufklären. In jedem Lande seieu Zeitungen zu gründen, Broschüren zu vertheilen, Dereine zu errichten (auch Turnvereine). Die Hauptsache sei und bleibe aber die persönliche Agitation. So solle jeder seine Kraft rinsetzen und das Beispiel der Eidgenossen, auf deren Boden man stehe, der Männer vom Rutli, die sich die Freiheit errungen, nachahmen, dann werde auch der Sieg nicht fehlen. Damit war um 1 Uhr die Sitzung geschlossen. Zweiter SttzungStag Nachmittag. Die Sitzung wurde durch Herrn D r. Herz! eröffnet. Dr. Blumenfeld begründet seinen Antrag auf Drucklegung des Programmes und der dazu nöthlgen Aufklärungen. Der Antrag wird nach kurzer Debatte insoweit angenommen, daß zwar daS Programm gedruckt, dies aber ohne Hinzufügung der Motive geschehe. ES ergreift daS Wort Architekt Marmore! (Wien). Am Kernpunkt unserer Berathung stehen wir. Wir wissen, Judennolh besteht, Organisation ist nöthig. Reserrnt bittet, feine Anträge anzunehmen. Hinsichtlich der Organisation weist Redner aus die Socialdemokraten hin, deren Mitteln wir, wenn wir auch mit ihren Principien nicht übereingimmen, Nachfolgen können. Da auf den Schultern der wenigen zu viel liegt, wird es nöthig sein, LandeScomiteeS, LommifstoNtN zu ernennen, die dem nächsten Congreß ihre Resultate vorlegen werden. Redner führt des weiteren aus, daß diese EomilreS sich mit der Parteiorganisation, mit Presse, Agitation re. beschäftigen sollen, auf Angnffe in feindlichen Blättern (Beifall) antworten sollen. Aus Furcht zuviel Zeit zu verlieren, geht Redner nicht ins Detail und bittet, seine Anträge en bloc anzunehmen. Nach längerer DiScussion, woran sich Kaminka — Prag, der die M ar m ore k'scheu Anträge für verfrüht hält, W o l f s o h n—Köln, der CommisstonSberatdung durch 7 Mitglieder verlangt, b theUigrn u. A, meint Schacht— Frankfurt, daß nicht genug demokratisch vorgegangen werde. Wir wollen nicht Einzelheiten, aber in großen Zügen ein Programm haben, den Schwerpunkt auf die Agitation legen damit wir statt der '/«Millionen bald 7 Millionen Juden hinter uns haben. Besonders auf die Jugend müsse man mit Litteratur, Schriften ic einwirken (Beifall-. Rach weiterer Diskussion bei Betheiligung vonBodeneimer, Herz!, Schnierer, Ehrenpreis, andau, Färb st ein über den W o l s s o h n 'scheu Antrag meint Marmorek: Nähere Entwürfe werden erst dem nächsten Congreß vorliegen. Eine jüdische Volk-' zählung soll von den «Gemeinden veranstaltet werden. Er bittet Antrag W o l f s o h n anzunehmen, um weiter zu kommen (Bravo». Nach vielem unfruchtbaren Reden spricht Steiner (Architekt) Wien: Daß Sie gut reden, habe» Sie uns bewiesen, aber diese Beweisführung hat uns sehr viel Zeit gekostet. Man setze diese Frage ab, es handelt sich ja nur um die Wahl einer Commission, die ein Elaborat vorbererten und dann dem Congreß zur Durchberathung vorlegen soll- Alle Vorschläge sollen im kommenden Jahre geprüft und dann von der großen Commission dem nächsten Congresse vorgelegt werden. Schluß der Debatte und zu allgemeiner Beruhigung '/«Stunde Pause. In dieser sollen sich die Russen über die Angrlegrnhrit orientiren und nach Wiederau'nahme der Sitzung verliest Student M o tz k i aus Berlin den Antrag : Unser Hauptziel ist die Wahl eines CentralbureauS. Die Organisation eines jeden Landes muß mit Rücksicht auf die dortigen Verhältnisse eingerichtet werden- Dr. Herz! will demnach über die verschiedenen, inssondere über den Wolfsohn'schm Antrag abstimmen lassen. Da entspinnt sich Diskussion über die Frage, wie die Abstimmung über die Wahl der Mitglieder in die Commission sein soll, die nach Herzl zu einer Prinzipienfrage wird. Der Antrag durch indUekle. geheime Wahl mittelst Stimmzettel fällt, weil zu zeitraubend, natürlich ohne Vorbehalt für spätere evl. Abstimmungen. ES läuft ein Antrag Worte in ein, nach Völkern abzustimmen. Dr. Herzl erklärt es für wichtig, 5^ Minuten Pause eintreten zu lassen, in der die einzelnen Volker (Zuruf: wir find ja ein Volk). Dr. Herzl meint: Völker bedeuten nur, woher wir kommen, wohin wir gehen, darüber sind wir ja einig; und zwar soll die Commission auS zwei Deutschen, drei Oesterreichern, drei Russen, ein Rumäne und ein Bulgare, ein Engländer und einem Amerikaner bestehen; dabei stände jedoch den Einzelnen die Wahl ihrer Vertreter natürlich ganz und gar frei Nach Verlauf der Pause verliest Dr. Herzl die Namen der gewählten Congreßmitglieder: zwar wollten sich di« Engländer erst ausschließen, da nach ihrer Ansicht die Verthetlung n cht nach richtigen Verhältnissen. doch da die Korporation nur einen focmativen Charakter trägt, betheitigen auch sie sich. Die Herren, welche in die Commission ge wählt, sind: Bodenheimer, Birnbaum —Deutschland, Rose n b er g-A m e r i ka . D r. H a a s-England, PineleS und Bietkowoki für Rumänen und Bulgarien. Darauf spricht Kohan Bernstein, der darauf hinweist, wie das jüdische Volk sich ungeachtet des 1000jährigen Druckes auf so hoher Stufe erhalten. Redner plaidirt dafür, bei den Juden ihr Interesse für ihre Geschichte und Literatur zu beleben. Er geht dann auf die ColonisationSversuche ein, deren Fehler eS war, daß sie nur in beschränkten Kreisen wirkten und wirken konnten Ohne Wille des Sultans kann Palästina nicht gewonnen werden. Dann nimmt Herr Mos? 8 auS Kattow tz daS Wort, beginnt je ne Rede mit dem Motto: „Hilf Dir selbst, so hilft dir Gott" und geht auf die finanzielle Seite e«n zum Punkt b) der Tagesordnung der zionistischen Organisation, legt dar, wie durch Genossenschaften ic. ein Nationalfonds gegründet, wie durch Spar> inlangen dazu beigetragen, wie Kinder dazu angehalten werden sollen zu sparen und für die Verwirklichung des Zionismus benutzt werden sollen Neben Purimfeiern sollen auch an anderen frohen Festen, wie Chanukka und Sukkoh Gelder gesammelt werden und auch in diesem Punkte soll eine rührige Agitation entfaltet werden. Wir müssen und können unsere Ziele erreichen. Dazu gab uns der Allgütige seinen Segen. Ein Gott, ein Volk, ein Reich. (Sehr großer Beifall.) Darauf schließt Dr. Herzl die Sitzung, läßt noch die Präsenzliste verlesen, die ca. 204 Delegrrte ergiebt. Schluß der Sitzung 7'/, Uhr.