Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1897)
- Date
- 1897-09-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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»^SJ^vrr3jR».i r-t--JTty» -r^rT-ggr^s^jp fr/.]^ 1352 des rtepw wsn. Es darf dem Richter nicht genügen, daß er klar darüber ist, wie das Gesetz der Thora bei einem etwa vorliegenden Fall das Urtheil vorschreibt, er muß auch genau die Aussagen der Parteien prüfen, ob der Rechtsfall wirklich so liegt, wie er glaubt. Das doppelte p“« fordert nicht nur auf, sich in das Gesetzbuch zu vertiefen, es verlangt ebenso gebieterisch auch die Worte des Klägers und des Angeklagten gründlich zu prüfen. Und alle diese Erklärungen, Auffassungen und Deutungen sind richtig. Es gibt nur eine Gerechtigkeit, wie es nur eine Wahrheit gibt. Wenn ein Urtheil in einer bestimmten Form gerecht ist, dann kann in derselben Sache kein anderes davon abweichendes Urtheil richtig sein. Der Richter, der nach dem Gesetze der Thora zu urtheilen hat, ist vor anderen Richtern, die Gesetzbücher haben, die von Menschen verfaßt sind, im Vortheil. Das Gesetz, welches vom himmlischen Gesetzgeber stammt, ist absolut gerecht. Die Aufgabe ist nun, in der Weise Recht zu sprechen, wie es in der Absicht des heiligen, unfehlbaren Gesetzgebers liegt, rrcpix n p'-n -hk „Gerecht ist Gott, Gerechtigkeit liebt er." In der deutschen Sprache kennen wir die Mehrzahl „Gerechtigkeiten" nicht, wir übersetzen deshalb mit der Einzahl. Die Bedeutung des np-ix ist dieselbe wie die des p~x pix. Es gibt nur eine Gerechtigkeit, doch nimmt sie verschiedene Formen an. Oft liegt sie im strengen Recht, oft aber auch in der Versöhnung und dem Vergleich. Alle Faktoren, die beim Rechtsspruch mithelfen, müssen ihr dienen; der ehrliche Wille des Mannes, der zum Richter bestimrnt ist, reicht nicht aus. Die Behörden, die den Richter auswählen, die Parteien, die ihn anffnchen, haben darauf zu achten, daß der Rechtfprechende seines hohen Amtes würdig ist und Fähigkeit für dasselbe besitzt. Um nun zum Richteramt fähig zu sein, geniigt es nicht, daß inan das Gesetz gründlich kennt, man muß dasselbe auch anwenden können, und dieses ist nur möglich, wenn man auch in der Seele der Menschen zu lesen versteht und genau weiß, was die Parteien sagen und was sie wollen. Um Mitglied des großen Synhedrion zu werden, mußte man nicht nur reichste Gesetzeskenntniß besitzen: es wurde verlangt, daß die Mitglieder dieses obersten Gerichtshofs viele Sprachen verstanden, um ohne die verwirrende Hülfe eines Dolmetsch selbst jedes einzelne Wort in den Angaben auch der Ausländer, die vor ihrem Forum Recht suchten, beurtheilen und prüfen zu können. Wenri David den gerechten Gott preisen will, der die Gerechtigkeit liebt, begnügt er sich nicht mit der Einzahl des Wortes np-iat; mit der Mehrzahl npix will er uns deutlich machen, daß er nicht eine einseitige Gerechtigkeit meint, welche den Menschen zwar vollkommen gerecht erscheint, in Wahrheit aber es nicht ist. Rur eine solche Gerechtigkeit liebt Gott, zu welcher man gelangt, wenn alle Betheiligten die zahlreichen und vielgestaltigen Bedingungen für dieselbe getreulich befolgt haben. Das heißt das np-x im 11. Psalm, und dem Psalmisten folgend wählt auch unsere Boraita diese Form, wenn sie sagen will, daß die Liebe zur wahren Gerechtigkeit für den Jünger der Thora nöthig ist. Es bedarf nicht vieler Worte um zu erläutern, wie die Liebe zu der allseitigeu Gerechtigkeit, wie wir sie geschildert haben, den Schüler dazu führt die Thora VoUtommcn zu erwerben. Gründliche Renntniß des Gesetzes ist unentbehrlich, um ein gerechtes Urtheil zu erzielen. Die Liebe zur Gerechtigkeit wird also ein Sporn für ihn sein, sich in das Studium zu vertiefen. Die Rücksicht aus die Parteien und das Verständniß ihrer Angaben wird ihn dazu bringen, Menschen und Leben kennen zu lernen und er wird es erreichen, daß es ihm leicht wird die Vorschriften unserer Lehre richtig und sicher aus das praktische Leben anzuwenden. Vielleicht läßt es sich auch hieraus verstehen, daß die Schüler, welche in mehrfacher Reihe vor den Mitgliedern des Synhedrion saßen, oft als Preis für ihr Eingreifen in die Gerichtsverhandlung in den Halbkreis der Meister ausgenommen wurden. So wurde bekanntlich R. Jochanan b. Sakkai Mitglied des Synhedrion, weil es ihm gelungen war, bei einem Mordprozeß die an klagendcn Zeugen in einen Widerspruch zu verwickeln. War in diesem Falle nicht seine Anerkennung als Meister unb Lehrer geradezu eine Belohnung dafür, daß er iip-ixn r,smx war und durch Umsicht und Scharfsinn seine Liebe jur Gerechtigkeit bewies? Es erübrigt uns noch eine weitere Erklärung zu dem Verse -_-r p-n p-x und damit auch zit den: besprochenett Psalmverse und dem r-p^xn .7» srrx unserer Boraita zu geben, eine Erklärung, die sich in beit Schöiltot des R. Achai Gaon finbct. Wennzwei Parteien kommen, w ungefähr heißt es dort, und Vorbringen was sic vorzubringen haben unb der Eine gewinnt den Prozeß; dann machen sie eine Aussage in Bezug auf eine neue Streitsache und derjenige, der soeben seinen Prozeß gewonnen hat, in wieder im Recht. So darf der Richter nicht sagen, e§ genügt, wenn er einmal den Prozeß gewonnen hat, rch will ihn jetzt verurtheilcn, damit der Zweite sich nicht allzusehr kränke. Rein, bei jeder Sache wo du siehst, daß er im Recht ist, mußt du ihn sreisprechen und ein wahres Urtheil fällen, wie ge geschrieben steht 7-7-7 pnx p7\\ Diesen Gedanken, daß der Richter sich in keiner Weise durch Gefühlsregungen und Mitleid beinflussen lassen darf, und wie er der Menschheit gerade durch unparteiischen Spruch die größte Wohlthat erweist, führt auch der Midrasch Rabba zu unserer Sidra aus. Rab Juda glaubte das np-ir xetrc ns*-v, welches von David erzählt wird, damii erklären zu müssen, daß der große König in der Weise Milde