Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1897)
- Date
- 1897-09-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVIU. Jahrgang. ^■70 Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orlhodore ZudenIHum. Begründet von Dr ITcfMnctun in Wlttinz Donnerstag, den 2. Septemver 5657 (18S7). Leitender Artikel. Sprüche der Wäter. Sechstes Buch. XXVI. Mainz, 1. Sept. mpnsfn nx nm«. „Der die Gerechtigkeit liebt." Manche Erklärer nehmen das Wort mp-iir in der Bedeutung von Wohlthaten, Wohlthun. Wir glauben, daß diejenigen im Recht sind, die darin die Mehrzahl von np-ire „Gerechtigkeit" sehen und sind der Ansicht, daß unsere Boraita diesen Ausdruck in Anlehnung an Psalm 11, 7 gewählt hat, wo es heißt pnst '2 io’jö NN' isp' nnx mpnx 'N „Denn gerecht ist der Ewige, Gerechtigkeit liebt er, auf den Redlichen blickt sein Antlitz." Es folgt wohl deßhalb auch auf anw mp-istn ns in der Boraita ans^on n» ams. Die Mehrzahl mpis erklärt sich ähnlich, wie der Talmud, Midrasch und Die Erklärer den Vers unserer Sidra 'M pnL p-nr verstanden wiffen wollen. Es ist schwer gerecht zu urtheilen, schwer ein vollkommen gerechtes Uriheil zu erlangen. Die Gerechtigkeit mußt du verfolgen mit Ansdauer und Umsicht. Dem fliehenden Feinde gleich der jedes mögliche Mittel ergreift, um sich deinem Machtbereich zu entziehen, erscheine dir die Gerechtigkeit im Bewußtsein der Unzulänglichkeit und der Schwäche des menschlichen Denkens. Argwöhne stets, daß du dich täuschen könntest, daß das Richtige dir verhüllt sei, greife, wie der Verfolger zu den verschiedenartigsten Mitteln, um dein hohes Ziel zu erreichen. Der Richter ist nicht dazu da, um stets zu verurtheilen. Das Wort P"rc st ht doppelt in dem Verse unserer Sidra, zunächst nispsb -7NM pnb nnx. Oft hat man durch ein Urtheil der Gerechtigkeit genug gethan, oft aber fordert gerade die Gerechtigkeit, daß man durch einen weisen Vergleich beiden Parteien das giebt, was ihnen zukommt. Zwei Schiffe begegnen sich an einer engen Stelle im Strom, wenn beide die Fahrt sortsetzen, so zerschellen beide; bleibt eines geduldig zurück, so fahren beide unversehrt hindurch. Zwei beladene Kameele stehen sich vor einem Engpaß im steilen Gebirge gegenüber, setzen beide den Aufstieg fort, so werden sie beide abftürzen; steigt dasjenige, das eine geringere Last trägt oder das näher zum Thale ist, um auszuweichen, wieder in die Ebene hinab, so werden beide den Berg erklimmen. An diesen Beispielen zeigt die Gemara in Sanhedrin dem Richter, daß es in vielen Fällen, zum Besten beider Parteien seine Pflicht ist, dieselben vor Beginn des Prozesses zum Nachgeben und zur Versöhnung zu bewegen. Die Gemara z. St. und ähnlich der Sifre setzen die Erklärung des sjmr put pix fort, indem sie sagen n Tn -ins nen rn *inx “j^n -nrbx '“i bv Ta -inxi ran „Gehe zum angesehensten Gerichtshof, zum Gerichtshof des R. Jochanan ben Sakkai und zum Gerichtshof des R. Elieser." Nach der herrlichen Deutung des Ramban sagt uns näinlich das doppelte pix, daß nicht nur der Richter die Gerechtigkeit erstreben soll, sondern daß auch die Parteien sich um einen möglichst guten Rechtsspruch zu bemühen haben, indem sie die besten Richter aufsuchen. Von den Auffassungen der Erklärer wollen wir nur Folgendes erwähnen: R. Obadja Siporno erblickte in der Verdoppelung des ptt eine Mahnung an die Behörden, gerechte Richter anzustellen. R. Bechai knüpft daran die Aufforderung für jeden Einzelnen, nicht nur in der That, sondern auch in der Rede gerecht zu sein. Dann auch rufe dieser Schriftvers uns zu: Suche ein gerechtes Urtheil zu erlangen ohne Rücksicht darauf, ob dir dieses zum Schaden oder Nutzen gereiche. Geistvoll erklärt der Verfasser