Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 69 (30.8.1897)
- Date
- 1897-08-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1345 ben haben sie verloren und nur die Geduld darin geübt, jedes Leiden zu ertragen, weil sie darin eine Schickung des strafenden und lebendigen Gottes erblicken, ihre Hoffnung auf den Messias haben sie verloren. Mvnclk suchen sich d ska b dinch F ttcht ans dein Iudkiis lhum zu ictt». freilich der RoffevoiüisetmliSmrts löst ihnen dielen Reitlings; lav anLsichilos e scheinen Es ist ja auch kck'ic Empfehlung für die Ucker tckeitden, die doch meist Ungläubige H:. b, das; sie mit einer gotteslästerlichen L ü n e ' tt dtc christliche Gemeinschaft ciirtreten. (Anhalt-nder stürmischer Be fall.) Aus ihnen erwächst eine teile Art Marannenthum: aber v-rschied, u von jenem fpanisch II. Jenes hotck doch einen jdea!eu Zug von geheimer Sehnsucht, von bitterer Rni--. Tie neuen Maraniun scheide» tu t G'imm und Btrbiiternng in ihrem Htrpu; wenn auch ihnen selbst verborgen, tragen sie auch ihte eigene Ent edtigung, llnihtlichteit, den Hast, der sie zur Lüge gezwungen, dem Ehckstenihum nach zBeitoll). Vlir graut vor der tünfligen Entwickelung dieüs Geichlecvtes, das sittlich vo» keiner Uebeckieferung gehalteit wird, dessen Gemiith veigist'l von Feinds-ligkei' gegen e g«ins und fremdes Blrkt. dessen Selbstachtung zeisiö't 'ist, welches das immer gegenwärtige Bewußtsein einer fundamen» loten Lüge hat. Das ist das Gesicht Israels am Ausgange des 19. Jahrhnndrris. In kurzen Worten : unser Stamm ist ein Stamm voit gecchtesen Bettlern; auschlägiger und fleißiger als der Durchschnitt der europäischen Böller, steht er sich zum äußersten Prolotaeckrelend veruckheil:, weil er seine Klüfte nicht frei gebrauchen kann. Und doch ist er ein Gesellschaflswesen Wie kein anderes: er, dun sein Glauben es als verdienstvolles Weit anrechnkt zu Di eien zu speisen und zu 10 zu bcken, wird von der normalen Gesellschaft zurückgestoßen. Mau klagt ihn der Bordriuglichklit on und er strebt dock nach Ueberlegniheit, nur wckl ihm Gleichheck versagt wird. Man beschuldigt ihn des Znsammengelörigskeitsgefühls mit allen Inden der Erde und sein größtes Unglück st, daß er bei der Emane palion die Zusantmeugehörtgtiimit den Juden mit der letz en Spur autzgetessen, um Raum ui sch affe tt für leine allein herrschenden Landsleute. Bom Hagel antisim-liich-r Ankligett gelrosfen, hört ui,Ni ihn inurme,» : „ich muß von dem Feinde lernen und die Gebiechen heilen" und dobe' be tnft er n-cht, daß die Beschu-digungen nicht von der Kritik eilig« geben sind, sondern der Ausstiiß des Gesetzes, das Kinder, Astlde imd boshafte Thoren für ihre Leiden verantivorrlich macherr läßt, gegen die sie Widernillen »mvsinden. Das Bild wäre nicht vollständig gewesen, wenn ich nicht noch einen Zug beifügte. Eine Sage, air die > rüste rurd gebildete Männer glauben, wird den Inden immer wieder entgegengehalten: die Juden besäst, ii alle Macht und Herrscha", all-- Reichthiimer. Ja geheim- »ißvoUe Machthaber sind sie, die nichl ,inmal die Macht hab,n, >h,e Glaubef.sgettoss.it gegen den atabischen Bökel zu schuß v, diese Reichen, von detteidie M,htzah> keitieu St-tn hat, >hr Hatipi hinztilegen, das ist ein Hohn der hivzu-rill lind Gisl iräuseli tu die Wut de, die der Haß geschlagen. l<s ist ja richtig: es giebt einige Hundert Ueberreiche bei uns. Aber was bat Israel mit diesen Leuten zu lhun, deren große Mehrheit die niedrigsten Naturen der Iudenbeil in sich begreift, Nein, das Indenthuin Hillels, Iehuda ben Halevns und Heines kennt diese Goldproyeu nicht, die verachten, was tvir hoch halten. In einer vollständig normalen Iudengesellschast nehmen diele Leute die alterunterste Stufe ein, niemals hätt<n sie Adelstitel und Orden bekommen, mit denen sie die christliche Gesellschaft auszeichnet. (Stürmischer Applatts.) *) *) Ntit diesen excentrischcn Gedanken kamt sich doch wohl nur der Haß unb flieid des Armen gegen den Reichen befreunden. Red. d. Ist. > Die wahren Zwecke des Zionismus sind, diese nie zu haben und sie werden auch nie zu haben sein. Die meisten von ihnen verlassen das Judenthum und wir wünschen ihnen Glück aus die Reise (Beifall). Wir beklagen, daß sie aus jüdischeitt Blute entstammen, wenn auch nur aus dem Bodensätze- Die Judennoth kann Niemanden gleichgültig lassen, auch die Christen nicht. Sie ist auch eine Gefahr für Bölker und Regierungen. Gewisse kleine Lebewesen an freier Luft werden zu furchtbaren Krankheitserregern wenn man ihnen den Sauerstoff entzieht. Die Regierungen sollten sich bedenken uns zu anaerocdischen Wesen zu macken, uns durch unwürdige Behandlung zu verbittern, und durch Verbitterung sie zu Feinden alles Bestehenden zu machen. Daß die Judennoth nach Abhilfe schreit, haben wir gesehen, diese zu finden ist die Aufgabe des Congresses. Nun tt etc ich das Wort an meine Mitberichterstatter ab. die es im Einzelnen weiter aussühren werden. (Lauter, laug aithaltender Beifall). T je Rede des Herrn Dr. Nordau wurde von den Zuhöretu, aut die sie einen tieien Eindruck machte, mit lautem Beifall ausgenommen. Herr Architekt OSkar Marmore? aus Wien stellte den Antrag, die Reden der Herren Herzl und Nordau im Sonderdruck zu veröffentlichen. Ttotz den Einwanden des Herrn Dr. Herzl, daß die ganzen Bet Handlungen im Druck erscheinen werden, wurde dieser Antrag angenomnien. Dann folgten die statistischen Belege zur Rede deS Herrn Dr. Nordau in den Refe-ateit des Herrn Dr. Salz über Galizien, Mr. Josef de Haas (London) über England (verdeutscht von Heirn Dr. Nordau) Bahar (Tunis) über Algerien uitd Pineles über Rumänien. Herr D r. Salz referirt über die Lage der Juden in Galicien, über die Verdächtigungen, denen der galicische Jude bei seinen Standesgenossen angerichtet ist. Redner giebt statistische Belege über die Bildungsverhältnisse Berufszweize rc. an. Daraus spricht M r. Josef de Haas, London über die englischen Jaden, weist auf deu Einfluß hin, den Montesiore, Salomon, Rothtchi d auf die englische Politik anSgeübt, größeveu Einfluß als die h-uligen emancipirten Juden. Bahar fpricht über die Juden in Algier, die noch nichts von der zionistischen Bewegung wissen, sie aber mit Freuden begrüßen w-rden. P i n e l e s spricht über Rumänien und die dortigen Juden, die jetzt auch zu leiden habetl, betont auch, daß die Juden besser sind, als ihr Ruf. (Schluß der VormiitagSsitzung.) Erster Sitzungstag, Nachmittags 3 Uhr. Die Sitzung wird eröffnet durch eine rhetorisch wie inhaltlich vollendete Rede des Herrn Dr.Mintz aus Wien über die Lage der Inden in Oesterreich; er schilderte die Zitstände in Wien seit der Wahl Lueger's, das schmähliche Verhalten der Juden, die noch immer auf Besserung hoffen, auf Ungarn als Lieblingsargument Hinweisen und doch fängt auch hier der Antisemitismus schon an. Dr. Ebener referirt über die „Juden in Bukowina", dem einstigen Eldorado der Juden. Redner weist auf die elenden Zustände in Czernowitz, wo jetzt dem Jude überall Haß und Verachtung trifft. Jungen Studenten wird die Wahl zwischen Taufe und Hunger gestellt und, von Roth getrieben, taufen sich immer mehr.