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Der Israelit · 1897-08-30 · Heft 69 (30.8.1897) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 69 (30.8.1897)
Date
1897-08-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1346 Dr. Schauer-Bingen will in seinem Referate den Eindruck der Nordau'schen Rede über die allgemeine Lage der Juden nicht schwächen, zumal das von Nordau entworfene Bild genau auf deutsche Verhältnisse paßt. Aber einen Punkt hebt er mit kurzen treffenden Worten hervor, die geringe Kenntniß jüdischen Wissens unter den deutschen Juden. Vor ein paar Tagen erst hat eine Statistik in Berlin gezeigt, daß in Berlin 1400 jüdische Kinder — eine erschreckende Anzahl — ohne Religions-Unterricht aufwächst und ihre Kenntniß dann aus den Schriften der Gegner zieht. Dafür wollen wir deutschen Zionisten wirken, schließt Redner, daß sie ihre glorreiche Vergangenheit kennen, daß sie sich der Worte des alten Mattisjahu erinnern: „Gedenket der Tage Eurer Väter.so werdet Ihr unvergänglichen Ruhm und Rainen erringen". Dann spricht Professor Bielkowsky über Bulgarien und die dortige Lage der Juden, er zeigt, daß in diesem jüngsten Staate auch nur papierene Gleichberechtigung sei, daß dort auch der Zionismus mit großen Hoffnungen begrüßt wird. Dr. Ronay aus Ungarn sagt, wenn auch Ungarn noch gegenwärtig der Fels in der Flut, so werden doch auch die ungarischen Juden sich der zionistischen Bewegung freudig anschließen, sie werden palästinensische Staatsbürger werden, wie sie heute ungarische sind, dabei aber für Ungarn immer treue und dankbare Gesinnung bewahren. Adam Rofenberg aus New-Aork stellt kurz die Zustände in Amerika dar, die eigentlich den englischen entsprechen, wenn auch durch die neuerlichen Einwanderungen polnisch-russicher Juden ein Arbeiterproletariat entstanden und unter den jetzigen amerikanischen Juden, von der 1 Million etwa 25 Proz. Sehnsucht nach dem alten gelobten Lande empfinden; wenn wir Zinonisten so weiter arbeiten, steht $u hoffen, daß auch die anderen 75 Proz. uns zufallen werden. Zum Schlüße weift Redner noch auf Vereine jüdischer Frauen hin, die sich von Rabbinern Vorträge über jüdische Geschichte und Litteratur halten lassen. Redner schließt mit dem Wunsche „leschono habo bijeruschelajim". Dr. Nordau bittet, die gehörten Berichte anzunehmen und folgenden Landau-Werner'schen Antrag zu billigen: 1. zur Verwirklichung der Congreßziele eine Aufstellung der Berufsstatistik der Juden für nothwendig zu erklären. 2. dazu einen Arbeitsausschuß in den Residenzen der einzelnen Länder einzusetzen mit näherer Ausführung. 3. um weitere Kreise zu interessieren, ein Preisausschreiben dafür zu veranstalten. Nach Begründung des Antrages durch Dr. Landau wird nach längerer Debatte ein Antrag Kaminka angenommen, daß vor der Abstimmung über diese Vorschläge erst die Referate über die „zionistische Organisation" angehört werden sollen. Dr. Birnbaum (lebhaft begrüßt) entwickelt in längerer Rede, daß die Juden in der europäischen Kulturwell eine Anomalie bilden, sie begeben sich ihrer Kultur, ohne die andere anzunehmen, und bilden daher eine Sonderexistenz. Redner geht auf die Assimilationsversuche ein, auf das widerliche Schauspiel der Taufmaskeraden, wie sich der Antisemitismus erhebt, der aber garnicht dazu kommt die Judenfrage zu lösen. Die Judenfrage eristirt nur f ü r u n s, wir müssen eine Bewegung einlenken und das istnuraus zionistischemWegemögl i ch durch die Erhebung der Juden zu einem Volke. Man hört oft mit großem Gelehrtenapplaus behaupten, der Zionismus sei durch den Antisemitismus begründet und hänge von dessen Gnade gewissermaßen ab. Aber man m iß bedenken, jede Bewegung hat Ursache und Veranlassung. Das zionistische Streben existirt schon lange, doch konnte kein Hoffen auf Gelingen sein, solange ein Volk fehlte, das stark wollte. Das kennt man in Ghetto nicht, da giebt es nur ein Sehnen. Erst als das Volk zu wollen lernte, war die Bahn für den Zionismus geebnet (Beifall) jetzt ist's nur eine Frage der Zeit, wann es sich losringen wird. Redner geht näher auf die wirthschaftlichen Verhältnisse der Juden ein, daß die Anomalie in dem Mangel eines eigenen Landes bestehe, daß damit den Juden die wirthschaftliche Stütze fehlt. Ein Ausgleich der Lebensgewohnheiten zwischen Oft — und Westjuden würde in kurzer Zeit eintreten, und ein Kulturgewinn sich ergeben. Wir wollen keine Kulturmisstonäre sein, aber wir glauben, der Nutzen der mit der erstrebten Erlösung unseres Volkes verbundenen Erfolge wäre eine ungeheurer. Die Juden brauchen ein Land, sie müssen eins haben und werden es auch ohne Zweifel besitzen. Warunt aber gerade Palästina? Man kann sich zur Begründung dieser Wahl durch das Gefühl leiten lasset! und auch nüchterne Verstandsmenschen werden diese Gefühle, die bei den Juden für Palästina leben, nicht verwerfen dürfen. Aber prüfen muß man immerhin, ob dieses Land sich für unsere Zwecke eignet. Aber nun zeigt sich, daß Palästina gerade dazu geschaffen ist, eine festhaltende Kraft auf die Juden auszuüben, sie solange dort hinzuhalten, bis sie eine Kulturnation geworden. Die Zionsgefühle werden verhindern, daß die Juden sich nach den Fleischtöpfen Egyptens zurücksehnen. (Beifall). Daher ist Palästina das einzige in Betracht kommende Land, es tvird zum Bindeglied werden zwischen östlicher und westlicher Kultur, durch seine Lage sowohl als auch durch seine Geschichte, auch ist unser Volk zur Vermittelung des Oft und

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