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Der Israelit · 1897-08-30 · Heft 69 (30.8.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 69 (30.8.1897)
Date
1897-08-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1340 ein, als orthodox gelten zu wollen, und was er durch seine Veröffentlichungen zu erreichen wünscht, hat IheilS mit dem orthodoxen Jurenthume gar nichts zu lhun, zum Theile aber ist es diesem und seinen Prinzipien geradezu zuwiderlaufend. Ja, noch mehr; er versteht cs als wahrer nnw ivbo diese Wünsche so einzukleiven, daß sie dem orthodoxen Judenthume gefährlich werden könnten. Als Beleg will ich hier nur eine Stelle aus dem „Gebweiler Kreisblatt" v. Donnerstag den 24. Juni wörtlich anführen: „Die Liberalen dürfen ferner verlangen, daß man Gebete in der Landessprache einführe für das Gedeihen neugeborener Kinder, für Knaben am Tage ihrer Konfirmation, für Neuvermählte. Und damit können auch die Konservativen einverstanden sein. Wenn Civis in demselben Artikel ferner verlangt: „daß man endlich eine Seelenfeier für die Borstorbenen einführe am Versöhnungstage", so kann ich das auch nicht gerade orthodox und für das traditionelle Juventhum so ersprießlich finden. Sie haben, geehrter Herr Redacteur, von diesen Stellen offenbar nicht gewußt, als Sie im „Israelit" Nr. 64 offen erklärten: ,^daß Herr Civis und nicht Herr Dr. Goldstein der Vertreter der gerechten Sache ist." Was werden all diejenigen dazu sagen, die den Civis kennen und seine Wünsche in der ^Straßburger Post" und dem „Gebweiler Kreisblatt" gelesen haben? Erstaunlich ist es, daß diejenigen, die Sie zu dieser Bemerkung veranlaßt haben, diese Stellen der Oivis=2lttifel in ihrem im „Israelit" Nr. 64 veröffentlichten Briefen todtschweigen und nur all das hervorheben, was sich recht unschuldig anhörl. Herr Dr. Goldstein wollte durch seinen Artikel im „Israelit" hauptsächlich veranlaßen, daß man Wünsche und Beschwerden innerhalb des Judenthums in jüdischen Zeitungen und nicht in politischen veröffentlichen solle, um dadurch einem nwn vorzubeugen und hat, wie ich Sie versichern kann, von diesem Schreiben an Sie keine Kenntniß. Daß es es einem Manne, wie Herr Dr. G. der nWn or lernt, jeden Montag und Donnerstag fastet, ein immenser min p und wirklicher pnx ist, nicht angenehm sein kann, in dem Centralorgan des orthodoxen Judenthums angegriffen zu werden, können Sie sich, Herr Redacteur, denken. Ich bitte Sie also, in Erwägung der erwähnten Thatsachen die Behauptung, daß der Civis und sticht Dr. Goldstein der Vertreter der gerechten Sache sei, freundlich wiederrufen zu wollen! Thun Sie dies, um einem gekränkten n*rn p Genugthuung zu verschaffen; aber auch um all diejenigen, die die Civis- Wünsche im Original gelesen haben und über Ihren Artikel in Nr. 64 Ihres gesch. Blattes sehr erstaunt sein mögcn, zu befriedigen! *) *) Es sind uns noch mehrere Zuschriften aus Mutzig und Umgegend zugegangen, die sich in ähnlichem Sinne äußer». Red. d. JSr. Oe st e rr.-Un gar. Monarchie. $ Budapest, 24. August. Wie das „Amtsblatt" meldet, hat ein gewisser Abraham Kohn seinen Namen magyarisiren lasten und nennt sich jetzt Abraham Kun. Also, des Namens Kohn, hat sich dieser tapfere Magyar geschämt, jetzt aber, da er Kun heißt, ist er vollauf befriedigt. Nun sollte er noch seinen jüdischen Namen Abraham mit dem türkischen Ibrahim vertauschen, und Herr Ibrahim Kun würde auch von Schönerer zu einem echten Arier erklärt werden. Frankreich.? Paris. Innerhalb der jüdischen Kreise unserer Stadt wird stark ein Projekt diskutirt, das sich mit der Gründung eines jüdischen Lyceums befaßt. Die Befürworter dieses Projektes, und ihre Zahl ist sehr groß, begründen ihre Zustimnlung erstens damit, daß in einer solchen Schule die jüdischen Kinder ohne Schwierigkeit den Sabbat halten können. Außerdem fände der Antisemitismus ungleich weniger Nahrung, wen»! die jüdischen Kinder nicht bereits auf der Schule den Neid der christlichen Kinder erwecken würden. Auch die Gegner des Projektes muffen beide Momente zugeben und nehmen Anstoß ausschließlich an den Kosten. — Ein interessanter Zwischenfall ist dem Correspondenten des „Pais" passirt, als er jetzt die Erlaubniß nachsuchte, den Präsidenten Faure auf seiner Reise nach Petersburg zu begleiten. Der gute Mann führt den dtamen ßaumauu und unter diesem Namen witterte die russische Gesandschaft einen verkappten Juden und wollte ihm daher nicht die nothwendigen Papiere ausstellen, bevor er durch Vorlegung seines Taufscheines den Beweis erbracht habe. Vermischtes. Belgard Am 27. v. Mts. feierte das Hirsch Wolframm'sche Ehepaar dahier, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Der Mann, 73 Jahre alt, ist noch rüstig, dagegen hat die Frau, 81 Jahre alt, schon seit 20 Jahren ihr Augen» licht verloren. Von Sr. Majestät erhielten dieselben ein ansehnliches Geldgeschenk, welches ihnen durch den Beamten der Gemeinde überreicht wurde. L. Feuilleton. Pas verlorene Lsrog. 2) Von Paul Magnus. jAlle Rechte Vorbehalten! Der Gottesdienst nahtll seinen Anfang und R. Anschel verrichtete sei« Gebet mit derselben Andacht wie sonst. Der fatale Zwischenfall konnte ihm seine Seelenruhe nicht rauben. Anders Fräulein Lina. Ihr kam R. Anschel nicht aus dem Sinn und

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