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Der Israelit · 1897-08-30 · Heft 69 (30.8.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 69 (30.8.1897)
Date
1897-08-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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WMVMD'HPR »'* jjyrr^»» .Tw^ynn y<y?gg>'»^OigF.r?nBj 1336 es den Rabbinen nicht ganz gleichgiltig sein kann. Wenn das aber ungeachtet des „gehobenen" Gottesdienstes und der schönsten Predigt n das Resultat ist, dann must man zugestehen, daß Synagoge und Rabbiner alle und jede Macht, jeden Einfluß auf ihre Gemeinde verloren haben, so daß schließlich den Rabbinen der Glaube an ihre Thätigkeit schwindet. Aeusterlich sind sie wohl die Repräsentanten ihrer NeligionSgemeinde, aber nach Innen, in ihrer Gemeinde selbst, stehen sie isolirt. Warum sie nicht den Muth finden, das jüdische Leben zu vertheidigen, für größere Gesetzestreue, einzutreten? Weil sie wisien, daß man nicht aus sie hört, daß es einfach zu spät ist, das Erstorbene wieoer ins Leben zu rufen; weil ferner ihrerseits der ganze Werth und die ganze Bedeutung auf die Errungenschaften der Neuzeit, auf die moderne Richtung gelegt wurde, weil sie selbst mitgewirkt haben, sie aut geheißen haben und sich scheuten, ihren Gemeinden vom jüdischen Leben zu sprechen, von dem alten Judenthum, das von uns in der Beobachtung der Gesetze unserer Religion gepflegt werden mufj. „Es hätte ja doch nichts gefruchtet," sagt man. — Das ist ein Fehler, ein unverzeihlicher Irrthum. Wer an Besserung verzweifelt, der will und kann nicht helfen, der hat kein Vertrauen zu seiner Gemeinde, zu seinem Volke, zu sich selbst, hat kein Vertrauen zu seiner Religion und zu seim'm Gotte. Man meint immer, man must auf zeitgemäße Weise, nach und nach in unserem Volke das Bewußtsein wecken, daß itnn der religiöse Sinn und das religiöse Leben fehlt, muß mit guten Worten es bessern und zurückführen zum jüdischen Leben. Wer aber verspricht sich heutzutage davon eine Besserung? „Pflege der jüdischen Literatur" soll eines der Heilmittel sein, von dem man sich viel verspricht. Die jüdische Literatur ist ein Zweig derWisienschaft. Für den Laien,auch den gebildeten, mag wohl ein momentanes Jntereye, aber auch nicht mehr, dabei herauskommen. Aber dadurch, und seien es die schönsten und begeistertsten Vorträge, echtes jüdisches Julcresfi für jüdisches Leben und Wisien in größerenr Maststabe hervorzurufen, wird sich kaum jemand ciubilven. Wenn inan in Bezug aus Religion erst wieder bei den ersten Anfangsgründen und ersten Begriffen beginnen must, da gibt es nur eine Quelle, das ist das Studium und das Eindringen in den Geist nuferer Thauroh, die für Kind und Greis verständlich Einfaches und Erhabenes bietet und wovon inan ein gutes Resultat erhoffen kann. Hand in Hand mit der Lehre muß aber das Leben gehen. Mehr wie jede andere ist die jüdische Religion eine Religion der That, da sie alle Lebensfragen, alle Lebensschritte und Lebensziele berührt und umfaßt. Man hat heutzutage das jüdische Gesetz, die jüdische Morallehre, die jüdische Religion vertheidigt gegen antisemitische Angriffe. Und gegen das moderne religionslose Judenthum soll man nickt ebenso offen und muthig unser Heiligstes zu vertheidigen wagen!? Würden die Rabbiner Deutschlands in ihrer Mehrzahl offen und ehrlich und entschieden Front machen gegen diesen modernen verderblichen, alles Judenthum untergrabenden Geist, gegen diesen bösen Geist, der seit fast einem Jahrhundert die höchste Wahrheit zu verneinen sich bestrebt; würden ste geschloffen einstehen für jüdisches Leben nach dem Gesetze unserer heiligen Religion: sie würden sich wundern über den Beifall und den Anklang, den sie finden würden. Denn Tausende von Summen kommen nicht zur Geltung, weil sie unterdrückt werden, weil sie sich vereinsamt und verlasien fühlen, weil sie keine Führer haben, an die sie sich anschließen, durch die sie geschützt und gestützt werden. Wir wissen, daß zu einem solchen! Schritt ein ziemlich Therl Muth gehört. Ist cs aber ernst gemeint mit der „Hebung des religiösen Sinnes und Lebens in der Judcnheit," dann muß den Worten die entsprechende Thar folgen, muß der unumstößliche Beweis geliefert werden, daß endlich der tiefbedauerliche Verfall des religiösen Lebens im Judenthume allgemein anerkannt und kräftig dagegen angekämpft wird. Wir wollen es als ein gutes Symptom unserer Zeit auffasien, daß auch von vielen Rabbinen in modernen Gemeinden endlich offen zugestanden wird, daß es im Judenthume nicht bester geworden, daß die bisherigen Mittel ihren Zweck ganz und gar verfehlt haben. Wir erblicken darin einen ersten, zaghaften Schritt, der aber hoffentlich immer energischer und fester sich auswächst. Dr. H. S. Zionisten Songreß*) Sten ogr. Original-Bericht f. d. „Js rael it." Basel, 29. August. Erster Sitzvngstag, Vormittags 9 Uhr. Unter zahlreichem Andrang des Publikums, Juden wie Nichtjudcn, fand heute Morgen um 9 Uhr im Casino» saal die Eröffnung des Zronistenkongresses statt. Etwa 200 Vertreter sind erschienen, der Mehrzahl nach Ocsterreichcr und Russen, doch auchssolchc aus allen andern *) Unsere verehrten Leser kennen unseren Standpunkt in Bezug aus den Zionismus, wir haben denselben erst jüngst in unserem Leitartikel in Nr. 50 (Zionismus und Zion) scharf heroorgehoben. Mit der Wiedergabe des obigen Berichtes erfüllen wir ausschließlich die journalistische Pflicht, den Leser über alle bedeutenderen Vorgänge innerhalb des Judenthums schnell und zuverlässig in Kenntniß zu setzen. Red. des Israelit.

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