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Der Israelit · 1897-08-30 · Heft 69 (30.8.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 69 (30.8.1897)
Date
1897-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1337 Ländern, wie ja Ihr geschätztes Blatt bereits berichtet. Auch die Namen der markantesten Persönlichkeiten des Kongresses sind Ihren Lesern schon bekannt, so daß eine Auszählung unnölyig erscheint. Seit ca. 6 Tagen war hier ein Bureau zur Erledigung der Vorarbeiten und nöthiacn Anordnungen errichtet, dem seitens des Regierungsrathes des Kantons Baselstadt in entgegenkommender Weise die Räume gratis zur Verfügung gestellt waren. Das aufgestellte Arbeitsprogramm für die drei Sitzungstage lautet: Arbeits-Programm und Geschäfts-Ordnung des Zio nisten-Congresses in Basel anr 29 , 30. u. 31 August 1897: Erster Tag, 29. August. I Sittzung, Beginn 9 Uhr Vormittags. Constituirung: a) Eröffnung des Congresses durch den Alterpräsidenten, b) Begrüßungsrede von Dr. Th. Herzl. e) Wahl des Bureaus, bestehend aus einem Präsidenten, einem General-Secretär und einer noch zu bestimmenden Anzahl von Vorsitzenden und Schristführeln d) Verlesung des Einlaufes. Tagesordnung: Erster Punkt. Die Allgemeine Lage der Juden. Referent Dr M. Nord au. Zweiter Punkt. Begründung des Zionistischen Programms. Referenten Dr. N. Birnbaum und Dr D Färb stein. Erster Tag, II. Sitzung, Beginn 3 Uhr Nachmittags. Tagesordnung: Dritter Punkt. Die Zionistische Organisation. Reserent Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer. a) Centralisation der Zionistischen Thätigkeit.!>) National fonds. c) Agitation. Zweiter Tag, 30. August. III Sitzung, Beginn 9 Uhr Vormittags. Tagesordnung: Fortsetzung der Referate und Debatten über den dritten Punkt. Zweiter Tag, IV. Sitzung, Beginn 3 Uhr Nachmittag. Tagesordnung; Vierter Punkt Die Kolonisation Palästinas. Referent Dr M T. Schnirer. a) Landankanf. b) Gründung neuer Eolonieu. c) Ausbildung von Kolonisten, d) Import und Export e) Kulturelle?. Dritter Tag, 31 August, V. Sitzung, Beginn 9 Uhr Vormittags. Tagesordnung: Fünfter Punkt. Hebräische Literatur. Referent Dr. M. Ehrenpreis. Dritter Tag, VI. Sitzung, Beginn 3 Uhr Nachmittags. Tagesordnung: Sechster Punkt. Bestimmung des nächsten Congreßortes und Einsetzung eines Bureaus. Siebenter Punkt. Kongreßabschied mit Resumirung der Beschlüsse. Fast alle jüdischen Zeitungen sind durch Redakteure oder Spezialkorrespondenten vertreten, viele Schweizer Blätter, alle Baseler Zeitungen, „Gazette de Lausanne" und „Bund". Von deutschen: die „Kölnische Zeitung" und österreichische Zeitungen. Als Alterspräsident eröffnet Herr Dr. Lippe aus Jassy die Verhandlungen mit einer begeisterten Rede, in der er darauf hinweist, wie er vor 17 Jahren dazu aufgcfordert, fiU die Juden in ihren Bedrängnissen zu agitiren, wie er mit einigen Freunden sich dafür interessirt, wie größere Versuche geplant worden, wie anders es aber jetzt sei unter Führung eines Dr. Herzl und Nord au (Beifall) die Gesammtjudenheit sich dafür interessirt, welcher Sprung von Jassy nach Basel. Er weist auf die Geschichte der Juden hin, auf ihre Befreiung aus Aegypten mit dem Schwerte in der Hand, aus die Wanderung der Inden aus Babulon, wo sie auch nicht die verheißene Befreiung abwarteten, sondern selbst die Gelegenheit, die sich ihnen zur Befreiung bot, ergriffen. Er weift auf die Schwierigkeit hin. die man jetzt, wo die Juden Unterthanen der verschiedensten Länder sind, sich bietet» Unterthanen eines Landes zu werden. Aber wir können erwarten, daß der Sultan uns entgegentommen wird. Redner geht noch ausiührlicher auf den Geist des Judeuthums, auf die Assimilirungssähigkeit, auf seine Mission ein, doch war seine begeisteite, heftige, übersprudelnde Rebe den Jou'nalisten kaum verständlich Hieraus nimmt das Wort Herr Dr. Herzl aus Wien in folgender Begrüßungsrede: Geehrter Kongreß! Als einer der Einberufer des Kongresses beehre ich mich, Sie zu begrüßen, aber nur mit kurzen Worten, um nicht dem Kongreß die kostbare Zeit, die er zu seinen Arbeiten gebraucht, zu entziehen. Wir wollen den Grundstein legen zu dem Hause, das unsere Nation beherbergen soll. Nur in einfachsten Worten brauchen wir zu sprechen In diesen 3 Tagen wollen wir eine Uebersicht über die Gesammtlage der Juden in den verschiedenen Staaten gewinnen. Sie alle wisse», daß unsere Lage mit wenigen Ausnahmen eine unerträgliche ist, denn sonst würden wir uns kaum zusammei.finden. Die Gemeinsamkeit unserer Geschicke hat uns zusammengeführt. Erst in unserer Zeit ist die Möglichkeit einer Verständigung durch den ausgedehnten Verkehr gegeben. In unserer Zeit fühlen wir uns alle umgeben von Haß und Antisemitismus. Der erste Eindruck bei den Juden war Uebcrraschung, Schmerz, Zorn, unsere Gegner wissen vielleicht nicht, wie tief sie uns getroffen haben, und zwar gerade die, welche sie nicht in erster Linie verletzen wollten, grade die Modernen, dem Ghetto entwach senen Juden. Wir wollen nicht an die Thränendrüsen unserer Gegner appellieren (Beifall), wir sind über uns und unser Verhalten einig. Man war von jeher schlecht über uns unterrichtet. Das Gefühl unserer Zusammengehörigkeit war in Auflösung begriffen, als der Antisemitismus anfing. Da entstand der Zionismus, der die Rückkehr zum Judenthum noch vor der Rückkehr ins Judenland bedeutet (Großer Beifall'. Wir hei ngekehrten Söhne finden im Vaterhanse manches, was der Besserung bedarf, man heißt uns rvillkommen, weil wir nicht am Bewährten rütteln wollten. (Großer Beifall ) Schon hat der Zionismus etwas Wunderbares zu Stande gebracht, die enge Verbindung der modernen Juden mit den conservativen (Beifall). Da sich dieses Ereigniß ohne Koncessionen an den Intellekt vollzogen hat, ist es ein Beweis für das VolkSthum der Juden (Beifall). Ein solcher Zusammenschluß ist nur möglich auf Grundlage einer Nation. Wir wünschen nicht etwa einen int.-rnationalen Verein, sondern nur eine I n st i t u t i o n. Dieser U verschied legitim et die Einberufung eines Con gresseS unter voUstündiger Kontrolle der öffentlichen Meinung (Beifall.) E.n Erfolg ist es schon, wrnn wir die Judenfrage zu einer Zionistensrage gestalten werden. (Großer Be.fall. Eine Volksbewegung war voa v elen Seiten angefacht worden, auch auf geistigem Gebiete, wo nur keinen Fußbreit der Errungenschaften der Kulten aufgeben wollen. .DaS geistige Leben unter den Juden läßt weniger zu wünsche» übrig als daS köiperliche, daher die Colonisa ionSbestrebnngen, von der wir mit Dankbarkeit sprechen. Aver daS ist nur daS erste vom Zionismus, nicht das Letzte (großer Beifall), dieses muß größer f in, wenn eS überhaupt etwas sein soll. Ein Volk muß sich selbst helfen, kann es daS nicht, so ist ihm nicht zu helfen (Anhaltender Beifall). Wir wollen zur Selbsthilfe anregeu, aber keine ungesunden Hoffnungen wecken, daher kann der Congreß nur nützen durch öffentliches, rückhaltloses Ausreden. Auch das Vertrauen der Regierung läßc sich nur durch offene- Vorgehen erreichen. Die Vortheile die eiu ganzes Volk als Gegenleistung zu bieten vermag, sind so, daß mit genüge idem Ernste vorgegangen werden kann. Nur das ist festzuhalten, die sBasiS dazu kann > ur ein Zustand des Rechtes und nicht der Duldung sein. (Frenetischer Beifall.) Bon Toleranz und Schutz auf Widerruf haben wir nachgrade genug. Unsere Bewegung hat dann nur einen Zweck, wenn öffentliche rechtliche Garant'een geleistet werden. Dre Kolonisation hat daL erreicht, was sie erreiche,, konnre. sie hat d e Tauglichkeit der Juden zum Arbeiten bewiesen, ab r die Endlöjung kann sie nicht sein (ßcifaü), sie hat einen bleibenden Anklang nicht gefunden. Die Juden sind gute

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