Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 68 (26.8.1897)
- Date
- 1897-08-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1320 schiedenheit von Theilen der Verdauungsorgane, welche vom Talmud als bestimmende Merkmale aufgestellt werden. — Diese vom Talmud herangezogenen Charakterzeichen weisen bei den verschiedenen Vögel eine ebenso große Veränderlichkeit auf, wie bei den Säugethieren selbst. So bemerkte schon Buffon: „Wenn wir einen Vergleich zwischen den Vögeln und den Vierfüßlern aufstellen, finden wir mehrere Uebereinsümmungen, welche auf die Einheitlichkeit eines allgemeinen Naturplanes führt. Es gibt unter den Vögeln, wie bei den vierfüßigen Thieren fleifchfrtsfende Arten und andere, welchen Fisib, Früchte, Körner un) Pflanzen zu ihrer Nahrung genügen. Diejenigen, welche fleischfressend find, haben einfachen Magen und kürzere Därme, als diejenigen, welche sich von Körnern oder Früchten nähren. Der Kropf von letzteren, welcher öfters den Fleischfressenden fehlt, entspricht dem Panzen der Wiederkäuer." Neben zwei Merkmalen, welche sich durch den verschiedenen Gebrauch der Füße ergeben, beruht die Systematik des Talmuds eben auf den oben angeführten Theilen der Verdauungswerkzeuge: Kropf und Magen. Wie Buffon und eine ganze Reihe anderer Forscher*) durch die Gleichheit der Formationen bei Säugethieren und Vögeln die Einheitlichkeit eines Naturplans erkennen, so kann der Bibelforscher nicht umhin eben dieselbe Einheitlichkeit bei dem Gesetzgeber vorauszusetzen. Hier wie dort, bei den Vögeln wie bei den Thieren, wird durch gleiche Merkmale die Lebensweise unterschiedeneben dieselben Merkmale werden bei Thier und Vogel als Reinheitszeichen aufgestellt und nach deren Verhältniß die Reinheit oder Unreinheit bestimmt. Die nrn hatte bei den genießbaren Thieren ihre Merkmale bei Verdauungsorganen und bei den Füßen festgestellt, auch bei den Vögeln konnten also die Charakterzeichen nur bei den gleichen Körperteilen bestimmt werden; daher der in der Mifchna aufgestellte Lehrsatz: o'ean man bzx nwu sb -rvn xvv nrn bz, doch mit der weiter angeführten Deutung von Abaja: vhx mn nana /tprvD *)öxj xb onwo na-io. Die in der Thora nur angedeuteten Erkennungszeichen der Vögel, haben durch die Weisen die nothwendige Erläuterung erhallen. *) Jsidore Geoffroy, St. Hilaire. Esaais de Zoologie Generale. Art. Huite de composition organiqne. Zeitungsnachrichten nud «Korrespondenzen. Deutschland. ** Berlin, 21. August. Ueber die Ausschreitungen, die am Donnerstag in Pilsen stattfanden, verlautet dem öffiziösen Draht zufolge aus Wien „authentisch": Ein deutscher Student der Medizin Namens Hartmann, Israelit, schlug den böhmischen Studenten Schmidt, der mit anderen Personen am Ringplatze stand, gestern Abend mit einem Stock. Schmidt behauptet, er habe über das Tricoloreband, welches Hartmann trug, gelächelt, worauf dieser ihn mit dem Stocke schlug. Hartmann behauptet, drei bis vier Personen wollten ihm das Band entreißen, weshalb er sich mit dem Stocke vertheidigt habe. Hartmann versteckte sich in der Apotheke, vor der sich sofort eine Menschenmenge ansammelte und wartete, bis die Polizei Hartmann herausbrachte. Die Polizei, die selbst mißhandelt wurde, vermochte Hartmann nur mit Mühe zu schützen und brachte ihn auf das Rathhaus. Auf der Straße wiederholten sich die Ausschreitungen, die hauptsächlich gegen die Israeliten gerichtet waren. Auch in mehreren anderen Straßen sammelten sich Menschenmengen an, von der Reichsstraße zog ein großer Trupp nach der Ressource und dem Deutschen Haus. Der Leiter der Bezirkshauptmannschaft reguirirte hierauf eine Compagnie Soldaten, welche die Straßen räumte beziehungsweise absperrte. Rach 9 Uhr Abends trat Ruhe ein, wozu der Regen viel beitrug. In der Staatsrealschule, in der Synagoge und in einigen kleineren Wirthshäusern, die Israeliten gehören, sind die Fensterscheiben eingeschlagen worden. Gegen eine Wiederholung der Ausschreitungen sind umfassende Vorkehrungsmaßregeln getroffen. ** München, 20. August. (Ce nt rum und Antisemiten.) Die bayerische (antisemitische) Volkspartei hatte durch Ingenieur Wengg (München) an Dr. Heim die schriftliche Anfrage richten lassen, ob er ihr Programm anerkenne; bejahenden Falles würden ihre Anhänger in Weiden und "Neustadt a. d. W.-N. keine eigene Kandidatur aufstellen. In einer Versammlung des Centrumswahlvereins Weiden, in der „Dr. Heim von 150 Vertrauensmännern des ganzen Wahlkreises einstimmig als Landtagskandidat ausgestellt wurde", erörterte nun, wie die „Amb. Volksztg." berichtet, Dr. Heim dieses Programm, „das sich in nicht wenigen Punkten mit jenem des Centrums deckt. In der Frage der Stellung der Juden unter ein Fremdengesetz ist er, wie in einigen anderen Punkten, gegentheiliger Ueberzeugung. Die Versammlung ermächtigt Dr. Heim, diese theilweise zustimmende, theilweise ablehnende Stellung Herrn Wengg zu notifiziren." Wie das gleiche Blatt mittheilt, bedient sich Dr. Heim bei seinen Agitationswanderungen des Velozipeds, „auf welchem er eine wahre Meisterschaft bekundet." Er bezeichnet das Fahrrad, so weit es nur dem Luxus und Sport diene, als ergiebiges Steuerobjekt, falls einmal eine neue Steuernovelle eingebracht werden müßte.