Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 68 (26.8.1897)
- Date
- 1897-08-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXX VHI. Jahrgang. Erste Keilagr M M 68 des „3srnfUt“. Leitender Artikel •D’«DD"1 msiy Eine wissenschaftliche Abhandlung über talmudische Systematik und Namen der bibl. Vögel von I. Gugenheim, Rabbiner in Saar Union. Abschnitt I., Fortsetzung. — Geschichtliches. — Das Ausstetten der vier Cyaratterzeichen zur Bestimmung der Vögel. IV. Aber auch in diesem Jahrhundert, wo die wissenschaftliche Ornithologie immerhin Hilfsmittel in Fülle bietet, entbehren wir die zielbewußten Untersuchungen über Die biblisch unreinen Vögel. Daß Einzige, was aus diesem Gebiet erschienen, ist die Zoologie des TalmuVs von Levylohn, eine wegen des Leichtsinns, mit welchem er jedem im Talmud vorkommendem Vogel einen Namen beilegte, überraschende Arbeit. — Er stempelt z. B. den Papagei zum reinen Vogel, ohne sich der Mischna zu erinnern, die alle Klettervögel (scansores. Hurley) als unreine bezeichnet. Weiter weist er eine Eulenart und den Kuckuk zu den reinen Vögeln und so weiter, die ganze Abhandlung hinditrch. Dies Alles nur aus purer Ignoranz, sowohl in talmudischer, als auch in zoologischer Beziehung. — Der talmudischen Systematik geschieht in seinem Werke keine Erwähnung. — Eine „Zoologie of the Bilde" von H. Cvultas, London 1876, bleibt noch zu erwähnen, als das Einzige was in diesem Jahrhundert erschienen ist; doch wußte ich dies Werk nicht zu finden, um darüber zu urtheilen oder eventl. es bei meiner Arbeit zu benutzen. Das Werk befindet sich nicht in der K. Universität-Bibliothek in Straßburg. Wohl durch beit Umstand, daß während dieser Zeit nicht eine einzige bedeutendere Arbeit erschien, die sich auf das im Talmud angehäuste zoologische Material bezieht, kam V. Earus in seinem Werke: „Die Geschichte der Zoologie bis auf I. Müller und CH. Darwin" 1872 zu der vernichtenden, — doch sehr irrigen Behauptung, „die Semiten haben hierin nichts geleistet." — Derselbe Autor drückt, ohne Ahnung von den reich sprudelnden Quellen des Talmuds, im gleichen Werke den Wunsch aus, daß „eine neue gewissenhafte, die neuesten Eroberungen der Wissenschaft berücksichtigende Bearbeitung der in der Bibel vorkommenden Vogelnamen vorgenommen werden möge." Hat nun die von vielen Gesichtspunkten aus erwünschte Kenntniß der Vogelnamen in der Bibel während des zu Ende gehenden Jahrhunderts auf keinerlei Weise eine direkte Förderung erfahren, so sind andere nicht zu unterschätzende Quellen desto reichlicher geflossen. So wurde während dieser Zeit die Natur der Vögel, ihr Haushalt, ihre Lebensweise und Nahrungsart aufs Genaueste beschrieben, mannigfaltige und sehr gute Abbildungen der gefiederten Welt sind erstanden, anatomische Befunde wurden nach und nach gesammelt, welche, wohl zum Theil noch sehr zu wünschen lassen, jedoch eine systematische Zusammenstellung ermöglichen. Das Aufstellen der Systeme (in Brehms Klassen und Ordnungen der Vögel sind bis heute 33 angeführt) ist auch nicht ohne Nutzen und erfüllt seinen Zweck, indem dort mehr und mehr die gleichartigen Vögel zusammen gruppirt werden. Ebenso weisen sie darauf hin, wie man die Verschiedenheiten gewisier Körpertheile als Bestimmungszeichen erwählt, um dadurch eine gewisse Gruppirung in der Vogelwelt zu erzielen. „Und sei es auch nur als „Schlüssel" zum Bestimmen." (Fürbringer.) Mehr Schwierigkeit als jedes beliebige der älteren Systeme (die neuen beruhen auf der Dementalt heorie und suchen die Verwandschaft festzustellen) kann die Reconstituirung der talmudischen Systematik auch nicht bieten. Der Hauptpunkt muß hier wie überall das Werthverhältniß der Merkmale sein. Was nun die Variation der Merkmale anbelangt, so war es dieser Punkt, welcher den früheren Systematikern die Hauptschwierigkeiten bereitete. Doch ist in erster Linie die Hauptursache ihrer Mißerfolge in der Einseitigkeit ihres Vorgehens zu suchen. Sie hielten sich nur an die äußeren Merkmale, wobei wie es bei Fürbringer hieß, wegen der Gleichmäßigkeit der Vögel in ihrem Körperbau und der zu geringen Veränderlichkeit ihrer Organe, in der Classification „verhängnißvolle Jrrthümer" vorkamen. Andere haben den inneren Organen wieder allein den Vorzug gegeben; das Resultat war nicht glänzender. Der Talmud vermeidet diese Einseitigkeit, indem er ein eombinirtes Syftenl von zwei inneren und zwei äußeren Merkmalen aufstellt. Eine Schwierigkeit in Bezug auf die Veränderlichkeit der Organe zeigt sich im Allgemeinen weder bei den äußeren, noch bei den inneren Organen, welche herangezogen werden. — Es ist ein stark diversirender Gebrauch von Theilen der Bewegungswerkzeuge und die völlige Ver-