Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 68 (26.8.1897)
- Date
- 1897-08-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Isis des Richters und gebietet ihm Vorsicht und Bedächtigkeit bei seinen bedeutungsvollen Entscheidungen. Dem Rufe der Menschenliebe folgend besteigt er den Lehrstuhl und sucht die Kenntniß der Gesetze möglichst vielen Herzen und Geistern einzuprägen Die Menschenliebe gebietet ihm zu wachen über die Unverletzlichkeit der Thora, auf daß selbst die Voreiligen, Leichtfertigen und Unwissenden nicht in die Gefahr gerathen, durch Uebertretung ihrer heiligen Gesetze sich Sünde und Verderben zuzuziehen. Im Tana d'be Elijahu lesen wir: irzpn iok ,d3ö Bpae not tppsKtp -21 vnsrr ,2‘nx t» bw r>nni nt cnnsc vnm ,ntb nt D'amx t’nntp sbs .'W nte nt Der Heilige, gelobt sei Er, spricht: „Meine geliebten Kinder habe ich es an etwas fehlen lassen, was ich von euch verlangte? Nur das verlange ich von euch, daß ihr euch gegenseitig liebt, euch gegenseitig ehrt und daß Einer vor dem Anderen Ehrfurcht hat."(Fortsetzung folgt.) Zettrmssrrachrtchrett und Correfpondenzerr. Deutschland. Berlin, 24. Aug. Ein Mann, der die Sache offenbar viel vernünftiger anpacken wollte, wie Dr. Herz! und seine Basler Freunde, existirte hier bereits in den fünfziger Jahren in der Person eines Herrn Alexander Mosar, Klosterstr. 8t. Derselbe versandte damals ein Circular, das die Ueberschrift trug: „Mittel zur Erlangung der G'ullah" und im Wesentlichen folgenden Wortlaut hatte: Wir beten Morgens, Mittags und Abends um die G'ullah und thun nichts dazu, um diese zu erreichen, und es ist doch der Wille Gottes, daß ein Thun vorhergche, ehe etwas erreicht wird. Beweis: Gott versprach Abraham, daß in 400 Jahren seine Nachkommen erlöst werden würden und erfüllte sein Versprechen nicht durch seine Allmacht, sondern forderte Moscheh auf zu einem Thun. Dieser wandte sich an die Nettesten: die Acltesten ermächtigten ihn, in ihrem Namen zu Pharao zu gehen u s. w- Moscheh fand die Nettesten vor; würde ein jetziger Moscheh die Nettesten vorfinden? Nein! Israels Söhne sind in alle fünf Welttheile zerstreut und haben keine Nettesten, die einen Moscheh bevollmächtigen können. Wir halten es für Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß Gott die G'ullah bereits vorbereitet hat, alle Völker sind jetzt in eine Verbindung getreten; er hat dieselbe durch Transportmittel erleichtert, er hat die Herzen der Fürsten uns zugewendet. Es ist also auch von unserer Seite die Pflicht, etwas zu thun, und zwar vorläufig, uns solche Nettesten zu verschaffen, die befugt sind, einen Moscheh in ihrem Namen handeln lassen zu können. Diese Pflicht, deucht uns, kann nur durch folgendes Mittel erzielt werd n. Es zeichnet jeder Jude, reich o.er arm, vom 13 Lebensjahre ab seinen Namen und Wohnung, in welcher Handschrift es sei, in das vorliegende Buch, und der nicht schreiben kann, lasse von einem Andern für sich unterschreiben. Durch dieses Mittel bekommen wir die Anzahl unserer Brüder zu wissen, indem nur ein Gott- und Weltbelüger es verweigern wird. Diese Anzahl wird ohngesähr m gleiche Hielte gclheltt und daraus Gemeinden gebildet. Diese Gemeinden wählen die Aeltcstcu. Mau fragt, wer besorgt die Unterschriften, wer besorgt die Versendung derselben und wohin? Die Antwort ist: die Liebe zum Judenthum besorgt die Unterschriften und für das Wohin wird London vorgeschlagen. Wir hoffen und zweifeln nicht, daß die gewählten Vorstände auch Veranlassung nehmen werden, überhaupt für das Iudcnthum das, was ihm frommt, zu wirken. Die große allgemeine Frage: Wie ist das möglich, Menschen, die in 14,580,000 geogr. Meilen zerstreut sind, zu einer Wahl zu veranlassen, und wie können sie gar wähleny Wir antworten: Jede Abtheilung bringt ihre Gemeinde- Mitglieder in eine Urne und zieht daraus drei- oder vierhundert Namen. Die Gezogenen find berechtigt und verpflichtet, zu wählen; erlaubt die Entfernung oder fein Verhältniß nicht, Wähler zu sein, so kann und muß er sein Recht und seine Pflicht einem Andern übertragen und dieser Andere wieder einem Andern übertragen u. s. rv, so daß sich an dem Wahl-Orte die Anzahl der Wähler vorfindet. Da nicht äugenornmen werden kann, daß diese aus dem Stegereif gegriffenen Wähler ein richtiges Urtheil haben, so sollen in diesem Wahlkörper die wirklichen Wähler vorgeschlogen werden. Jedes Mitglied kann sich, oder andere, so auch können Fremde sich Vorschlägen lassen, und erhält der vorgeschlagerre 10 °/o Stimmen, so ist er wirklicher Wähler. Diese wirklichen Wähler haben das Recht, einen Vorstand, er bestehe aus einem, zweien oder mehreren Mitgliedern, nach Belieben zu wählen, aber verpflichten können sie zu nichts. Wollen sie aber für das allgemeine Beste etwas thun, so stehen ihnen Vorschläge frei; diese Vorschläge haben sie durch den gewählten Vorstand an die andern Vorstände mitzuthellen und finden diese Vorschläge allgemeinen Beifall, so sollen dieselben bei der neuen Wahl mit angegeben werden. Daher kann der erste Vorstand nur auf drei Jahre gewählt werden. Zu wünschen wäre, daß der Vorstand Kinder, die sich vom 1. bis zum 11 Jahre durch vorzüglichen Geist auszeichnen, in seine Obhut und in seine Erziehung nehme und sie nicht dem Brod-Studium, sondern dem eigentlichen Wissen weihete. Sie sollen nicht nur geläufig hebräisch sprechen, sondern die heilige Schrift gründlich kennen, in' der äa<1 Hachasakah des Rambam bewandert sein, sondern auch in ihrer Landessprache, in ihren Landes-Gesetzen, wie auch in der Sitte ihres Volkes. Gut wäre es auch, wenn sie in den profanen Wissenschaften, als in der Mathematik, Astronomie, Physik, Chemie, Naturkunde und auch in der Technik und Mechanik anschauliche Kenntnisse sich aneigncn, denn es ist zu hoffen, daß diese Männer in ein Collegium zusammentreten werden und nicht bloß für das Judenthum, sondern für alles Wissen wirken, welches uns Ehre und die G'ullah bringen muß. Wie nahe würde der Verfasser dieser Zeilen die G'ullah wähnen, wenn er erst die Erfindungen und Entdeckungen der Neuzeit erfahren hätte. Berlin, 25. August. In der Zeitschrift „Nation" unterzieht Herr Anton Bettel he im in Grundlsee den Zionismus einer überaus scharfen Kritik. Ec sucht den Nachweis zu führen, wie Juden und Nichtjuden aller Richtungen und aller Länder in ihrer großen Majorität den Zionismus verurtheilen. Eine Prophezeihung Herzl's habe sich schon als falsch erwiesen. In seiner Broschüre „Judenstaat" sage er: Die Rabbiner werden uns auch zu-