Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 68 (26.8.1897)
- Date
- 1897-08-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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mm 1312 Fremdling, die Waise und die Wittwe mit dir freuen. Im Herzen des Gottesdieners soll das E'vni das Mitgefühl, die Menschenliebe so fest gewurzelt sein, daß er bei dem Genüsse seines Segens gestört wird durch den Gedanken an die, welche draußen darben und hungern. Der Arme, der an seinen! Tische mit ihm ißt, die reichen Geschenke, die er den Dürftigen gesandt hat, sie nur gewähren seinem Genrüthe Beruhigung und lassen ihn seines Glückes froh werden. Wer das Gebot 702 r.snw in Wahrheit erfüllt, der kennt keine Freude, an der keine Fremden theilnehmen. Der jüdische Reiche ist dem Armen dankbar, der eine Gabe aus seiner Hand enigegennimmt. Und da ist kein Schatten, der diese Freude des Gebens trübt, keine Sorge, man könne zuviel gegeben haben, "2! 7"6x ’"i '■jrc' mn -cm „denn um dieser Sache willen wird Gott, dein Gott dich segnen." Und der Arme der da Theil nimmt am glänzenden Mahle, der die Gabe des Großherzigen in der Hand hält, die ihm nur als Brosamen vom Tische des Glücklichen erscheinen muß, wird er nicht mit Neid und Mißgunst aus den Spender sehen! Auch für den Armen gilt das Gebot 7« rnnx\ Sobald er sich bewußt ist, daß er für sich einen ähnlichen Reichthum ersehnt, wie dürste er ihn dem Bruder mißgönnen! Neid und Mißgunst, diese Laster, welche Grundlage zum Unglück des Einzelnen, wie zum Falle ganzer Staaten, so oft bilden, müssen nothwendig dem Geiste des wahren Juden fern sein. Wer von der Allmacht Gottes überzeugt ist, kann nicht neidisch sein. ~atpn 'n Tn Ist Gott nicht reich genug, um dir das Gleiche zu geben, wie deinem beneideten Bruder? p* nt rme pan t yzw „Du öffnest deine Hand und sättigst alles Lebende mit Wohlgefallen." Ist mehr als ein bloßes Oeffnen der segenspendenden Gotteshand erforderlich, um uns die Gewährung unserer weitesten Wünsche zu sichern? Am Ende der Zehngebote steht tt «b, „Du sollst nicht gelüsten", einerseits, weil Neid und böse Luft die ersten Beweggründe sind, welche zu den Verbrechen gegen die Mitmenschen führen, welche auf der zweiten Tafel verzeichnet stehen; andererseits aber, weil das zehnte Gebot nur der übertreten kann, der die ersten Gebote, welche den Glauben an Gott lehren, nicht vollkommen beherzigt hat. Viele Lehrer der Staatswirthschast schreckte der Gedanke, daß einmal die Erde zu wenig Nahrung für ihre Menschen haben würde; sie haben das Pfalmenwort vergessen srtb ,\r; txtest» 7^ bz tv ■rs-- e^x nt, „Die Angen Aller harren aus Dich und Du giebft ihnen ihre Speise zur rechten Zeit." Die Thora hat die soziale Frage gelöst. Wenn alle Klassen von Glauben an die Allmacht und Allgüte Gottes durchdrungen sind, tvenn alle Kreise von wahrer Menschenliebe erfüllt sind, wird jede Noth gemildert werden und alle Feindseligkeit muß aufhören. Eine herrliche Krone giebt es, deren Goldglanz wohl nicht Jeder sieht, ein kostbares Gut ist vorhanden, das nur Wenige nach seinem wahren Werthe zu schätzen wissen. Diejenigen, welche diese Krone und dieses Gut besitzen sind wohl am meisten beneidenswerth vor allen anderen Reichen; sie werden jedoch bei der Gedankenlosigkeit der großen Menge um ihres Besitzes nur von einem kleinen Kreise glücklich gepriesen. Die Krone und das Gut, welches wir im Auge haben, ist die Thora, und die Reichen, welche um ihren Reichthum nicht beneidet werden, sind diejenigen, welche sich reiche Kenntniß in der Thora erworben haben. Wenn die meisten Menschen diesen Besitz auch nicht zu schätzen wissen, so haben dessenungeachtet die Thoragelehrten die Pflichten zu erfüllen, die auch sonst der Besitz feinem Herrn auferlegt. Wie man vom irdischen Gut Anderen mittheilen muß und dadurch nur das Gut mehrt und erhält, so darf derjenige, der sich Thora erworben hat, dieses sein heiliges und köstliches Wissen nicht für sich behalten, nrr eoTc^n H'aym, „Und stellet viele Schüler auf," ist eine der drei Mahnungen, welche die nwa 'v>:x Herrin an die Jünger der Thora richten. Und wie die Besitzer von irdischem Gut, wenn sie pr pw erfüllend unermüdlich spenden, neuen Segen zu erwarten haben 7"^x n "pr Tn nnn bb:z, wie für sie ->ö>r die Bedeutung hat, gieb den Zehnten, damit du reich wirst, so mehrt der Weise sein Wissen am Sichersten wenn er anderen davon mittheilt. R. Chanina sagte: E^DO TV T'2-12 TV 'TRE' T'UT THE*? H2T. „Viel habe ich von meinen Lehrern gelernt, von meinen Genossen mehr als von meinen Lehrern und von meinen Schülern mehr als von Allen. R. Nachman b. Jizchak sagte: „Warum werden in dem Verse p ra c'pnre^ x-7! et die Worte der Thora dem Holz verglichen? Um dir zu sagen; wie ein kleines Holz ein großes entzündet, so machen die kleinen Talmide Chachamim, die großen scharfsinnig p nw.) Nicht nur als Lehrer, auch als Richter und Schützer des heiligen Gesetzes, haben die Thoragelehrten die Mitwelt die von ihnen gesammelten Wissensschätze mitgenießen zu lassen, um dann durch diese segensreiche Thätigkeit auch ihr eigenes Wissen zu erweitern und zu vertiefen. Das Mahnwort der Männer der großen Versammlung, oas uns einführt in die Sprüche der Väter, bezieht sich auf diese dreifache Segen spendende Thätigkeit der Meister des Gesetzes. „Seid bedächtig bei Gericht, stellet viele Schüler auf und machet einen Zaun dem Gesetze." Der Gelehrte, der in Wahrheit strer nx etx ist, den uneigennützige, aufopferungsvolle Liebe zur Menschheit erfüllt, für ihn ist diese Mahnung kaum nöthig und da sie einmal gegeben ist, so wird es seinen eigenen Wünschen entsprechen, ste aufs Genaueste zu befolgen. Die Menschenliebe geleitet ihn aus den Thron