Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 68 (26.8.1897)
- Date
- 1897-08-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVIrt. Jahrgang. Der Israeli Hentrak-Hrgan für das orthodoxe Audentßum. Begründet von Dr in ML«trrz Donnerstag, de« 26. August 5657 (1897). Leitender Artikel Sprüche der Maler. Sechstes Buch. XXV. Mainz, 25. August. flrm ns a*7?M der d i c B?cit fchen liebt. Ein Riß geht seit uralter Zeit durch die Menschheit. Ein jedes Volk und sei es noch so mächtig, noch so hochstehend durch Bildung und Kraft, durch Fruchtbarkeit des Landes, durch Ergiebigkeit seiner Erwerbsquellen, es ist in zwei Theile gespalten, in Arme und Reiche, in Starke und Schwache. Die Völker, sie fühlen die große Gefahr dieser Spaltung, sie sehen darin den Keim ihres Verfalles und ihre klügsten und gedankenreichsten Männer bemühen sich diesen Gegensatz auszugleichen und suchen nach Mitteln um die Armuth aus ihrer Mitte verschwinden zu lasten. Alle die großen Nationen die über die Weltenbühne gezogen sind, deren Geschichte unser geistiges Auge fesselt, sie hatten durch diesen Zwiespalt schwer zu leiden, wurden durch ihn in ihren Grundfesten erschüttert und haben uns in ihrer wechselnden Gesetzgebung, in den Schriften ihrer besten Männer die verschiedenartigsten Vorschläge und Versuche hinterlassen, diesem furchtbarsten Feinde der Sicherheit der Staaten entgegenzutreten. Keiner dieser Vorschläge, keiner dieser Versuche hat bis jetzt zu einem befriedigenden Ergebnisse geführt. Es scheint ein ehernes Naturgesetz zu sein, daß die Armuth und ihre furchtbare Gefolgschaft, die Unzufriedenheit, unter den Menschen nie aufhvren soll. Israel wurde der Satz von der Ewigkeit der Armuth unter natürlichen Verhältnissen, den die anderen Völker selbst nach tausendjährigen bitteren Erfahrungen noch nicht anerkennen wollen, schon in seiner Thora offenbart; ihm jedoch zugleich auch das Mittel bekannt gegeben, durch welches die Unzufriedenheit gebannt wird und die Gefahren, die aus der ungleichen Vertheilung der Glücksgüter der Gesellschaft erwachsen, gehoben werden. Wir lesen zwar in der kommenden Sidra die Verheißung IN p'-u 12 N'N' ab '2 C£X. „Es wird jedoch unter Dir kein Armer sein." Die beglückende Zusicherung bezieht sich aber nur auf die Zeit, in der tvir den Willen des Allgegenwärtigen vollkommen erfüllen 2P2 im cnwy Bn»e> p2 eine Zeit in der die Naturgesetze keine Macht mehr über uns haben und in der wir auf wunderbare Weise geführt und geleitet werden. Für unsere Welt aber, in welcher die Naturgesetze walten, lesen wir wenige Verse später ro pxn 2-p2 p2» b-r,' xb 2 „denn der Arme wird nicht aushören von der Mitte der Erde." Daneben steht jedoch sofort das Heilmittel *2Js p bv "S“is2 “:"2X^ i'nb i'rmb it ns nnen nne „Darum befehle ich Dir.- öffne Deine Hand weit Deinem Bruder, Deinem Armen, Deinem Dürftigen in Deinem Lande." Wenn wir in dem Armen unseren Bruder sehen und freudig unsere Hand ihm öffnen, dann schrumpfen die Leiden der Armuth selbst auf das kteiuste Maß zusammen und ihre Schrecken für den Vermögenden sind dahin. Nichts Erniedrigendes, nichts Beschämendes liegt für den jüdischen Armen, der unschuldig ins Unglück gerathen ist, darin Almosen zu empfangen. Unsere Sidra zeigt uns den Israeliten in der höchsten Freudenstimmung. Wir sehen den Grundbesitzer, wie er den geweihten Theit seiner Ernte beglückt and dankbar an dem Orte genießt den Gott erwählt, wir sehen dort die Festeswaller jubelnd die höchsten Feiertage begehen. Wir hören, wie Gott zur Freude ruft. n-EEn „und du sollst dich freuen." Doch nicht du allein mit Frau, Kindern und Gesinde sollst und kannst dich freuen. Mache deine Freude zu einer vollkommenen, indem sich der besitzlose Lewi, der