Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1897)
- Date
- 1897-08-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1304 -*4 «j bKyrsf7',?fsr4**rrti 7 -.v. w-1 tv. rTST*? ien der Js raelit e n durchblätlerie und andererseits sie verschwiege, diesen würde ich als anmaßend und trügerisch zurückweisen. Gott selbst hat die Wahl bestimmt, die ihm in Seiner hohen Weisheit zustand und mir ist nicht zur Kennrniß gekommen, daß er sie seitdem Hütte ersetzen wollen. Ich also, als Christ, erkläre mich zum Schuldner Israels, für den hohen, der ganzen Menschheit gewährleisteten, so glorreichen Dienst. Ich bin überzeugt, daß dem Volke Israel die ruhmvollen Tage bevorstehen, welche ihm seine Propheten geweissagt. „Die Gnaden und Bestimmungen Gottes sind reue los" und „der Thron Davids wird neuerdings von einem Sohne Davids bestiegen werden." Zu Enden der Zeiten wird das Haus des Herrn auf den Gipfeln der Gebirge erstehen und über Berg und Thal wird die Menschheit herbeiströmen und sich zurufen: Kommt herauf auf den Berg des Herrn, und in das Haus des Gottes Jakobs! Er wird uns die Wege zeigen und wir werden in seinen Pfaden wandeln; denn von Sion erstrahlt das Gesetz und das Wort des Hüters von Jerusalem. Alle Versprechungen, welche der Allmächtige bei. Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob gelobt, werden in Erfüllung gehen. Wie und auf welche Weiss wir zu diesem glücklichen Tage gelangen werden, geziemt gewiß nicht mir, es offen bei dieser Feierlichkeit auszusagen. Ich kann indeß den hier gegenwärtigen Kindern Israels zusichern, daß in keinem ihrer Herzen ihr Wunsch so laut schlägt, wie in dem meinigen, damit dieser Tag bald erscheine; denn ich habe noch nie einen gleichen Genuß in meinem Leben genoffen, wie in dem Augenblick, wo ich die ruhmreichen von Israeliten verfaßten Wahrheiten lesenkonnte^ Zeitrrrrg-nachrlchtett tut* Earrespottdenze« Deutschland. ** Berlin. „Forderungen der Gerechtigkeit" stellt die „Deutsche Tageszeit" vom i2. August auf und verlangt christliche Lehrer für christliche Schulen, und reinliche Scheidung. „Und ift's nicht auch eine Forrung der Gerechtigkeit, wenn wir verlangen, daß die Zahl der zugelaffenen jüdische Rechtsanwälte und der jüdischen Notare der Verhältnißzahl der jüdischen Bevölkerung entsprechen?" fragt das Blatt weiter. Wir haben noch nie gehört, baß Gerechtigkeit mit der Elle gemessen und mit der Rechenmaschine gezählt wird. Gerechtigkeit ist eine ethische Forderung, keine algebraische! Deßhalb konnte Bismarcks Einsicht mit Recht erklären, als in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 30. Januar 18^2 sich die Katholiken beschwerten, daß sie bei den Anstellungen nicht genügend berücksichtigt würden, er wäre für volle Religionsfreiheit jeder Konfession, er glaube aber nicht, daß jede eine ihrer Volkszahl ziffermäßig entsprechende Betheiligung an der Beamtenschaft haben müsse .... dann komme auch noch die ganz beträchtliche Kopszahl der Juden in Betracht, deren Mehrheit sich ja durch besondere Befähigung und Intelligenz für Staatsgeschäfte auszeichne. Angenommen, wir erkannten die sog. „Forderungen der Gerechtigkeit" an: würde die „Deutsche Tageszeitung" dann den Juden den ziffermäßigen Antheil am Offizierkorps zugestehen? Das wäre doch sicher eine „Forderung der Gerechtigkeit"? Wir sind gespannt, was das Blatt antworten wird! Lübeck, 18. August. Am „Sabbat des Trostes" ward hier Herr Senator Dr. R i t 1 s ch e r zur ewigen Ruhe bestattet. Die hohe Stellung, welche der Heimgegangene bekleidet hatte, — er gehörte 24 Jahre lang dem hohen Senate, der Regierung unseres Freistaates, an und war fast 30 Jahre Chef der Polizeibehörde — die vielen unbestrittenen Verdienste, welche er sich in den verschiedensten Gebieten erworben, die große Beliebtheit, deren sich der Verstorbene bei allen Schichten der Bevölkerung erfreute, Alles wirkte zusammen, um eine ganz außergewöhnliche Trauerstimmung in unserer Stddt hervorzurufen. Verstärkt ward die allgemeine Theilnahme noch durch die tragischen Nebenumstände, die den Trauerfall auszeichneten. Senator Rittscher stand bereits im 58. Lebensjahre und war noch Junggeselle. Am Freitag den 6. August trat er vor den Traualtar und bereits am Mittwoch den 11. August hauchte er nach kurzer Krankheit seine Seele aus und ließ die geliebte Gattin als trauernde Wittwe zurück. Der Senat ließ seinem verstorbenen Mitgliede fast fürstliche Ehre erweisen. In der Domkirche, in welche die Leiche aus der nahen Wohnung verbracht worden war, hielten fortwährend Polizisten am silberbeschlagenen Sarge die Ehrenwache, und ein Senatsdecret verordnete, daß in allen Gotteshäusern des Heimgegangenen mit Dank und Fürbitte gedacht werde. Seitdem ich hier bin, war es das erste Mal, daß beim Ableben eines Senators eine derartige Verfügung getroffen ward, und es entsprach einem eigenen Herzensbedürfnis derselben aufrichtig nachzukommen. Denn — und das ist der Grund, warum ich diesen Trauersall im „Israelit" erzähle — Senator Rittscher machte keine Ausnahme von der altbekannten Regel, daß alle wahrhaft edlen, geistig begabten und vorurteilslosen Männer auch unserm Bekenntniß und seinen Bekennern die gleiche Liebe