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Der Israelit · 1897-08-23 · Heft 67 (23.8.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 67 (23.8.1897)
Date
1897-08-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVin Jahrgang. KkUage M M l'7 öts „3sraelit“. Seitendev Artikel. Iletre eines evangelischen geistlichen Im (iMnumljung einer Synagoge. Herr Dr. Th o mpso n, methodistischer Prediger, hielt bei (Gelegenheit der Grundsteinlegung des Tabernakels der ersten Synagoge in Buenos Aires, am 27. Juni 1897 folgende Rede: „Es freut mich, hier in dieser Berfannnlung aus der vollsten Ueberzeugung wiederholen zu können, was ich seit einigen fahren schon meinen Glaubensgenossen aussprach, da st die menschliche Nasse mit den Kindern Israels eine Schuldverpflichtung esngegangen hat, die sie niemals oder nur mit Mühe begleichen werden kann. In meinem Schmerze must ich gestehen, daß diese schuld heute vergessen, ja schlimmer als vergessen, mit verbrecherischer Undankbarkeit bezahlt wurde, als Folge der gotteslästerlichen und hartnäckigen Anmaßung der Menschen, stck> Urtheile anznmasten, die nur dem ewigen und allmächtigen Richter geziemeit. Abraham! Israel! Iivei Namen, die sich derart aus der Genealogie der Menschheit hervorheben, das; der Forscher, wohin er auch in den letzten Jahrhunderten der Weltgeschichte seinen Blick werfen mag, sie unmöglich übergehen kann. Vom Ganges an bis zu bcu Säulen des Herkules, von Rew-Pork bis San Francisco, von den Eisregionen bis zuni Ae guator, in allen jenen Regionen Afrikas, die eine ehrenvolle Seile in das Gesetzbuch geschrieben haben — überall wo ein civilisirtes oder nur halb eivilisirtes Volk sich finden mag, finden wir den Flamen Abraham als den meist gekannten und mehr noch verehrt, als irgend ein anderes wirklich menschliches Wesen. Wer könnte sich schmeichelt!, eine so große Nachkommenschaft anfznweisen, welche in der Literatur, in den Wissenschaften und in der Philosophie in gleichem Maste sich allszeichnen und ausgezeichnet haben - Es ist eine Thatsache, die auch nicht den geringsten Vergleich mit beit Annalen unserer Rasse verträgt; sie ist bewunderungswürdig oder vielniehr übernatürlich, wenn wir bedenken, wie dieser Mann sowohl physisch wie geistig gesegnet war. Aber cs hat Gott gefallen, unter den Enkeln Abrahams einen auszuwählen, der in direkter Rachkommenfchaft der Träger und Erbe der Ehren der Familie werden sollte; und damit seine Vorherrschaft von Allen anerkannt werde, verlieh er ihm ailsdrücklich den neuen und glorreichen Namen Ish-ra-el was detl „Fürsten in Gott" bedeutet und etwas in feiner Ursprache erweitert: der Mann „den Gott als den Ersten" verkündet. Es ist dies ein Titelparchemtn, neben welchem alle königlichen Edelmannverleihnngen verdunkelt oder nichtig werden. Es waren schon 22 Jahrhunderte verflossen, d. h. sieben Jahrhunderte vor der Geburt des (Gründers Roms, als Moses, der begeisterte Gesetzgeber die Kinder Israels in ein Volk vereinigte und wir haben uns hier versammelt, um heute Abend eine Abschrift der Gesetze, welche Moses selbst zur Regierung seines Volkes verfaßt hatte, als Zeugniß für die kommenden Geschlechter an sicherem Orte zu hinterlegen. Mit vollster Ueberzeugung bin ich von der Verehrung zu einer Religion, wie diese eS ist, durchdrungen; ich verehre sie, für das was sie enthält und bewundere sie tun das, was sie in Wirklichkeit geleistet hat. Wir steherl hier vor einem Buche, dem ältesten der Welt, das in Buchstabenschrift verfaßt ist, in welchem auch Israel den Vorrang einnimmt. An die Spitze der gänzlichen uienschlichen Literatur, tvie sie genannt werden must, müssen wir unbedingt und in erster Linie die civile und religiöse Verfassung der Israeliten stellen. Sie ist eine Urkunde, auf welche die Inden mit Fug und stecht stolz sein dürfen, denn die Prinzipien, welche zum ersten Male dort niedergelegt wurden, sind bis auf den heutigen Tag nocb die Grundlagen jeder richtigen Gesetzgebung. Diese Thora giebt ein faßbares Zeugniß von dem Dasein Gottes und von seiner vorsehenden Vermittlung in mmid)lid)en Dingen. Einige Gelehrten leiten das Wort Israel von einer, von mir verschiedenen Wurzel ab, indem sie es mit „I h s r e h - E l" wiedergeben, d. h. „der Soldat Gottes" oder „der Kämpfer zu Ehren Gottes". 9(1111, während beinahe 4<> Jahrhunderten mit nur geringen Unterbrechungen des Verfalles, haben Israel und seine Erben vor der Welt einen geistigen, heiligen und einzigen Gott bewiesen, der mit den menschlichen Wesen Mitleid übt und während mehr als :i(> Jahrhunderten bezeugt, daß das mosaische Gesetz göttlicher Eingebung ist. Dieses bildet für mich das Hauptverdienst und die Ehre des Volkes Israel und beweist, daß die Offenbarung, welche Gort der Wett enthüllt hat, schon lange vor unserer heutigen Zeitrechnungverkünhet worden ist. Jedem Menschen der heutzutage zu mir träte um mich zu fragen, welches die Zeichen Gottes wären, indem er einerseits die heiligen Schrif-

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