Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1897)
- Date
- 1897-08-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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-!^qp!imrTF7?.TrTrn 1301 ffmlücton. Der Cl]ora|d?roibor 4) von H. Berger. (?tllc Rechte Doi beim!tcn. ] (Schluß.) Der Entschluß ist rascher gefaßt als ausgeführt. So oft er anfangen wollte zu sprechen war ihm seine Kehle wie zugeschnürt. Er befürchtete, wenn man erfahre, wer er sei, würde man ihm das seither geschenkte Vertrauen entziehen und er würde vielleicht genöthigt sein, das Haus und die der Geliebten zu meiden. So ging er nnenkschlosfen, mit sich selbst kämpfend im Haufe einher, so daß seine Unruhe Esther aufftel. Des Nachmittags ging man um Taschlick/Z zu machen am Ufer des an der Stadt vorbeifließenden kleinen Flusses spazieren. Hier traf es sich, daß Pinchas und Esther, die plaudernd neben einander hergingen, ein kleines Stück hinter bc» anderen zurückblieben. Nun faßte sich Pinchas ein Herz und begann: „Ich habe Ihnen ein Bekenntniß zu machen, Fräulein Esther, auf die Gefahr hin, daß Sie mich anr heutigen Festtage noch aus Ihrer Nähe verbannen, aber ich bin die elende Rolle, die ich spielen muß, niüde und lege in Ihre Hand „hachajim wehamowes" das Leben und den Tod." „Sie sprechen in Nätbseln, mein Herr," erwiederte Esther erstaunt ansblickend. „Ich glaube es wohl, daß meine Rede Ihnen räthsclhafl erscheint, wie ich Ihneri ein Räthsel sein muß. Dieses Räthsels Lösung sollen Sie heute erfahren." „Sie setzen mich in Erstaunen und spannen mich —" „Ich war gestern auf Kewer owaus." „Wo?" „Hier." „So liegen Ihre Eltern hier begrabend" „Vater und Mittler ruhen schon lange, lange Jahre in hiesiger Erde, und gestern zum erstell Male hat der Sohn die fromme Pflicht erfüllt und am Grabe der Eltern gebetet. Ich bin kein Fremdling in hiesiger Stadt. Das Haus meiner Eltern steht noch, sie selbst sind noch in gutem Andenken, während ich — vergessen, verdorben, verschollen bin, Ulan meiner nur mit Verachtung gedenkt, wenn der Zufall meines Namens erwähnt." Erschüttert hatte Pinchas dieses gesprochen ulld als Esther insen Antlitz blickte, sah sie Thronen in seinen Augen schimmern. *) Ein Gebet, welches am Ufer eines Baches oder Flusses gesprochen werden muß. i „Sie sind so erregt, Pinchas," erwiederte Esther. „Und sollte ich es nicht sein? Ruft mir der heutige Tag der Erinnerung nicht genug des Schrecklichen ins Gedächtniß? Sine verlorene Jugend —" „Kann durch ein segensreiches Leben wieder ersetzt werden." „O, Dank, tausend Dank für dieses Wort; es träufelt den Balsam der Hoffnung in mein zagendes Herz. Wenn Sie solchen Trost spenden, so darf ich nlich Ihnen anvertrailen. Ich heiße nicht von meiner Kindheit all Pinchas. Das ist mein zweiter Name, dell man mir in einer lebensgefährlichen Krankheit gegeben hat. Mein erster "Name war —" „Eugen Rheinboldt," fiel Esther ein. „Sie sagen es; Sie haben mich wiedererkannt, von Ihren Lippen habe ich die Geschichte meiner Kindheit nub meiner verlorenen Jngend gehört. Die Milde, mit der S>e die Fehler meiner Jugend benrtheilt haben, läßt mich ans ein gnädlges Urtheil aus Ihrem Munde hoffen. Ich habe die Sünden meiner Jugend bereut, bin lllngekehrt auf dem bösen Wege, den ich beschritteu hatte und habe an der strengeil Hand Ihres Onkels einen anderen Weg eingeschlagen, der mich zu dem Ziel führell soll, welches Gott der Barinherzigc den Angehörigen seines auserwählt ell Volkes bestimmt hat. Vier schwere Jahre der Prüfung liegen hinter mir. Ihr Onkel hat mir nichts geschenkt. Seillen streilgen Anforderungen mußte ich genügen, ehe er mir gestattete hierherzukommen." „Wenn Sie in der Schicke des Onkels gelernt, vor ihm bestandeil haben, dürfen wir Ihnen vertrauen; sein Auge ist scharf, sein Urtheil unbestechlich." „Dank, Esther, Dallk, daß Sie dem, der Sie eillst beleidigt hat, verzeihen kölinen. Vielleicht lernen Sie ihll auch noch achten und lieben und stehen ihm bei, zu leben in der Lehre unseres Gottes. Sehen Sie, der dahinfließende Bach ist ein Bild unseres Lebens; ungetrübt fließt es iliemals dahin. Mag aber das Wasser noch so trübe sein, immer spiegelt sich in ihm das Blau des Himmels; in allen unseren Wandlungen spiegele sich der Wille Gottes, alles tvas wir thun, geschehe rer cc,J? um des Himmels Willen. Das ist die Parole, die ich von Jhrenl Onkel gelernt habe, die mir Nichtschilur ist für mein ferneres Leben. Am heutigen Tage, da unser Allvater die Welt richtet, da er einschreibt das Schicksal aller Menschen, ivill ich Sie offen und ehrlich zum zweiten Male fragen: Esther, wollen Sie es mit mir versuchen, wollen Sie Ihr Schicksal mit dem weinigen verbinden, Esther, wollen Sie jetzt mein Weib werden?" Esther schwieg. Schweigend ging sic neben Pinchas her. Als dieser nach einer Weile sie anblickte, sah er ihre Augen voller Thronen, während