Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1897)
- Date
- 1897-08-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448769--44466-2493563- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Z&' yrr--' 1299 verein" (mit seinen intereffanten Vorträgen), sonstige allgemeine Vorträge bieten solche Nahrung auf profanem Gebiete. Was nun der israelitische Radfahrerverein anbetrifft, so ist er meines Erachtens»nur dazu angethan, der antisemitischen Strömung Vorschub zu leisten; muß er nicht bei unseren christlichen Mitbürgern den Eindruck machen, als wollten wir uns von ihnen abschließen, wenn Juden Vereine für Zwecke gründen, die mit dem Judenthum absolut nichts zu thun haben; geben wir dadurch nicht jenen Vereinen Recht, die jüdische Mitglieder nicht aufnehmen, während wir sonst doch, und dies mit Recht, uns über ein solches Gebühren entrüsten. D ßhalb rufe ich den Würzburgern zu; gebet mehr Acht auf eure Schutzbefohlenen, veranlaßt sie sich religiöse und profane Geistesbildung anzueignen, wie es der von Tag zu Tag sich schwieriger gestaltende Kamps umS Dasein verlangt. Uhus pro multis. Aus Süddeutschlund, 15. August. Die Colonisation Paläftina's, die vor vierzig Jahren zum ersten Male ein Gegenstand öffentlicher Besprechung wurde und damals die Geister mächtig in Bewegung setzte, hat kräftig Wurzel geschlagen und in ungeahnter Steigerung einen imposanten Kreis von Gönnern und Freunden allüberall, wo jüdische Herzen schlagen, gefunden. Gerade diese erfreuliche Wandlung läßt uns den Blick auf jene Zeit zurückwenden, da man angefangen, dem Colonisationsgedanken innerhalb der jüdischen Kreise Deutschland's Aufmerksamkeit zu widmen. Es hatten sich damals, nachdem die Initiative hierzu von dem sel. R. Hirsch Kalischer in Thorn gegeben worden war, vielfach Comitees gebildet, welche diesen Gedanken populär zu machen suchten; es dauerte nicht lange, und in den meisten Gemeinden wurden Sammlungen veranstaltet, die eine ganz namhafte Summe zusammengebracht haben. Dieses angesammelte Geld liegt seit jener Zeit unbenutzt in Verwahrung bei einem bekannten Bankhause, und wir glauben, daß es im Sinne der einstigen Spender handeln hieße, wenn dasselbe nunmehr, da die Colonisations-Beftrebungen sich so verheißungsvoll erwiesen, zu dem Zwecke herausgegeben und verwendet würden, daß die bestehenden Colonien in Palästina Unterstützung und Förderung finden. Ob aber in der That die einstigen Spender dies wollen, ließe sich einfach dadurch ermitteln, wenn die in Deutschland erscheinenden jüdischen Zeitschriften einen Aufruf an alle Diejenigen erließen, die einmal einen solchen Beitrag zur Colonisation Paläftina's beigesteueit hatten, daß sie ihre Willensmeinung dahin zu erkennen geben, ob das angesammelte Geld länger unbenutzt liegen bleiben oder d.n bereits vorhandenen Colonien in Palästina zugewendet werden soll. Gelänge es, diese brachliegenden Summen für ihre Bestimmung nutzbar zu machen, so würde das eine sehr namhafte Förderung der Colonisation bedeuten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. ** Wien. An dem Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers fanden in allen Gemeindetempeln und Vereinsbethäusern der Wiener israelitischen Cultusgemeinde solenne Festgotiesdienfte statt. Besonders feierlich gestaltete sich der Gottesdienst in den festlich beleuchteten Tempeln in der inneren Stadt und in der Leopoldstadt. In ersterem hielt Herr Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann, in letzterem Herr Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl vor dem zahlreich versammelten Publikum die Andachtsrede. Den gesanglichen Theil der Feier besorgten die Herren Obercantoren Singer und Goldstern mit dem gesummten Chorpersonale in herzerhebender Weise. Zum Schluffe der Feier wurde bei geöffneter Bundeslade die Volkshymne gesungen. Sämmtliche in Wien weilenden Mitglieder des Vorstandes waren bei den Festgottesdienstcn anwesend; darunter Herr Viee-Präsident Dr. Gustav Kohn, Herr Vertreter k. k. Baurath Theodor Ritter v. Goldschmidt, Herr Moriz Hirsch, Bethausvorsteher Adolf Stiaßny, Vorsteher der israelitischen Armenanstalt Josef Jelinek, Bezirksausschuß Ludwig Waldstein, Verwalter des Rothschild-SpitaleS Dr. M. Koranyi. Der Beamtenkörper der Cultusgemeinde hatte sich vollzählig eingefunden; im Stadttempel unter Führung des ersten Secretärs Herrn Dr. Theodor Lieben, im Leopoldftädter Tempel unter Führung des Secretär-Stellvertreters Herrn Dr. Emil Adler. Die Festpredigten in den übrigen Synagogen wurden abgehalten: von Herrn Rabbiner Dr. Jonathan Wolf im Fünfhauser Gemeindeiempel, von Herrn Rabbiner Dr. Moriz Deutsch im Ottakringer Gemeindetempel, von Herrn Rabbiner Wilhelm Sor im Währinger Gemeindeiempel, von Herrn Rabbiner Brcicr im Tempel in der Leopoldgaffe, von Herrn Rabbiner Dr. Taglicht im Mariahilfer Tempel, von Herrn Rabbiner Dr. Gelbhaus im Tempel des IX. Bezirkes, von Herrn Rabbiner Reich im Margarethener Tempel und von Herrn Rabbiner Löwy im Tempel in Favoriten. — Anläßlich des Kaiser-Geburtstag fand im Tempel des IX. Bezirkes ein feierlicher Gottesdienst statt, zu welchem sich ein andächtiges Publikum cingefunden hatte. Der Gesammtvorstand der Tempelgemeindc mit dem Obmanne Herrn Bettelheim an der Spitze im Festkleide waren in den Logen erschienen Nachdem der Chor den Festespsalm sang, feierte Herr Rabbiner Dr. GelbhauS in weihevollen Worten die erhabenen Herrscher-Tugenden unseres Kaisers und flehte den Segen Gottes auf sein Haupt