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Der Israelit · 1897-08-19 · Heft 66 (19.8.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 66 (19.8.1897)
Date
1897-08-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1284 ein schlechter Trost, wenn wir sagen würden, unsere Häuser find denen ähnlich, die einen Bileam begeistern konnten. Wir müffen uns die Frage vorlegen: Sind unsere Kinder auch derart, daß ihre Häuser dereinst denen ähneln, die den Stolz unseres Volkes von jeher waren? Und da dürfen die Wenigsten wohl sagen: Meine Kinder sind im Glauben der Väter erzogen, fie haben ihn liebgewonnen und werden sein nicht vergefien. Unsere heutige Jugend wächst auf, ohne daß fie weiß, welch hohen Stammesie ist; sie wird erzogen in dem Materialismus unserer Zeit und lenit die hohen idealen Güter des Judenthums nicht mehr kennen. Selbst die Familien, die noch nach den heiligen Gesetzen unseres Glaubens leben, vermögen nicht zu hindern, daß ihre Kinder die materialistischen Leben-grundsätze der Jetztzeit kennen lernen und zu den eigenen machen. Man sollte deßhalb vorsichtig über den Umgang wachen, den die Kinder pflegen, denn böse Beispiele verderben gute Sitten. Was soll man aber erst dazu sagen, wenn jüdische Eltern es über sich bringen, ihre Kinder in christlichen Pensionaten erziehen zu lasten! Was für Juden gibt das? Sollen sie die Träger der Gottesidee werden, die Gott gar nicht kennen, die vom Judenthum nichts misten, als daß desten Bekenner den Sabbat feiern sollen, den sie allwöchentlich entweihen? Es ist kein Hirngefpinnst, das mir vorschwebt, es ist zThatsache; ich kenne ein christliches Pensionat, welchem acht jüdische Knaben zur Erziehung übergeben sind. Um ihre Pflicht als Juden zu erfüllen, haben einige dieser besorgten Eltern die Bedingung gemacht, daß ihre Knaben auch manchmal zur Synagoge geschickt werden sollen, eine Bedingung, die fast als Ironie auszufaffen ist. Was wird aus solchen armen jüdischen Kindern! Es sind die Parias des Pensionats und die Candidaten des Abfalls. Das Erwerben der Schulkenntniste kann doch wahrlich kein Grund sein, die Seele der Kinder zu gefährden! Und sie ist gefährdet, wenn sie von Nichtjuden in realistischer Wcise erzogen werden. Joda schaur konehu, wachamaur ewus beolof. „Der Ochse kennt den, dem er angehört, der Esel die Krippe seines Herrn." Diese Armen lernen weder ihren Gott noch ihre Familie kennen; sie gleichen jenen Pflanzen, die aus dem Boden ihres Vaterlandes herausgeristen und in fremde, kalte Erde verpflanzt wurden. Hier verkümmern sie oder sie accomodiren sich, und in beiden Fällen sind sie verloren, verloren für ihre Eltern, verloren für das Judenthum. In beiden Fallen gehen sie ihrem Untergange entgegen. Es ist das auch ein Symptom unserer Zeit, daß nicht mehr darauf gesehen wird, in welcher Weise, nach welcher Methode die Kinder erzogen werden. Wenn sie sich nur die Kenntnisse erwerben, die dazu gehören, den Einj.-Freiw.-Dienft versehen und einst als Reserve-Offizier eintreten zu können, so sind die Eltern großentheils zufrieden. Sie verlangen nicht, daß ihre Kinder Bescheid wissen in *pri! Wozu auch! Damit kann man kein Reserveoffizier werden! Das Judenthum geniert ja doch nur überall, das Jüdische wird ja doch immer verspottet! Sie sehen nicht darauf, daß die Kinder jüdisch erzogen werden, jüdisch denken urd fühlen, jüdisch leben und handeln lernen. Das „Jüdische" kommt erst in zweiter Linie. Deßhalb konnte auch der Zionismus entstehen und seine antireligiösen Blüthcn treiben. Seine Anhänger sind Leute, die nicht jüdisch erzogen wurden, deren jüdisches Herz aber trotz der nichtjüdischen Erziehung sich dem zuwenden muß, dem es entstammt. Daß es dabei auf Abwege geräth, ist leicht erklärlich und darf uns nicht wundern. Der Zionismus ist ein Produkt einer verkehrten Erziehung der Juden. Die Sehnsucht nach der Stammesheimath ifts, die ungestillt und ungezügelt durch die Religion die Zionisten zu allerlei abenteuerlichen Streichen verleitet. Daß diese Sehnsucht immer wieder hervorbricht, daß keine Erziehung sie im Juden unterdrücken kann, ist ein Zeichen von der Lebenskraft unseres Stammes, von der Lebensfähigkeit unseres Glaubens. Es ist ein Trost, daß keine Menschenkraft das vernichten kann, was die göttliche Vorsehung in unsere Seele gelegt hat. .22ps>u 128' 'SS? IDHJ ich; Oester r.-Ungar. Monarchie. § Görz, 10. August. In Folge der neuen Eintheilung der Rabbinatsbezirke in Oesterreich wurde das ganze Küstenland in zwei solcher Bezirke geschieden: Görz mit der dazu gehörigen Grafschaft und Triest mit der Halbinsel Jstrian. Zugleich hat die Statthalterei die Verordnung erlaffen, daß von nun an im Küstengebiete nur solche Rabbiner angestellt weroen, die auch das O Hergymnasium besucht haben. Nur bei besonderen Umständen können auch gewöhnliche jüdische Gelehrte als Rabbiner ungefüllt twerden. Vor einigen Tagen wurde unsere Religionsschule, wie üblich geschloffen und fand aus diesen! Anlässe eine solenne Feier statt, der auch unser verehrter Oberrabbiner B o l a f f i o an wohnte. Die Schule war im heurigen Jahre von fünfzig Schülern und Schülerinnen besucht. Zur Semestralprüfung halten sich indeß noch sechs fremde Knaben eingefunden. Die einzig zu vergebende Schulprämie fiel der Schülerin Emma Pavia, Tochter unseres verstorbenenen gleichnamigen Lehrers, zu. Oberrabbiner Bolaffio richtete zum Schluffe väterliche Worte an die Zöglinge mit der Ermahnung, stets dem väterlichen Glauben treu zu blriben. ** Lemberg. Die jüngsten Judenexzeffe in Ehodorow bildeten in der letzten Woche den Gegen-

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