Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-08-19 · Heft 66 (19.8.1897) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 66 (19.8.1897)
Date
1897-08-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448768--44449-2493545
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXVm. Jahrgang. Erste Beilage jit JSi 66 -es „Israelit". Zeitungsnachrichten und (^orrefpondenzen. Deutschland. HeLdenbergen,!ä. August. Der Vorsitzende des Israelitischen Lchrervereins im Großherzogthum Hessen, Herr L. AZ e r t h c i m e r, versendet folgende Einladung an die Mitglieder: Hiermit erlaube ich mir, Sie zu der am Mittwoch, den 25. d. M. im Restaurant Westheimer, Schillerstraße in, in Frankfurt a. M. ftattfiubeuben unb von 11 Uhr ab tagenden außerordentlichen General versammluilg cbcufo ergebenst wie dringend einzuladen. Tagesordnung: 1. Berichterstattung und Mit- 1 Heilung wichtiger BorstandSbeschlüssc, 2. Vorstandswahl, 2. Referat des Herrn Rabb. Dr. Goldschmidt- Offenbach über sein „Urbild und Ebenbild", 4. Besprechung von Bereinsangelegenheit. Rach Schluß: Gemeinsames Mittagessen. Theilweisc Reiseentschädigung wird gewährt. Ich rechne bestimmt auf Ihr Erscheinen, denn in Anbetracht der außerordentlichen Verhältnisse darf dieses Mal niemand fehlen; also: alle Mann an Bord.'.' ** Hamburg, 12. 2higufi. Die Ausstellung der Erzeilgnisse jüdischer Colonien in Palästina auf der Allgemeinen Gartenbau - Ausstellung erfreut sich nach wie vor eines äußerst regen Besuches. Anfang dieser Woche stattete der in unfern Mauern weilende, bekannte Philanthrop Baron E. de Rothschild aus Paris der Gartenbau-Ausstellung einen längeren Besuch ab und besichtigte bei dieser Gelegenheit auch die Ausstellung jüdischer Colonien. Rur von Wenigen erkannt, weilte er längere Zeit in der Ausstellung, in der namentlich die mit der großen broneenen Medaille ausgezeichneten Weine sein lebhaftes Interesse erregten. Gestern sind wiederum eine Anzahl Produkte neuester Ernte von Palästina nach hier gelaugt. Bon diesen Friichten erregt vor allen Dingen der au§ der Eolouie „Rischon le Zion" stammende Honig von Orangenblüthen unsere Aufmerksamkeit. Ferner bemerken wir dort eine große Anzahl von Cedrasfrüchten (Esrogim). Diese Frucht, die sich insbesondere durch ihre schöne goldgelbe Farbe und ihre Wohlgestalt anszeichnet (der bibliche Ausdruck lautet: „Frucht vom stolzen Baume") wird, wie nichtjüdische Blätter ihre Leser belehren, auch bei uns in Deutschland vielfach in Scheiben geschnitten und conservirt als wohlschmeckende Delieatesse geschätzt. Dann bemerken wir bort tubergins (sogen. Eiergurken) diese lverden mit Fett zubereilet im Orient als Gemüse geschätzt, ebenso wie die in Stauden wachsenden Gom- 1 bos. Sehr schön sind auch die dort ausgestellten > halblangen Tomaten, sowie die Bananen und Zuckergurken. Eine große Zierde der Ausstellung bilden ferner die drei verschiedenen Sorten Aprikosen, sowie die Cactusfrüchte. Die meisten der angeführten Früchte stammen aus der Colonie Ekron (Maskereth-Bathjath), die sich, wie wir bereits hervorgehoben haben, durch ihren fetten Boden auszeichnet. ß. Aus Württemberg. Die Tage der Trauer sind voriger und der Sabbat des Trostes mit seinen ergreisenden Klagen und erhebenden Tröstungen sür die Zukunft hat wieder einmal alle Herzen, die noch sür das Judenthum und seinen Glauben höher schlagen können, erregt; alle Zungen, die noch den Einig—Einzigen anerkennen, Seinen Lob und Seinen Preis anftimmen lassen. Wie ergreifend sind die Klagen des Propheten, wie einzig die Bilder, mit denen er Sein Volk vergleicht! Wer solche Klagen vernimmt und nicht in sich geht, wer solche Töne hört und nicht weiß, was sie bedeuten, wahrlich, der hat kein Herz, der hat kein jüdisches Herz, keinen jüdischen Sinn. Leider ist das jüdische Herz eine Seltenheit, der jüdische Sinn eine Abnormität geworden! Wehe dem Volke, da» seine Eigenthümlichkeiten verliert, der Nation, die das ihr Eigene aufgibt, sie geht dem Untergange entgegen. Was ist es, das uns Juden so lange erhalten unter den Nationen, unfern Stamm bewahrte vor der Verschmelzung mit den Völkern, unter denen wir leben, das uns unsere Eigenheiten erhalten, unsere Religion errettet hat? Was ist es, da» den zum Fluchen bestellten Antisemiten Bileam so begeistert, daß er anstatt Israel zu fluchen zum begeisterten Lobreder, desselben wurde? Mali tauvu oholecho jaakauf mischkenoseeho .Tisroeil! Es ist das sittenreine Familienleben, die tadellose Führung der jüdischen Familien. Ist diese heute auch noch so? Können die jüdischen Familien heute auch noch die Antisemiten zu einem Lobgesang auf das Judenthum begeistern? Es muß doch so sein, denn sonst hätten uns diese unsere Todfeinde unser Familienleben schon zuni Vorwurfe gemacht, hätten sie schon alles gemacht, hätten sie schon alles gethan, uns zu verunglimpfen. Daß sie sich nicht für uns begeistern, darf uns nicht wundern; sie sind ja kein Bileam, der die Wahrheit bekennen mußte; sie gehen mit der Wahrheit um, wie mit ihrem politischen Bekenntniß; heute Sozialist, morgen Antisemit und am folgenden Tage ein Hentrttmsmann, je nachdem ihnen eine Partei mehr verspricht al» die andere. Von, ihnen hätten wir keine Schonung zu erwarten. — Aber trotzdem darf uns das Wort de« Propheten aufrütteln zum ernsten Thun und es ist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.