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Der Israelit · 1897-08-19 · Heft 66 (19.8.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 66 (19.8.1897)
Date
1897-08-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1285 stand einer Gerichtsverhandlung in der galizischen Kreisstadt Brzezany. Wiener Blätter bringen ausführliche Berichte über den Prozeß. Einem dieser Blätter entnehmen wir die Nachricht von einem Coup, den die Bertheidiger bei dieser Schlußverbandlung durchführen wollten. Sie beantragten nämlich unter dem Vorwände, es handle sich hier nicht um öffentliche Gewaltthätigkeit, sondern um Rub, daß die Verhandlung nicht vor einem Richtersenate, sondern vor Geschworenen durchgeführt werde. Letztere würden wahrscheinlich in ihrer Voreingenommenheit gegen die Juden die angeklagten Plünderer und Hetzer freigesprochen haben. Der Gerichtshof hat jedoch den schlauen Antrag der Bertheidiger verworfen; und sich für kompetent erklärt. Am ersten Verhandlungslage wurden 36 Angeklagte vernommen. Alle leugnen ihre Schuld und behaupten, daß sie von Anderen mitgeriffen wurden, höchstens ein dis zwei Fenster einschlugen und sich nichts zugeeignet haben; sie wären, versichern sie, von den Juden seil Langem provozirt und am kritischen Tage geschlagen worden und hätten daher nur aus Mthwehr gehandelt und zurückgeschlagen! Schließlich betonten sie, daß die Hauptschuldigen die Flucht ergriffen haben und sich nicht auf der Anklagebank bcsinden. Am 1. d. Nt. wurde das Urtheil gefällt. Danach wurden 15 Angeklagte freigesprochen, einer zu fünf, sieben zu drei, zehn zu zwei Monaten und zwölf zu sechs Wochen schweren Kerkers, ein Arbeiter zu vierzehn, vier zu drei, einer zu zwei Tagen Arrests verurtheilt. Anselm Scharr, welchem als Zeugen während der Hauptverbandlung nachgewiesen worden war, daß er in der Untersuchung falsch ausgesagt und dadurch die Anklage gegen 15 Bahnarbeiter verursacht hatte, wurde zu zmel Monaten einfachen Kerkers verurtheilt. Die Bertheidiger der Verurteilten legten keine Berufung ein. — Argentinien. Buenos Aires, 5. Juli. Merkwürdige Zustände scheinen in der Hauptstadt Argentiniens zu herrschen. Ein Freund unseres Blattes übersendet uns die La Plata Rundschau, in welcher über die Grundsteinlegung der ersten Synagoge daselbst berichtet wird. Danach wurden die Eröffnungsreden durch den Präsidenten der Gemeinde Herrn Louis H. Brie, den protestantischen Priester, Nev. Dr. Thompson und den Freidenker (!) Herr Simon Ostwald unter allgemeinem Beifalle gehalten. Ter frühere Jude und jetzige Freidenker Ostwald verherrlichte in seiner Rede die beiden Stifter der christlichen und mohamedanischen Religion. Der Pastor der protestantischen Gemeinde, Rev. Dr. Thompson verfolgte darauf in einer, wie der Bericht sagt, Bewunderung erweckenden nachfolgenden Predigt, denselben philosophischen Jdeengang und veranlaßte die erstaunten Zuhörer zu erneutem Beifall. Die Rede habe ganz neue Gesichtspunkte über die göttliche Mission des Judenthums enthalten. „Die Chöre, von 21 Herren und 23 Damen vorgelragen, klangen meisterhaft, gekrönt von dem „Hallelujah", worin die Silberstimmen von Frau Franziska und Fräulein Eugenie und Jda Krämer in Kraft und Zartheit mit den Meisterinnen der Tonkunst wetteiferten, worauf die Ceremonie ihren Abschluß fand." Der Vorstand der Gemeinde besteht aus den Herren : Luis H. Brie—Hamburg, Roberto Lehmann —Colmar, Lorenzo Dixon—London, Salomon Hirsch —Niederbronn, Elsaß, Simon Krämer—Fürfeld, Marx Recht—Schaffhausen, Gustav Glaser—London, Jsiooro Guthmann—Wittesheim, Salomon Gorsd— Vorna, Rußland, Myrtil Levy —Helimer, Lothringen. Man kann den Herren das Compliment nicht versagen, daß sie alle ihre „Voruriheile" in der alten Welt zurückgelaffen haben. Palästina. 6. Jaffa, 6. Menachem-Abh. Die Weinlese hat in den judäischen Kolonien seit zehn Tagen begonnen, und ein ungeheures rühriges Leben hat nun in allen diesen Kolonien begonnen, das sich in vollstem Maße am Keller in Rischon-l'Zion konzentriert. Hier kommen die Wagen und Kameele her mit den Trauben von allen Kolonien und allnächtlich werden an die Kelterei bis zu 160 000 Kilo Trauben abgeliefert und gekellert. Die Kolonisten von Katra, Rehobhoth, Wadi-el-Hanin und Pethach - Thikwah bringen auf Kameelen die größten Körbe mit Trauben nach Rischon, wo sie auf Wagen geladen und so gewogen und abgeliefert werden. In diesem Jahre wurden die Preise für die Trauben, über die berechtigte Klage erhoben worden war, auf Anweisung vom Baron erhöht, und zwar werden gezahlt für den Kantar Trauben: 1896. Bordeaux Seinillon 50 Frc. vor 3 Jahren 25 Frc. 40 Frc. Gewöhn! Semillon u. and. weiße Arten 20 „ 1892. 28 „ 20 „ Alicante 35 „ ursprünglich . 35 „ 25 „ seit 1892 . . 25 „ (ein kleiner Theil, der länger auf dem Stock blieb) 30 „ Cabernais-Sevignon 70 Frc. 70 „ Malbec 60 „ ursprünglich 70 Frc. 50 Schw. Sort. (Carignan) 25 „ „ „ 35 „ 25 „ Dabei ist zu bemerken, daß der Kantar zu 300 Kilo, nicht wie sonst zu 287 Kilo gerechnet wird. Außerdem muß man bedenken, daß von den Sorten, deren Preis in diesem Jahre erhöht wurde, nurverhältnißmäßig wenig in den Kolonien gebaut wird, dagegen um so mehr Carignan und andere schwarze Sorten, für die man ursprünglich 35 Frc. zahlte, während heulelnur 25 Frc. gegeben werden. Wir

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