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Der Israelit · 1897-08-19 · Heft 66 (19.8.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 66 (19.8.1897)
Date
1897-08-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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---Tryr - v.- 1280 Es werden daher alle Derartiges beabsichtigenden Durchreisende ernstlichst und feierlichst gewarnt, sich nicht unnütz in Elend und Leid zu stürzen, da der Vorstand Ansuchen auf Unterstützung irgend welcher Art unter keiner Bedingung berücksichtigen kann. Mütter mögen ihrer selbst und ihrer Kinder wegen sich diese Mittheilung zu Herzen nehmen, um sich vor Enttäuschung zu hüten. I. A.: M. Stephany, Schriftführer. London, E. Juli 1897. The Board of (xuaidians for the Kelief of Jewish Pool’ of London Comptoir: Widegate Street, Bishopsgate. Wir bitten die Herren Secretäre der Wanderbettelkaffen diese Warnung in ihren Räumen anschlagen zu lassen.Red, d. Jsr. •*- Wersonalien. -fr R. WormS Die hiesige israel. Gemeinde hat einen überaus schmerzlichen Verlust erlitten; sie hat den Tod eines ihrer edelsten Mitglieder zu beklagen. Herr Julius B l ü n starb in Wildungen in Folge einer Operation. Wer vermag den Schmerz und die Wehmuth zu schildern, die sich der ganzen hiesigen israel. Gemeinde bemächtigte, als die Schreckenskunde hier bekannt wurde Man vermochte den traurigen Gedanken kaum zu fassen, daß dieser brave und gute Mann von 53 Jahren, der eigentlich nicht krank von hier schied, lebend nicht wieder zurückkehren sollte. Trat doch jetzt erst das edle Wirken des Verblichenen nach den^ verschiedensten Seiten hin, jedem so lebendig vor die Seele. Bis an sein Lebensende gehörte er dem Vorstande der jüdischen Gemeinde an. In fast sämmtlichen jüdischen Vereinen gehörte er seit einer langen Reihe von. Jahren der Verwaltung an, aber nicht nur dem Namen nach, sondern überall thätig eingreifend, mitwirkend, in dem Armenunterstützungsverein mitfühlend. Welch hohe Freude gewährte es ihm, an den hohen Festtagen als Vorbeter zu wirken und die Gesänge in der uralten Weise vorzutragen, wie er solche in seiner Jugend von hervorragenden O'KN vernommen hatte. Mehr als ein Vierteljahrhundert wirkte er hier und auswärts als?niD, was er bei diesen! Sitte in armen Familien durch sein braves Auge und edles Herz Gutes gethan, das wollen wir — seinem Sinne entsprechend — nur andeuten und nicht ausführen. Auch die Bürgerschaft hat sehr bald sein gemeinnütziges Streben und sein hervorragendes Können auf dem Gebiete des Rechenwesens erkannt und ihn mit an die Spitze deS Vorschuß- und Creditvereins gestellt. Bei einem so edlen Wirten finden wir es begreiflich, daß Herr Rabbiner Dr. Stein seine Badereise unterbrach und von Wildbad hierherkam, um diesem Biedermann die letzte Ehre zu erweisen. Es war durchaus zutreffend, wenn Dr. St. in seinem Nachrufe aus die Worte des Elieser den Aroch hinwies, der „ein gutes Herz" als den vorzüglichsten Besitz eines Menschen pries; ein „gutes Herz" mar auch die Grundstimmung im Charakter des Entschlafen! n. Als wir dem Freunde eine Hand voll Erde als letzten Liebesgruß in das Grab nachsandten, war es uns, als vernähmen wir die Worte deS königlichen Sängers: .THN 'D D)DS N7. „Ich bin nicht gestorben, sondern ich lebe!" Ja, em so edler Mensch lebt nicht nur in seinem engen Familienkreise weiter, er lebt auch da fort, wo man sein vortreffliches Wirken zu würdigen verstanden und das ist im Herzen — der ganzen hiesigen jüdischen Gemeinde. W. Viernheim, 14. August Gestern Nachmittag 3 Uhr wurde Herr Tabakhändler I. Weißmann I. den Seinen durch den Tod entrissen In einem vierzigjährigen Geschaisleben (Geschäftsverbindungen bestehen heute noch von Gründung des Geschäftes) hatte der Verstorbene sich allgemeiner Beliebtheit zu erfreuen und bewies die allgemeine Antheilnahme an der langwierigen Krankheit desselben seinen Angehörigen die Achtung und das Ansehen, welches er sich ohne Unterschied bei seinen Mitbürgern zu verschaffen wußte. Bei dessen Beerdigung, welche unter großer Betheiligung aus allen Kreisen ohne Unterschied ftattfand, hatten mir Gelegenheit, die ergreifende Leichenrede von Herrn Lehrer Goldschmied zu hören, von welcher wir, da sie gewiß auch für weitere Kreise Interesse hat, nachstehend einen ku zen Auszug folgen lassen. Ju ca. stündiger schwungvoller Rede schilderte Herr Goldschmied wie der Verblichene mit wahrem Gottvertrauen erfüllt aus geradem schlichten Lebenspfad aus bescheidenen Alffängen sich zu einer hochgeachteten Stellung unter seinen Mitmenschen emporgeschwungen hat, wie er es versiandcn, seinen guten Flamen und das Vertrauen aller seiner Freunde sowohl in privaten, als auch in Geschäftskreisen bis zu seinem Lebensende ungetrübt zu erhalten und dieses schöne Lebensprinzip auch feinen Kindern mit Erfolg einzupflanzen suchte. In meisterhafter Weise, in kernigen, schönen Worten, durchtränkt mit den herrlichsten Belegen der hl. Schrift bekamen dann die andächtig lauschenden Zuhörer ein treues Bild von dem musterhaft schönen Familien» leben im Hause des Verstorbenen. Weiter führte Redner aus, wie sich die göttliche Gnade auch in dem Alter des Hingeschiedenen sichtlich gezeigt, wie der sehnlichste Elternwunsch die Kinder vor dem Lebensabschlutz versorgt zu wissen, bei ihm sich erfüllt habe. Endlich sprach Redner dem Verblichenen den Dank aus. für all das Gute, das er seinen Mitmenschen in so reichlichem Maße erwiesen, insbesondere für seine ersprießliche Thätigkeit als Gemeindemitglied und Mitbürger. Feuilleton. Der Tyoraschreiber 3) von H. Berger. sAlle Rechte vorbehalten.s Der junge Mann war schon einige Tage im Hause und Niemand hatte seine Anwesenheit bemerkt. Es war Freitag; man rüstete sich zum Sabbat. Wessely und sein Gehülfe gingen zur Synagoge und Esther machte das Haus bereit zum Empfang der Prinzessin Sabbat. Festtäglich geschmückt erwartete das Haus und seine Bewohner den hohen Gast und freudig wurden die Lieder gesungen, welche die Dichter unseres Volkes zu seiner Ehre und seinem Ruhme einst sangen und uns überliefert haben. Esther achtete auf die Stimme des Hausgenossen und war erstaunt. Auch hier meinte sie eine Aehnlichkeit zu finden mit einer Stimme, die einst leidenschaftlich ihr zugerufen: „Fräulein, wenn Sie meine Liebe zurückweisen, so jagen Sie mich in den Tod." Esther beschäftigte sich mehr als sie wollte mit dem neuen Hausgenossen und sogar die ernste Zeit,

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