Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 66 (19.8.1897)
- Date
- 1897-08-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1279 tholiken das Treiben des Herausgebers des „Deutschen Volksblattes" verdammen. — Das „Deutsche Volksblatt" veröffentlicht eine Erklärung des Heraus gebers des „Deutschen Volksblatte«", Vergani, wonach derselbe mit Rücksicht auf den Ausgang des SchwurgerichtSprozeffeS sein ReichSrathSmandat, sein Landtagsmandat und sämmtliche von ihm bekleideten öffentlichen Aemter niederlegt. Budapest. Gelegentlich des Tisza - Eßlarer Prozesses wurde der jüngstverstorbene Oberstaatsanwalt Kosma von mehreren „vornehmen" christlichen Damen in Nir-Eüihasa gefragt, ob eS denn wahr sei, daß er die angeklagten Juden retten wolle. Hierauf gab er folgende niederschmetternde Antwort: „Ich bin ja gern bereit, wenn die Damen eS durchaus verlangen, für Sie so viele Leute aufknüpfen zu laffen, als Sie nur befehlen. Aber da Sie Frauen und Mütter sind, möchte ich Sie doch fragen, ob Sie nicht vielleicht einen Augenblick darüber nachgedacht haben, daß auf diese 14 Angeklagten zu Hause nicht weniger als 63 Kinder im größten Elend warten?" Dann wandte er sich zu den anwesenden hohen Herren und sagte: „Wenn die Angeklagten schuldig sind, so wird keiner dem Galgen entgehen. Andernfalls versichere ich Sie, daß nicht für das Wohlwollen und nicht für den Zorn des gesammten Comitats-Adels ich erlauben werde, daß auch nur einem unschuldigen Menschen ein Haar gekrümmt werde." England. London, im Juli. Der Hilfsverein Jüdischer Armen (Board of (4uardian.s for the Belief of.lewish Poor). Widegate Street, Bishopsgate, versendet an alle Gemeinden im Auslande folgendes Rundschreiben: „Unser Vorstand ist seit geraumer Zeit mehrfach um Unterstützung von Seiten veramter und unbemittelter Frauen, von denen viele Kinder, haben, angegangen worden, dieselben möchten durch Gewährung von Fahrscheinen auf Dampferlinien in die Lage versetzt sein, ihren Ehemännnern nach Amerika oder andern Hafenplätzen nachzureisen. Diese Frauen, oftmals im größten Elende und in der höchsten Nothlage, geben sich der falschen Hoffnung hin, daß ihnen die jüdischen Gemeinden Englands zur Erreichung ihres Zweckes behilflich sein würden, nämlich ihre Männer zu erreichen, die aber in vielen Fällen sogar absichtlich ihre Familien im Stiche ließen. Sie werden zugestehen, daß es nicht angängig ist, daß Frauen unter solchen Verhältnissen hierhergereist kommen, und sieht sich unser Vorstand daher gezwungen, den Beschluß zu fassen, irgendwelche derartige UirterstützungSgesuche fernerhin abzuweisen; eS sei denn, daß außergewöhnliche Begründungen vorlägen, welche empfehlen, die ohnedies stark in Anspruch genommenen Hilfsmittel hierfür zu verwenden. Diese ernstlichen, aber leider zur Selbsterhaltung nothwendig gewordenen Maßnahmen des Vorstandes verursachen selbstredend viel Elend und Enttäuschungen Seitens jener Bittsteller, welche aus oben angeführten Gründen London überlaufen. In Fällen, in denen der Vorstand sogar willens war solchen Frauen und deren Kindern zur Weiterreise nach Amerika beizustehen, mußte davon Abstand genommen werden, weil diesen Frauen der Aufenthaltsort ihrer Männer unbekannt war und ihnen jegliche direkte Beziehung mit solchen fehlte, zumal die amerikanischen Behörden solchen Frauen die Landung verbieten, es sei denn, daß deren Ehemänner sich bereit erklären, dieselben am Landungsplatz in Empfang zu nehmen und für sie zu sorgen. Dieser ununterbrochenen Einwanderung des ärmsten Elementes jüdischer Armuth muß unbedingt Einhalt geboten werden, da sich sonst die folgenschwersten Conseguenzen ergeben, durch welche das Schicksal der in England eingewanderten ausländischen Juden ernstlich beeinträchtigt wird. Aus diesen Gründen wenden wir uns an Sie mit dem ergebenen Ersuchen, alle Mittel und Wege auszubieten, Warnungsanzeigen und diesbezügliche Mittheilungen circuliren zu laffen, welche den in Vorgehendem beschriebenen weiblichen Auswanderern ein klares Bild geben sollen, daß nur Elend und Unglück ihrer hier wartet, wenn sie trotz feierlichster Warnung sich dessen ungeachtet auf die Reise begeben wollen. Schon der Umstand der Unkenntniß der Landessprache wird sie in Gefahr bringen. Sollten Sie im Stande sein unser Ansuchen auch durch eigens zu ergreifende Mittel thatkräftig zu unterstützen, welche den von uns gewünschten Zweck erfüllen mögen, so würde Ihnen unser Vorstand in reichstem Maaße zu Dank verpflichtet seilt. Aber mehr noch, Sie erweisen der Menschheit und und insbesondere jenen elenden armen Kindern und deren Müttern unschätzbare Dienste, derentwegen wir diese Schrift an Sie abfaffen." gez.: Benjamin L. Cohen, Präsident, Michael A. Green, Ehren - Secretär. Die „Warnung" lautet wie folgt: Der Vorstand des Hilfsvereins jüdischer Armen zu London (The Board of Guardians for the Belief of -Tewisli Poor of London) bringt zur Kenntniß, daß allen solchen unbemittelten Frauen und Kindern, welche unter falschen Erwartungen nutzloser Weise nach London kommen in der Hoffnung, Seitens unseres Vorstandes mit Schiffsfahrkarten versehen zu werden, um ihren Ehemännern nach America oder anderwärts nachzureisen, in keiner Weise Hilfe geleistet werden kann.